Wandern mit der ganzen Familie, Zeit draußen in der Natur verbringen, Neues entdecken – mit ein paar Kniffen werden Familien-Touren zum gelungenen Abenteuer für Groß und Klein.

Lukas Schnitzer
Lukas Schnitzer

Schwer schleppt die kleine Ameise sperrige Blätter über den Weg. Langsam und gemächlich bahnt sich der Alpensalamander seine Bahn über den schottrigen Boden. Noch viel langsamer kriecht die lustig gemusterte Blindschleiche durchs Grün der Wiese. Steine, Stöcke und Äste, die kleine Lacke vor dem eigentlich malerischen Bergsee – Kinderaugen sehen mehr und eigentlich immer alles ein klein wenig anders. Da kann es schon mal passieren, dass landschaftliche Höhepunkte, traumhafte Almen und mächtige Gipfel zum unbedeutenden Nebendarsteller schrumpfen, vermeintlich Unbedeutendes für Stunden fesselt. Wandern mit der ganzen Familie? Läuft selten nach Plan, wird aber mit geschickter Tourenwahl, weiser Voraussicht und etwas Flexibilität jedes Mal aufs Neue zu einem Natur-Abenteuer für Groß und Klein.

Wohin des Weges?
Wohin man mit seinem Nachwuchs aufbricht, welche Tour man ins Auge fassen und wovon man lieber die Finger lassen soll, das hängt stark vom Nachwuchs selbst sowie natürlich vom Alter ab. Manche Kinder sind motivierter, sich draußen in der Natur zu bewegen, manche müssen die Motivation erst finden – oder nach überfordernden Erlebnissen wiederfinden. Womit wir gleich mit dem wichtigsten Punkt losstarten: Bitte plant eure Touren für eure, vielleicht sogar mit euren Jüngsten. Es kann schon sein, dass Mama und Papa, Oma und Opa ihre ausufernde Begeisterung für die Berge gerne in ebenso ausufernden Touren bis tief in hochalpine Lagen ausleben. Und es kann auch sein, dass man diese Begeisterung für die Natur, für das meditative Gehen und die einzigartigen Landschaften fernab der Zivilisation gerne an die nächste Generation weitergeben  möchte. Bloß: Kinderaugen sehen, wie eingangs angedeutet, Dinge einfach anders. Weite, steile Pfade in malerischer Landschaft werden da schnell monoton und einfach nur „weit“. Der Blick oben vom Gipfel wird schnell langweilig. Wer seine Kinder langfristig für die Berge und die Natur begeistern möchte und nicht schon beim bloßen Anblick von Wanderrucksack und Bergschuh auf heftige Gegenwehr stoßen möchte, der muss das Pferd anders aufzäumen.

Kleine Kraxeleien sind lustiger als stundenlanges Gehen, viele Trink-, Jausen- und Spielpausen lassen müde Beinchen auf magische Weise wieder zu Kräften kommen. Und wenn es rund um die Hüttenrast sichere, spielbare Flächen, kleine Kletterfelsen oder gar Spielplätze und zahme Tiere gibt, können die großen Begleiter vielleicht sogar kurz zur Ruhe kommen. Viele Regionen haben dazu neben klassischen Touren durch Wälder, Klammen oder über Almen auch eigene Themenwanderwege in petto. Gerne darf es dabei auch abschnittsweise mit Gondeln und Bergbahnen aufwärts gehen, nach der Wanderung und Hüttenrast mitunter vielleicht mit Sommerrodelbahn & Co. gen Tal. „Die Natur ist der größte Abenteuerspielplatz. Kinder erleben beim klassischen Wandern sehr viel, sie spielen mit und in der Natur. Aber auch moderne Themenwanderwege und Outdoor-Spielplätze haben ihre Berechtigung. Sie machen es Eltern einfacher, bei den Kindern die Liebe zur Natur zu wecken und ihnen die Schönheit spielerisch näherzubringen“, fasst Stefanie Jastrinsky vom TVB St. Johann in Salzburg zusammen. Der Weg, so führt sie weiter aus, sollte jedenfalls abwechslungsreich sein und auch viel zu entdecken bieten. Kleine Waldpfade, so die Salzburgerin, sind super für Familien, denn dort ist auch der Abenteuerfaktor groß. Ein besonderes Ziel stellen aber immer auch Pfade rund ums Wasser dar. Schwimmen, Füße baden oder einfach nur Steine werfen sind für Pamela Binder vom steirischen TVB Ausseerland-Salzkammergut große Highlights für die Kleinen.

Gerade der anstehende Herbst, gerne auch „Altweibersommer“ genannt, ist mit seinen milden Temperaturen und der sich in spannenden Farben verfärbenden Natur die ideale Zeit für Familientouren – das Thema Wasser zumindest aus schwimmerischer Sicht einmal mit kleinem Fragezeichen ausgeklammert. Außerdem sind in der Nebensaison etwaige Nächtigungen in den Regionen meist deutlich günstiger zu haben, gibt Binder als Denkanstoß für die Herbstferien mit auf den Weg.

Planungstipps
Ein oft unterschätztes Kriterium in der Tourenwahl ist die einfache Erreichbarkeit von Start- und Endpunkt, startet Michael Mairhofer vom TVB Wildschönau in Tirol in „seine“ Tourenplanung. Achten sollte man auch auf ein nicht zu anspruchsvolles Gelände, in dem man die Kinder auch mal frei herumtollen lassen kann. 

Sollen Kleinkinder mit, gilt es vorab auch die Tauglichkeit der Wege für Kinderwagen und Co. zu prüfen, weiß Binder. Kinderwagen ausgenommen, sollte man die Monotonie der Forststraßen meiden,  stattdessen lieber verwinkelte Wege mit Wurzeln, groben Steinen und natürlichem Untergrund wählen. Hütten, Gipfel oder Hochplateaus sind sicher vieles, aber keine „spannenden“ Ziele. Lieber Höhlen, Kletterfelsen, Gewässer oder abenteuerliche Bauwerke wie Burgen oder Ruinen ins Visier nehmen. 

Übrigens: Mit gleichaltrigen Freunden und Freundinnen fallen die Schritte in der Regel ebenfalls leichter. Das wahre Ziel sollte aber immer der Weg sein – weshalb man auch ruhig einen 50-prozentigen Pausen- und Spielanteil einkalkulieren darf! Je jünger die Kinder, desto mehr Pausen sind gefragt.

Die richtige Dosis
Kinder sind individuell wie wir, sind manchmal in ihrer Entwicklung weit voraus oder haben gerade etwas Aufholbedarf. Grob geschätzt sind sie aber bis zum 2. Lebensjahr in Tragen am besten aufgehoben, bis zum 4. Lebensjahr sind kurze, einfache Wanderungen und erste Übungen zur Trittsicherheit an der Hand der Eltern ideal. Bis zum 6. Lebensjahr dürfen die Touren schon den halben Tag in Anspruch nehmen – entsprechende Spielpausen vorausgesetzt. Später werden erste „abenteuerliche“ Wanderungen, ab dem 9. Lebensjahr auch längere Bergtouren und der Beginn einer spielerischen Alpinausbildung möglich. Wichtig: Ein sicheres Umfeld und vor allem der Spaß an der Sache müssen immer mit auf Tour!