Am Berg ändern sich Wetter, Temperatur und Belastung oft innerhalb kürzester Zeit. Genau deshalb setzt moderne Outdoorbekleidung nicht auf die eine Jacke für alles, sondern auf ein durchdachtes Zusammenspiel aus Hardshell, Softshell und Isolation.

Teresa Frank

Wer im Sommer in den Bergen unterwegs ist, kennt das Szenario: Unten im Tal scheint die Sonne, am Gipfel pfeift plötzlich kalter Wind und kurze Zeit später zieht schon ein Regenschauer durch. Kaum eine andere Outdoor-Ausrüstung muss deshalb so vielseitig sein wie die richtige Jacke. Doch genau hier liegt ein häufiger Denkfehler: Viele suchen nach der einen Jacke für alles. Dabei basiert moderne Bergbekleidung längst auf einem anderen Prinzip, nämlich dem intelligenten Zusammenspiel verschiedener Schichten.

Wetter und Temperaturen können sich im Freien rasch ändern. Auch der Körper passt sich an. So steigt die Körpertemperatur bei Belastung und sinkt während der Pausen. Beim Sport ist es daher sinnvoll, sich in aufeinander abgestimmten Schichten zu kleiden“, erklärt Stefan Lörke von Vaude. Dabei geht es um Wärmemanagement, Bewegungsfreiheit und Anpassungsfähigkeit. Die drei Typen Hardshell-, Softshell- und Isolationsjacken übernehmen diese Aufgaben.

Hardshelljacken sind wasser- und winddicht und schützen zuverlässig vor Regen, Schnee und starkem Wind.

Schutzschild gegen Nässe 
Wenn Regen, Sturm oder Schneefall einsetzen, kommt die Hardshell ins Spiel. Sie bildet die äußerste Schutzschicht und ist darauf ausgelegt, Wind und Nässe zuverlässig abzuhalten. „Hardshelljacken sind für maximalen Wetterschutz konzipiert. Sie sind wasser- und winddicht und schützen zuverlässig vor Regen, Schnee und starkem Wind“, erklärt Tim Ferm von Mammut.

Wie wasserdicht eine Jacke tatsächlich ist, wird anhand der sogenannten Wassersäule bemessen. Sie gibt an, welchem Wasserdruck das Material standhält, bevor Feuchtigkeit eindringt. Ab etwa 10.000 Millimetern gilt eine Jacke als wasserdicht, hochwertige Hardshells erreichen oft 20.000 Millimeter oder mehr. 

Hardshells unterscheiden sich auch durch ihre Konstruktion. „2-Lagen-Hardshells sind meist leiser und komfortorientierter, dafür oft schwerer und weniger klein packbar. 2,5-Lagen-Hardshells sind in der Regel die leichteste und kompakteste Variante mit vollem Wetterschutz, allerdings manchmal mit Abstrichen bei Atmungsaktivität und Haltbarkeit“, erklärt er. 3-Lagen-Konstruktionen gelten als Königsklasse: robust, langlebig und gleichzeitig atmungsaktiv. Gerade im sommerlichen Bergsport wird die Hardshell nicht dauerhaft am Körper getragen, sondern vielmehr als Sicherheitsreserve im Rucksack mitgenommen.

Die Bewegungsjacke für aktive Touren
Ob Bike, Wandern, Klettersteig, im Winter Skitour oder ganzjährig auch im Alltag: Die Softshell ist die klassische „In-Bewegung-Jacke“ und spielt ihre Stärken überall dort aus, wo viel Aktivität herrscht. Der Fokus liege dabei weniger auf kompromisslosem Nässeschutz als vielmehr auf Atmungsaktivität, Klimakomfort und Bewegungsfreiheit, wie Stefan Lörke betont. „Softshells bieten guten Windschutz, eine leichte Wasserabweisung sowie Stretch und fühlen sich bei intensiver Bewegung besonders angenehm an“, ergänzt Tim Ferm.

Moderne Softshell-Materialien haben sich in den vergangenen Jahren auch stark weiterentwickelt. Sie kombinieren heute hohe Abriebfestigkeit mit Elastizität und deutlich verbesserter Atmungsaktivität. Grundsätzlich unterscheide man dabei zwischen winddichten und windabweisenden Softshells, erklärt Lörke. Modelle mit Membran schützen besonders gut vor Auskühlung und eignen sich ideal für wechselhafte Bedingungen oder sogenannte Stop-and-go-Aktivitäten. „Die meisten Softshells setzen auf winddichte Membranen, die das Auskühlen verhindern, ohne Bewegungsfreiheit und Atmungsaktivität einzuschränken“, sagt der Vaude-Experte. Wer dagegen mit höherer Intensität unterwegs ist, setzt oft bewusst auf luftdurchlässigere Modelle. „Die geringe Luftdurchlässigkeit hilft dabei, überschüssige Körperwärme effektiv abzutransportieren“, erklärt Lörke. Genau darin liegt aber auch die Grenze der Softshell: Bei dauerhaftem Regen, nassem Schnee oder starkem, kaltem Wind reicht ihr Wetterschutz nicht mehr aus.

Softshells setzen auf winddichte Membranen, die das Auskühlen verhindern, ohne Bewegungsfreiheit und Atmungsaktivität einzuschränken.

Wärme für Pausen 
Während Hardshell und Softshell vor allem den Wind- und Wetterschutz regeln, übernimmt die Dritte im Bunde eine andere Aufgabe: Wärme speichern. Isolationsjacken kommen meist dann zum Einsatz, wenn man nicht mehr aktiv in Bewegung ist und der Körper beginnt, abzukühlen. Sie funktionieren als Wärmespeicher und nutzen dafür entweder Daune oder synthetische Isolation. „Daune bietet das beste Wärme-Gewichts-Verhältnis und lässt sich besonders klein komprimieren“, erklärt Ferm. Ihr Nachteil: Feuchtigkeit. Deshalb spielen synthetische Isolationen ihre Stärken vor allem bei wechselhaften oder feuchten Bedingungen aus. „Sie behalten ihre Bauschkraft auch im nassen Zustand und gelten als pflegeleichter.“

Eine immer wichtigere Rolle spielen außerdem sogenannte Active-­Insulation- oder Hybridjacken. Sie kombinieren unterschiedliche Materialien innerhalb einer Jacke: zum Beispiel isolierte Bereiche am Oberkörper mit atmungsaktiven Einsätzen unter den Armen oder an den Seiten. Ziel ist, dort zu wärmen, wo es gebraucht wird, und gleichzeitig ausreichend Belüftung zu garantieren. Besonders im Sommer, wenn sich Aktivität und Wetter ständig ändern, schließen Hybridjacken damit die Lücke zwischen klassischer Softshell und reiner Isolationsjacke.

Moderne Materialien sind heute also leichter, atmungsaktiver und nachhaltiger als je zuvor. Trotzdem bleibt beim Jackenkauf die wichtigste Frage: Wofür brauche ich sie eigentlich? „Entscheidend ist weniger die technisch aufwendigste Lösung, sondern eine ehrliche Einschätzung des tatsächlichen Einsatzbereichs“, fasst Tim Ferm treffend zusammen.