Bei Outdoor-Ausrüstung steht ein Thema in der jüngsten Zeit im Blickpunkt: Nachhaltigkeit. Doch das ist ein weites Feld: Wie man als Konsument die Übersicht bewahrt und sich mit ­gutem Gewissen für den Outdoorsport rüstet.

Christof Domenig
Christof Domenig

Als Outdoorsportler will man die Natur als Grundlage für seinen Lieblingssport bestmöglich erhalten. Schön, dass sich dieses Ziel mittlerweile mit den Bestrebungen vieler Hersteller von Outdoor-Ausrüstung deckt. „Nachhaltigkeit“ rückt immer mehr ins Zentrum der Überlegungen. Aber: Was meint der Begriff eigentlich konkret? PFC-freie Textilien oder die Verwendung von recycelten Materialien sind zwei Trends, die sich auf der letztjährigen Outdoor-Messe (wo die Ausrüstung für diesen Frühling/Sommer vorgestellt wurde) zeigten. Doch der Begriff „Nachhaltigkeit“ führt viel weiter und wird auf unterschiedlichste Art und Weise ausgelegt. Für den Endverbraucher ist es oft schon schwer, den Durchblick zu bewahren.
Sogar Profis, die Tag für Tag mit Outdoor-Ausrüstung zu tun haben, tun sich hier nicht gerade leicht. Für Gigasport hat sich Katharina Gether ab Herbst 2016 darangemacht, den „Nachhaltigkeits-Dschungel“ zu durchforsten – und für die Verkaufsberater und Kunden (unter dem Begriff „Wear Fair“) die Thematik verständlich aufzuarbeiten. „Wir haben uns auf sechs Gütesiegel geeinigt, die uns am meisten überzeugen. Wohl wissend, dass auch die Gütesiegel nicht frei von Kritik sind. Oder dass es auch Hersteller in der Outdoorbranche gibt, die ihre gesamte Firmenphilosophie auf nachhaltige Kriterien ausrichten, aber bewusst auf Zertifizierungen verzichten“, erklärt Gether. 

Der Blick aufs Wesentliche
Auch wir wollen an dieser Stelle einen kleinen Beitrag zum Überblick im Nachhaltigkeits-Dschungel leisten – nach dem Motto: Back to the Basics. Grob gesprochen, lassen sich die Nachhaltigkeits-Initiativen im Bereich Outdoor-Ausrüstung in drei Bereiche gliedern:

Ökologie und Umweltschutz
Der Verzicht auf PFC, also auf giftige per- und polyfluorierte Chemikalien in Outdoorbekleidung, ist derzeit ein großes Thema. Auch das Zurückgreifen auf recycelte und aufbereitete Rohstoffe wie Bekleidung aus PET-Flaschen oder Schuhe aus in den Meeren gesammelten Fischernetzen.

Soziale Standards
Dazu gehören auch, aber nicht nur faire Arbeitsbedingungen in Fernost. Es gibt auch immerhin einen zarten Trend zu beobachten, die Fertigung ganz oder teilweise zurück nach Europa bzw. ins Heimatland zu holen. Was nicht nur Arbeitsplätze in unseren Breiten schafft und sichert, sondern aufgrund kürzerer Transportwege auch ein Umweltthema ist.

Tierwohl
Merinowolle und Daunen spielen bei Outdoor-Textilien eine immer größere Rolle – und mit beiden Themen rückt auch das Thema artgerechte Tierhaltung in den Blickpunkt.

Mit diesem Vorwissen kann man sich als Konsument nun schon einmal leichter Gedanken machen, welcher Bereich der Nachhaltigkeit einem besonders wichtig ist. Geht es aber konkret darum, sich für den Sport auszurüsten, dann sind es wieder drei Schritte, die beim „bewussten Einkaufen“ helfen.

Sich über ein gewünschtes Produkt und die Marke dahinter informieren: Manche Hersteller richten ihre gesamte Firmenphilosophie nach Kriterien von Fairness und Nachhaltigkeit aus, andere einen Teil der Produktpalette. Wieder andere gar nicht. Es gilt auch im Vorfeld: überlegen, ob man ein Ausrüstungsteil wirklich braucht; nicht zum Billigsten greifen, weil man das, was man besitzt, dann auch möglichst lange verwenden und daran Freude haben soll. Lieber weniger, aber bessere Teile kaufen und besitzen.

An Gütesiegeln orientieren: Klar – auch Gütesiegel sind nicht der Weisheit letzter Schluss. Aber schon ein wichtiger Punkt, an dem man sich orientieren kann. Hierbei hilft es, grob Bescheid zu wissen, wofür gängige Gütesiegel stehen (siehe hinten).

Einmal angeschaffte Produkte pflegen und möglichst lange verwenden. Erst im Anlaufen, aber sicherlich ein großes Zukunftsthema: Outdoor-Ausrüstung nach Ende ihrer Lebenszeit wieder in den Wiederverwertungs-Kreislauf zurückzuführen.

Gütesiegel-Guide

Auf diese Gütesiegel treffen Outdoorsportler oft: Was sie bedeuten und für welche Werte sie stehen.

Fair Wear Foundation 
Diese gemeinnützige Organisation verfolgt das Ziel angemessener Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie. Heißt: Existenzsichernde Löhne und faire Arbeitszeiten, Sicherheit am Arbeitsplatz; verbindliche Arbeitsverträge oder Versammlungsfreiheit müssen gewährleistet sein. Diskriminierungen jeder Art sind streng verboten. Mitgliedsbetriebe der Fair Wear Foundation und deren Lieferanten stehen unter strenger Beobachtung. 

Textiles Vertrauen nach Oeko-Tex Standard 100 
„Geprüft auf Schadstoffe“ steht am Logo: Beim Öko-Tex Standard 100 geht es folglich um Schadstofffreiheit in Textilien. Durch dieses unabhängige Zertifizierungssystem werden Textilien nicht nur auf gesetzlich verbotene, sondern auch auf andere gesundheitsbedenkliche Stoffe geprüft. Beim weiterführenden Label „Öko-Tex – Made in Green“ sind zusätzlich auch die Arbeitsbedingungen auf soziale Verträglichkeit hin überprüft.

Bluesign 
Das Schweizer Unternehmen prüft und bewertet die Umweltbelastungen während des gesamten Produktionsprozesses von Textilien. Fünf Prinzipien werden mit einbezogen: Immissionsschutz, Gewässerschutz, der Umgang mit Energie und Rohstoffen, der Verbraucherschutz und die Arbeitssicherheit.

PFC Frei 
Perfluorierte und polyflourierte Chemikalien werden sowohl in der Herstellung von wasserdichten Membranen als auch beim Imprägnieren eingesetzt, um eine schmutz- und wasserabweisende Wirkung zu erzielen. Die Chemikalien werden in der Natur nur sehr langsam abgebaut und wurden auch an entlegenen Regionen der Welt schon nachgewiesen. Mittlerweile gibt es PFC-freie Alternativen, die sehr gut funktionieren – meinen zumindest die Hersteller, die auf PFC-Freiheit setzen. 

Bio-Baumwolle (Organic Cotton)
Das Zertifikat für Bio-Baumwolle garantiert den ökologischen Anbau der Wolle. Es darf nur mit natürlichen Düngemitteln gedüngt werden und es wird von Hand geerntet. Zum Schutz vor Schädlingen ist eine Fruchtwechsel-Wirtschaft vorgeschrieben.

Wolle aus zertifizierten Zulieferbetrieben 
Merinowolle wird als funktionelle Naturfaser und damit nachwachsender Rohstoff zum immer beliebteren Rohstoff, um funktionelle Kunstfasern ganz oder teilweise zu ersetzen. Ein Problem ist das Mulesing, ein für die Schafe schmerzhaftes Verfahren, das von manchen Züchtern angewandt wird, um Schädlingsbefall zu verhindern. Die meisten Hersteller von Merinobekleidung aus der Outdoorbranche setzen daher auf Wolle aus zertifizierten Betrieben, um dieses Mulesing auszuschließen.

Responsible Down Standard 
Die US-amerikanische NGO „Textile Exchange“ gibt für dieses weltweit gültige Siegel Mindeststandards bei der Gewinnung von Daunen vor. Es will sicherstellen, dass die Enten und Gänse, von denen Daunen gewonnen werden, gemäß diversen Tierwohl-Kriterien gehalten werden. Es werden beispielsweise keine lebenden Tiere gerupft und es findet keine Zwangsernährung statt.

Auch wenn noch viel zu tun ist: Der „grüne Weg“, den die Branche eingeschlagen hat, wird sicher weitergehen. Das wird sich schon bei der Outdoor 2018 zeigen: Die Branchenfachmesse findet von 17. bis 20. Juni in Friedrichshafen statt, SPORTaktiv ist vor Ort – und wird in der nächsten Ausgabe über die Trends für den Outdoorsommer 2019 berichten.