Sechs Teile, unzählige Kombinationen: Wie man sich für Herbst-Biketouren zwischen kalten Tälern und sonnigen Anstiegen richtig anzieht.
Kalte Luft im Tal, Schweißperlen am Anstieg, frostiger Fahrtwind in der Abfahrt – im Herbst müssen sich Radler im Laufe einer einzigen Ausfahrt verschiedenen Wetterlagen stellen. Wer schon mit der dicken Jacke losfährt, kommt wahrscheinlich am Berg durchnässt an. Die Lösung liegt aber nicht unbedingt in mehr Kleidung im Schrank, sondern in der richtigen Kombination weniger, möglichst vielseitiger Teile.
Zwiebelprinzip neu gedacht
Egal ob beim Wandern oder auf dem Bike, am Schichtprinzip führt im Herbst kein Weg vorbei. Dank neuer Materialien wird es aber immer schlanker. „Der Schlüssel liegt weniger in einer dicken Jacke als in einem durchdachten Schichtsystem, das ich während der Fahrt regulieren kann“, erklärt Marc Podesta, Marketing Manager bei Endura. Sein Tipp: lieber leicht fröstelnd starten, denn „nach den ersten zehn Minuten übernimmt der Körper die Heizung ohnehin. Wem bereits am Parkplatz beim Aufsteigen wohlig warm ist, der kommt oben häufig als fahrende Dampfsauna an“.
Auch Sylvia Hipfl-Kiesenhofer, Category Managerin Bike bei Intersport Austria, setzt auf das bewährte Prinzip mit wenigen, vielseitigen Schichten: „Ein atmungsaktiver Baselayer hält den Körper trocken, darüber ein leichtes Langarmtrikot oder eine winddichte Weste bzw. Jacke, die sich klein zusammenfalten und schnell in der Trikottasche verstauen lässt. Eventuell Ärmlinge und Beinlinge – so deckt man bereits einen großen Temperaturbereich ab.“
Wenn das Ziel lautet, mit möglichst wenigen Bekleidungsstücken bei unterschiedlichen Witterungsbedingungen das Auslangen zu finden, rät Podesta außerdem zu Teilen, die mehrere Aufgaben übernehmen: „Nicht vom Schichtprinzip abweichen, sondern Teile wählen, die mehrere Aufgaben clever verbinden – ein Hoodie mit integrierter, helmtauglicher Kapuze etwa ersetzt die separate Unterziehmütze.“
Qualität erkennen
Beim Material entscheiden oft die Details. „Wichtig sind saubere Nähte, hochwertige Reißverschlüsse, flache Abschlüsse und gut platzierte Silikonbündchen“, so Hipfl-Kiesenhofer. Besonders beim Sitzpolster zeige sich der Unterschied oft erst nach mehreren Stunden im Sattel, wenn mehrlagige Schaumstoffe den Druck gezielt verteilen.
Damit die kalte Luft zuverlässig draußen bleibt, muss alles gut sitzen. Podesta merkt dazu an: Radbekleidung sollte man „nicht nur aufrecht vor dem Spiegel, sondern in Fahrposition testen“. Denn das beste Material bringe wenig, wenn die Jacke am Bügel toll aussehe, auf dem Rad aber zu rebellieren beginne.
Ab wann braucht es eine Mütze unterm Helm? Eine feste Temperaturgrenze gibt es laut Podesta und Hipfl-Kiesenhofer in dieser Frage nicht, schließlich ist das persönliche Temperaturempfinden unterschiedlich. „Sobald Stirn oder Ohren im Fahrtwind unangenehm kalt werden, ist eine Unterziehmütze sinnvoll“, weiß Podesta. Für viele liegt diese Wohlfühlgrenze bei acht bis zehn Grad, bei Wind oder Regen kann sie aber auch schon deutlich früher eintreten. Dank minimalem Packmaß lässt sich ein atmungsaktiver Schutz für Stirn und Ohren auch einfach in die Trikottasche stecken und bei Bedarf hervorholen.












