Jana Gigele ist Österreichs stärkste Gravel-Racerin, am Wörthersee stand sie erstmals auf dem Weltcup-Podest. Im Gespräch verrät sie, was sie antreibt – und welche Botschaft sie vermitteln möchte.
Du hast am Wörthersee dein erstes Podium in der UCI Gravel World Series geholt – was hat dieses Rennen für dich so besonders gemacht?
In erster Linie ist es etwas sehr Besonderes, weil es ein Heimweltcup ist – das einzige UCI-Gravel-Rennen in Österreich. Neben dem perfekten Wetter war auch die Kulisse am Wörthersee beeindruckend – mit See und Bergen im Hintergrund. Außerdem waren viele bekannte Gesichter vor Ort. Das alles hat das Rennen sehr speziell gemacht.
Viele denken bei Gravelrennen eher an Langdistanzen. Wie unterscheiden sich diese kurzen, intensiven UCI-Rennen für dich in Bezug auf Belastung, Fahrgefühl und Taktik?
Ich würde nicht unbedingt von kurzen Distanzen sprechen – vier bis fünf Stunden sind für mich schon lang. Ich bin zuletzt ein Rennen über 200 Kilometer gefahren. Gerade das Rennen am Wörthersee (150 km, 1.700 hm) war sehr taktisch geprägt, weil es viele flache Passagen gab. Es war wichtig, immer gut positioniert zu sein, um in den entscheidenden Abschnitten vorne dabei zu bleiben. Sonst konnte man schnell den Anschluss verlieren.
Würdest du sagen, dass diese schwierigen Passagen die entscheidenden Schlüsselstellen waren?
Auf jeden Fall spielen sie eine Rolle. Dieses Jahr wurde die Strecke leicht angepasst – gleich zu Beginn kam ein Anstieg, in dem man gut positioniert sein musste. Trotzdem ist vor allem die Fitness entscheidend. Wenn ich mich gut fühle, kann ich auch einmal eine schlechtere Position wieder ausgleichen. Am Wörthersee hat vieles gut zusammengepasst. Wir konnten uns schon in der ersten Runde zu dritt absetzen und die Entscheidung fiel dann am längeren Anstieg.
Mein erstes Rennen habe ich „just for Fun“ mit rund 300 Kilometern Training in den Beinen bestritten.
Hat die Materialwahl eine große Rolle gespielt?
Absolut. Im Gravel-Sport ist das Material sehr wichtig. Man muss Untergrund und Wetter gut einschätzen und teilweise auch kurzfristig das Setup anpassen. Am Wörthersee waren die Bedingungen sehr stabil, daher war die Materialwahl relativ klar.
Was hat dich persönlich am Graveln gereizt und warum hast du dich für diesen Weg entschieden?
Ich habe erst vor etwa vier bis fünf Jahren mit dem Radfahren begonnen – damals direkt auch mit Rennen. Mein erstes Rennen habe ich mit rund 300 Kilometern Training in den Beinen bestritten. Das war kein klassischer Aufbau mit Zielplan, sondern eher: Ich bin eine kompetitive Person, also fahre ich einfach mit. Seit etwa zwei Jahren trainiere ich strukturierter auf Ziele hin. Davor war es eher „just for Fun“ – um den Kopf freizubekommen und Alltagsstress auszugleichen.
Und warum speziell Graveln?
Ehrlich gesagt weiß ich es gar nicht mehr genau. Ich habe es irgendwann gesehen und ein damaliger Kooperationspartner hat Gravelbikes gebaut. Ich habe mir eines ausgeliehen und mich spontan für ein Rennen in Italien angemeldet. Obwohl es im ersten Moment sehr hart war und ich gezweifelt habe, hat mir vor allem der technische Aspekt gefallen – und deshalb bin ich dabeigeblieben.
Gravel boomt – wie nimmst du die Entwicklung in Österreich wahr?
Ich denke, am Anfang war etwas Skepsis dabei, ob sich Gravel im Rennformat durchsetzen kann, da es eher aus dem Bikepacking kommt. Inzwischen haben es immer mehr Straßen- und Mountainbiker ausprobiert und seit einigen Jahren hat sich die Disziplin stark etabliert.
Immer mehr Frauen entdecken Rennrad und Gravel – spürst du diesen Trend auch im Rennumfeld?
Ob im Rennumfeld oder auf der Straße, im Trainingslager auf Mallorca oder zu Hause – man sieht deutlich mehr Frauen auf dem Rad. Das freut mich sehr. Anfangs war oft das Selbstvertrauen ein Thema. Heute merkt man, dass sich das verändert hat. Social Media hilft sicher zusätzlich, sich gegenseitig zu motivieren.
Du bist ja selbst sehr aktiv auf Social Media. Ist es auch ein bisschen dein Ziel, Frauen zu zeigen, was sie alles schaffen können?
Ja, das ist mir tatsächlich ein großes Anliegen. Ich möchte einerseits Frauen motivieren, aber noch wichtiger ist mir die Botschaft: Egal, welchen Sport man macht und wie man ihn ausübt – man sollte sich nicht von außen beeinflussen lassen oder sich unter Druck gesetzt fühlen.
Was meinst du damit konkret?
Meine Message ist: Your pace, your journey. Dein eigenes Tempo, dein eigener Weg – so wie du es machst, machst du es gut. Wichtig ist nur, dass es dich glücklich macht! Ich habe oft gesehen, dass Menschen mit dem Sport anfangen und sich darin richtig „verfuchsen“ – sich selbst großen Druck machen oder ihn sich von außen machen lassen. Und dann nach ein paar Jahren wieder aufhören, weil es ihnen zu viel wird. Wichtig ist mir, dass jeder seinen eigenen Weg im Sport gehen kann – unabhängig von Alter, Figur oder Voraussetzungen.
Schöne Message ...
Ich finde, das Thema sollte noch stärker sichtbar werden. Dieses Women-Empowerment ist im Gravel-Bereich extrem präsent. Dieses gegenseitige „Sich-Pushen“ ist extrem wertvoll – und wenn Frauen sich gegenseitig unterstützen, hat das eine große Wirkung nach außen.
Dein Tempo, dein Weg – so wie du es machst, machst du es gut. Wichtig ist, dass es dich glücklich macht!
Was sind deine sportlichen Ziele für die nächsten Jahre?
Früher hatte ich keine konkreten sportlichen Ziele, sondern wollte einfach fit bleiben und mich verbessern. Ich habe mir eher einen Fünfjahresplan gesetzt, um zu sehen, wie weit ich komme. Mittlerweile hat sich das geändert: Ich muss klar sagen, dass ich den Sport schon irgendwann professionell betreiben möchte. Ich hoffe sehr, dass das in naher Zukunft möglich wird.














