Gravel, Schäume, Haltbarkeit – drei Trends, die den Trailrunning-Schuhmarkt aktuell prägen. Und: Weltmeistertipps zur Schuhwahl.
Natürlich schaut es cool (und instagramable) aus, wenn Trailrunning-Profis über hochalpine Felsgrate laufen. Die Realität schaut für viele, die nicht nur auf der Straße laufen, anders aus: ein paar Kilometer Asphalt von der Haustür weg, dann in den Wald mit ein paar Wurzelpassagen, auf sanften Pfaden durch Felder und Wiesen oder über den geschotterten Flussweg. Was Laufschuhe angeht, klaffte hier lange eine Lücke – die Gravelschuhe seit Kurzem schließen.
Modelle wie der Salomon Aero Blaze GRVL, der Scott Pursuit Gravel oder nun auch der Brooks Ghost Trail stammen von Straßenmodellen ab, sind genauso gedämpft, werden eine Spur robuster gebaut und vor allem mit einer allewegetauglichen Sohle ausgestattet. Und es funktioniert: Wie das Gravelbike ist dieser Schuhtypus (manchmal auch „Hybrid“ oder „Door-to-Trail“ genannt) gekommen, um zu bleiben.
Tobias Bogner von Salomon sieht Gravel als einen von drei großen Trends im Trailrunning 2026: „Diese Schuhe sind so vielseitig, dass man damit praktisch alles machen kann, ohne sich wirklich einschränken zu müssen.“ Auch La Sportiva ortet hier eine Schlüsselentwicklung: Tobias Gramajo spricht von Produkten „an der Schnittstelle zwischen Straßenlauf und Trailrunning“, die vor allem den Einstieg erleichtern, um vom Asphalt ins Gelände zu wechseln.
Trend zwei spielt sich im Schuhinneren ab – bei den modernen Schäumen. „Schuhe werden dadurch laufbarer und ich kann länger problemfrei laufen – auch wenn ich mich von 21 Kilometer vielleicht einmal in Richtung Ultra vorwage“, sagt Bogner. Jonathan Wyatt von La Sportiva spricht von einer regelrechten Materialrevolution: Trailrunningschuhe seien heute leichter und reaktionsfreudiger als je zuvor, mit dem Ziel, „über viele Stunden hinweg bequem zu sein und so viel Energie wie möglich zurückzugeben“.
Ein dritter Trend: Haltbarkeit. „Wenn das Obermaterial ein Loch hat, die Außensohle abgelaufen ist oder die Mittelsohle reißt, dann hört man Trailschuhe zu nutzen auf. Wenn ich genau diese drei Punkte verbessere, habe ich ein Produkt, das ich länger verwenden kann“, erklärt Bogner. Oder wie er es auf den Punkt bringt: „Das nachhaltigste Produkt ist immer noch das, das ich mir nicht kaufe."
Trailrunning hat viele Gesichter. Entsprechend groß ist heute das Angebot an Schuhen am Markt. Wie findet man in der großen Angebotsfülle genau seinen? Jonathan Wyatt rät: „Die erste Frage sollte immer sein: Wo und wie möchte ich laufen?“ Technisches Terrain verlange nach einer stabilen Plattform, dichterem Schaum und widerstandsfähigem Obermaterial, während für lange Distanzen vor allem Komfort, Energierückgabe und ein sanfter Rocker entscheidend seien.
„Der größte Fehler“, sagt Wyatt, „ist, den Schuh nicht anzuprobieren. Die Passform ist der Schlüssel zum Komfort.“ Seine konkreten Tipps: Nach vorne drei bis vier Millimeter Platz lassen, um bergab leicht vorrutschen zu können ohne blaue Zehen. Sind die Schuhe dagegen zu groß, fühlt sich das Laufen schwammig an. Daher: beraten lassen, anprobieren, reinspüren und dann entscheiden. Wenn ein siebenfacher Berglaufweltmeister wie Jonathan Wyatt zu diesem Vorgehen rät, kann man ruhig darauf vertrauen.













