Schweißtreibender Aufstieg, windige Gipfelpause; mal Regen und Schnee, mal Sonnenschein. Mit den richtig gewählten Bekleidungsteilen und -schichten bleibt das Körperklima auf Tour dennoch im Lot.
Skitourenbekleidung erfüllt einen schwierigen Job: Beim Aufstieg soll überschüssige Wärme entweichen, gleichzeitig muss sie vor Wind und Wetter schützen. Bei der Abfahrt soll die Wärme am Körper bleiben. Ein Spagat zwischen Atmungsaktivität, Wetterschutz und Isolierung. „Es sind im Wesentlichen nur zwei Zustände, die unsere Tourenbekleidung beeinflussen: Bewegung und Ruhe“, bringt es Lois Grill von Hagan auf den Punkt. Während der Bewegung sei „mehr besser“ – im Sinne von mehreren dünneren Schichten, die sich je nach Bedarf an- und ausziehen lassen. In der Ruhe sei „weniger besser“, also wenige, dafür dickere und wärmere Teile. Das Zwiebelprinzip gilt damit für den gesamten Körper, wird an Oberkörper und Beinen aber etwas unterschiedlich umgesetzt.
Oberkörper: Schicht für Schicht
Am Oberkörper lässt sich das Wärmemanagement am besten über drei Schichten steuern. „Der Baselayer transportiert Feuchtigkeit von der Haut weg, der Midlayer sorgt für Isolation und die äußere Schicht schützt vor Wind und Wetter. Wichtig ist, dass sie als System funktionieren und Feuchtigkeit nach außen abgeben können“, erklärt Ludwig Moz von Martini Sportswear. Beim Aufstieg kann der wärmende Midlayer in Form einer Isolations- oder Daunenjacke im Rucksack bleiben. Für Pausen und die Abfahrt kommt er wieder zum Einsatz. Zusammen mit einer wind- und wetterfesten Hardshell hält er die Wärme am Körper.
Wer schon einmal zu warm angezogen gestartet ist, kennt es: Der Aufstieg bringt den Körper schnell auf Betriebstemperatur. „Erfahrene Tourengeher starten leicht fröstelnd. Unterwegs wird es dann sowieso warm genug“, sagt Benedikt Tröster von Vaude.
Erfahrene Tourengeher starten leicht fröstelnd. Unterwegs wird es dann sowieso warm genug.
Beine: Weniger ist mehr
An den Beinen braucht es weniger Schichten, sonst leidet an steilen Passagen, Spitzkehren oder Kletterstellen die Bewegungsfreiheit. „Entscheidend ist eine gute Kombination aus Baselayer und einer funktionellen Außenhose, die je nach Wetter ergänzt werden kann“, sagt Tröster. Bei milden, trockenen Bedingungen sind Softshellhosen meist erste Wahl: Sie sind elastisch, angenehm zu tragen und atmungsaktiv. Bei starkem Wind, Niederschlag oder einer Powdertour mit viel Schnee spielt die Hardshell ihre Stärken aus. Sie schützt zuverlässiger vor den Elementen, lässt dafür aber meist weniger Luft und Feuchtigkeit nach außen.
„Die perfekte Eigenschaft für alle Einsatzbereiche gibt es nicht“, bringt Moz den Zielkonflikt auf den Punkt: Bei stabilem Wetter und hohem Tempo zählen geringes Gewicht und Atmungsaktivität, bei schlechtem Wetter und hochalpinen Touren wird der Wetterschutz wichtiger. Für längere Touren empfehlen die Experten deshalb, eine leichte Hardshellhose als Reserve im Rucksack mitzunehmen. Für zusätzliche Wärme an den Beinen können auch noch Isolationsshorts oder ein isolierender Rock sorgen.
Luftig und robust
Moderne Skitourenbekleidung ist generell „leichter, vielseitiger und bewegungsorientierter geworden“, beobachtet Ludwig Moz. Stretch-Materialien sorgen für Bewegungsfreiheit. Wo Wärme entsteht, kommen besonders atmungsaktive Stoffe zum Einsatz. „An exponierteren Stellen braucht es dagegen Schutz vor Wind und Nässe“, erklärt Benedikt Tröster. Belüftungsschlitze helfen, überschüssige Wärme abzuleiten. Bei Hosen sitzen sie häufig seitlich, bei Jacken unter den Armen.
Skitourenhosen müssen außerdem einiges aushalten: „Gegen Skikanten und Felskontakt braucht es robuste Materialien. Eine stabile Konstruktion und eine gute Weitenregulierung am Bein sind deshalb ebenso wichtig wie Bewegungsfreiheit“, betont Tröster.
Das richtige System
Die große Auswahl an Skitourenbekleidung kann dazu verleiten, immer noch eine weitere Schicht anzuschaffen. „Besser wär’s, das Geld in höherwertige, aber weniger Teile zu investieren“, rät Lois Grill. Gerade für Einsteiger sieht Ludwig Moz im durchdachten Layering-Konzept die bessere Lösung als einen möglichst umfangreichen Kleiderschrank: Wer die Schichten je nach Wetter und Belastung kombinieren kann, bleibt flexibel.













