Ob Daune oder Kunstfaser: Isolationsjacken sind heute erstaunlich leicht und kompakt. Doch wie viel Wärmeleistung tatsächlich in ihnen steckt, ist auf den ersten Blick oft schwer einzuschätzen. Worauf achten, um die passende Jacke für sich zu finden?
Früher galt eine einfache Faustregel: Je dicker die Jacke, desto wärmer hält sie. Heute kommt es deutlich stärker darauf an, wie effizient Körperwärme isoliert wird. Auch dünne, leichte Materialien können erstaunlich warm halten. Entscheidend ist vor allem – Luft: Die Isolationsmaterialien halten sie fest und bilden so eine wärmende Schicht zwischen Körper und Umgebung. „Die Luftkammern werden heute meist überlappend angeordnet, wie bei Dachschindeln“, erklärt Bernhard Kalt von Intersport Austria. Dadurch entstehen weniger Stellen, an denen Wärme entweichen kann, ohne dass die Jacke insgesamt dicker werden muss.
Was sagen cuin aus?
Wer sich mit Daunenjacken beschäftigt, stößt auf Zahlen wie 700, 800 oder 900 cuin. Die sogenannte „Fill Power“ oder „Bauschkraft“ beschreibt, wie stark sich eine bestimmte Menge Daune ausdehnen kann und wie viel Luft sie dadurch einschließt. Je höher der Wert, desto größer ist grundsätzlich das Volumen, das die Daune aufbauen kann und desto besser ist auch ihr Wärme-Gewichts-Verhältnis. „In einem Glasrohr mit definierter Höhe und Durchmesser wird eine bestimmte Menge Daune eingefüllt und mit einem Gewicht belastet. Dann schaut man, wie stark die Daune dabei zusammengedrückt wird beziehungsweise wie viel Volumen sie unter der Belastung behält. Je stärker sie sich aufbauscht, desto höher die Fill Power“, erklärt Kalt. Spitzenwerte liegen heute bei rund 1.000 cuin und sind entsprechend hochwertig und teuer.
Daune, Kunstfaser – oder doch Wolle?
Bei der Wahl des Isolationsmaterials treffen unterschiedliche Stärken aufeinander. Daune gilt nach wie vor als Maßstab, wenn es um das Verhältnis von Wärme zu Gewicht und Packmaß geht. Hochwertige Daune lässt sich stark komprimieren und entfaltet ihre Bauschkraft wieder, sobald sie aus dem Rucksack kommt. „Gerade bei trockenen, kalten Bedingungen ist das ein großer Vorteil“, betont Margareta Ortner von Gigasport.
Ihre Schwäche zeigt sich bei Feuchtigkeit: Wird Daune nass, verliert sie an Isolationsleistung und trocknet nur langsam. Kunstfasern sind hier robuster. Sie wärmen auch im feuchten Zustand, trocknen schneller und sind meist pflegeleichter. Dafür sind sie tendenziell schwerer und voluminöser. Die Entscheidung hängt deshalb stark vom Einsatzbereich ab: Für trockene, kalte Bedingungen und möglichst kleines Packmaß punktet Daune. Bei wechselhaftem Wetter und Aktivitäten mit viel Feuchtigkeit wird Kunstfaser die bessere Wahl sein.
Eine weitere Möglichkeit sind Mischungen mit Wolle. Ortovox setzt beispielsweise auf sogenannte DOWNWOOL-Füllungen, bei denen Daune mit Wolle kombiniert wird. „Die Wärmeleistung entspricht der von reiner Daune. Das Gewicht ist in der Mischung mit Wolle geringfügig höher, aber nach unserer Meinung ohne spürbaren Einfluss in der Anwendung. Dafür ist die Wärmeleistung nachweislich besser, sobald die Feuchtigkeit zunimmt“, erklärt Patrick Wesch, Senior Product Manager bei Ortovox. Wolle punktet dabei unter anderem mit ihrem Feuchtigkeitsmanagement und ihrer Wärmeleistung auch bei Nässe.
Aufstieg oder Gipfelpause?
Entscheidend ist auch, wie aktiv man in der Jacke ist. Beim schweißtreibenden Aufstieg auf Tourenski entsteht deutlich mehr Körperwärme als bei der Gipfelpause. „Ich würde zunächst definieren, für welche Sportart oder welchen Anwendungsbereich die Jacke hauptsächlich funktionieren soll“, empfiehlt Wesch. Wer bergauf zu viel Isolation trägt, schwitzt schneller und Feuchtigkeit kann die Isolationsleistung mindern. Wärmemanagement bedeutet daher, die Isolation an die jeweilige Aktivität anzupassen.
Auch das Außenmaterial spielt eine Rolle: Ein winddichter Stoff schützt die isolierende Luftschicht vor Auskühlung. Gleichzeitig sollte Feuchtigkeit nach außen entweichen können. „Wind ist einer der größten Faktoren für Wärmeverlust“, erklärt Ortner. Komplett wasserdicht ist eine Isolationsjacke im normalen Bergsport meist nicht. „Hier setzt man eher auf das Zwiebelprinzip“, sagt Kalt. „Eine Hardshell kann bei Regen darübergezogen werden, während die unterste Schicht den Feuchtigkeitstransport unterstützt."
Ein winddichter Stoff schützt die isolierende Luftschicht vor Auskühlung. Gleichzeitig sollte Feuchtigkeit nach außen entweichen können.
Isolation mit System
Bei modernen Isolationsjacken werden zudem oft unterschiedliche Materialien in verschiedenen Körperzonen eingesetzt. „An kälteempfindlichen Stellen sitzt mehr Isolation, während unter den Armen oder an anderen stark beanspruchten Bereichen atmungsaktivere Materialien zum Einsatz kommen“, so Bernhard Kalt. Dieses sogenannte Body Mapping sorgt dafür, dass die Jacke nicht überall gleich viel Material braucht.
Die wichtigste Frage beim Kauf lautet deshalb nicht: Welche Jacke ist die wärmste? Sondern: Wie viel Wärme brauche ich und unter welchen Bedingungen verwende ich die Jacke? Wer eine Jacke vor allem für trockene Wintertage und lange Pausen am Gipfel sucht, wird andere Prioritäten haben als jemand, der bei wechselhaftem Wetter auf Skitour unterwegs ist. Und wer die Jacke regelmäßig im Rucksack mitführt, wird Gewicht und Packmaß höher bewerten.
Am besten lässt man sich im guten Sporthandel ausführlich bei der Suche beraten: So findet man die Isolationsjacke, die nicht nur gefällt, sondern auch perfekt zum eigenen Einsatzprofil passt.











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