Vegane Ernährung und Spitzensport? Wie das zusammenpasst, erklärt Franz Preihs. Er fährt eines der härtesten Radrennen der Welt völlig vegan. Mängel kennt er nicht, Taxisitze anzünden auch nicht.

Christoph Heigl
Christoph Heigl

Auf den ersten Blick ist klar: Franz Preihs ist ein Typ, der polarisiert. Er räumt mit Klischees auf, auch was seine Lebensweise als Veganer betrifft. „Das klassische Bild des Veganers, der ganz blass mit der Jutetasche in der Ecke hockt und Van der Bellen wählt, kann ich so nicht unterstreichen“, lacht der 40-Jährige. Sehr muskulös, bunt tätowiert und mit frechem Blick sitzt er in seinem Fitnesscenter in Kindberg. „Non-Konformismus“ nennt er eines seiner Schlagworte, er will sich zu keiner Gruppe und Community dazugehörig fühlen. „Selbst wenn du mich nach einem guten Tätowierer fragst, kenne ich keinen aus der Szene. Mich tätowiert meine Frau.“

Fast logisch, dass Preihs auch beim „Modethema Veganismus“ sehr kritisch ist. Er selbst hat die vegane Lebenseinstellung auf sehr ungewöhnliche Weise kennengelernt. 1999 lebte er in Wien und arbeitete im Eventmarketing der Musikszene. Durch Bands und Musiker aus den USA erlebte er hautnah die Straight-Edge-Bewegung mit, eine Strömung aus der Hardcore-Punk-Szene, die Alkohol und Drogen komplett ablehnt. „Da sind voll tätowierte Typen gesessen und haben Mineralwasser getrunken. Dieser nüchterne Lebensstil und die Brutalität und Intensität der Musik als Kontrast haben mich fasziniert. Das waren meine Präge- und Sozialisierungsjahre.“ Ein veganer Lebensstil war Teil dieser Subkultur und hat damit auch bei Preihs seinen Anfang genommen. Später sind ethische Grundgedanken und die Haltung zu Tieren in den Vordergrund getreten. „Die Menschen verschließen sich gerne vor dem Unangenehmen. Wenn sie Videos sehen würden, wie mit Tieren umgegangen wird, würde das keinen kalt lassen.“ Heute ist Preihs ein international bekannter Ausdauersportler mit Lieblingsessen Gemüsepizza und strikt veganen Lebensformen. „Aber ich bin kein Missionar, ich halte keine Predigten. Was andere Menschen machen, interessiert mich nicht. Ich bin auch nicht so arg, dass ich Taxisitze anzünde, wenn sie aus Leder sind“, lacht der Steirer. Für sich hat er seinen Weg gefunden. 

Kein Verzicht
Das Weglassen tierischer Produkte ist für ihn normal, Preihs empfindet das nicht als Verzicht. Die Ernährung bei sportlichen Extrembelastungen wie dem Race Across America (RAAM) verlangt aber Sonderlösungen, immerhin verbrennt er fast 10.000 Kalorien pro Tag. 2008 finishte Preihs das Rennen als erster Veganer. „Da mussten wir uns viele Lebensmittel wie Riegel und Reiskuchen noch selber machen, heute kann man dank des veganen Mainstreamtrends schon sehr viel kaufen.“ Während des RAAM ernährt sich Preihs wie die meisten fast nur flüssig. Die Fruchtshakes werden auf Basis von Reismilch, Sojamilch oder Kokosnussmilch hergestellt, mit Leinöl veredelt und entweder süß mit Erdbeeren und Bananen oder pikant mit Tomaten abgeschmeckt. Zusätzlich werden ihm vegane Proteinshakes, Gels und Riegel (keine Schoko, Ahornsirup statt Honig) gereicht. Mittlerweile gibt es viele vegan lebende Spitzensportler wie Lewis Hamilton, Novak Djokovic, die Williams-Schwestern, Mike Tyson und Radprofi Simon Geschke. Sie entkräften damit partiell die Vorurteile, Mythen und Kritik gegenüber veganer Ernährung, sie liefere zu wenig Nährstoffe. Sie sei zu einseitig, heißt es oft, und man bekomme in rein pflanzlichen Lebensmitteln zu wenig Eiweiß, Eisen, Zink, Vitamin B12, Vitamin D und Kalzium. Einiges muss man eben supplementieren. Der Vorteil: Der Lebensstil verlangt, dass man sich intensiv mit dem Thema Ernährung auseinandersetzt und damit fast schon automatisch gesünder lebt.

Volle Speicher
Preihs hatte ein Team aus zehn Betreuern in den USA. Eine durch seine Ernährung verursachte Mangelversorgung hat er noch nie erlebt. „Wenn vor dem Bewerb alle Speicher voll sind, ist die Renndauer zu kurz für Mangelerscheinungen.“ Selbst Nahrungsergänzungsmittel in Kapselform gibt es bereits vegan: Statt Rindergelatine für die Kapsel wird Zellulose verwendet. Die vegane Einstellung hat Preihs nie als Wettbewerbsnachteil empfunden. „Es gibt keinen wissenschaftlich belegbaren Nachteil. Und selbst, wenn mir einer sagt, ich könnte 20 Prozent mehr Leistung bringen, wenn ich Fleisch esse, würde ich ablehnen. Ich habe den Point of no Return längst hinter mir.“

Vegane Ernährung
Vegan lebende Menschen vermeiden alle Lebensmittel tierischen Ursprungs, neben Fleisch und Fisch auch Eier, Milch und sogar Honig. Viele Veganer lehnen die Nutzung von Tieren und tierischen Produkten insgesamt ab (z. B. Leder, Wolle, Pelz, Daunen). Schätzungen zufolge sind 80.000 Österreicher Veganer.

Vegetarische Ernährung
Vegetarier essen in der Regel kein Fleisch, aber Produkte von lebenden Tieren (z. B. Milch, Honig).

Ovo-Lacto-Vegetarier
Sie essen kein Fleisch, keinen Fisch, aber Eier und Milchprodukte.

Lacto-Vegetarier
Sie verspeisen zusätzlich auch keine Eier.

Ovo-Vegetarier
Kein Fleisch, keine Milchprodukte, aber Eier.

Franz Preihs
Franz Preihs
Jahrgang 1978, ist Veganer und Radsportler. Das Ultra-Radrennen Race Across America über knapp 5000 km von der US-West- zur Ostküste bestritt er im Juni zum fünften Mal. Preihs musste aber am zweiten Tag wegen internen Problemen im Team aufgeben. Beste Platzierung war ein vierter Platz (mit Schlüsselbeinbruch). Der Mürztaler ist Radrennen in mehr als 40 Ländern gefahren und führt eine Sport-Management-Firma und ein Fitnessstudio in Kindberg (St).