Der Niederösterreicher Philipp Kaider gewinnt das 4938 Kilometer lange Race Across America zum zweiten Mal in Folge. In 8 Tagen 18 Stunden und 58 Minuten schreibt der 40-Jährige damit ein weiteres Kapitel österreichischer Sportgeschichte. Es ist dies bei der 44. Auflage der bereits 13. Sieg eines Österreichers.
 

Am Dienstag vor zwei Wochen startete Kaider von Oceanside an der kalifornischen Pazifikküste mit seinem 11-köpfigen Team in sein zweites RAAM. Temperaturen von über 43°C in der Wüste, dünne Luft auf über 3.300 Metern über dem Meer, schlechte Straßen auf den endlosen Geraden und viel Verkehr verlangten ihm alles ab. Probleme in der Sitzregion sowie zunehmende Nacken- und Schulterprobleme konnten den Niederösterreicher aber von seinem Sieg nicht abhalten. Kaider trotzte den Strapazen und mit 80 Minuten Schlaf pro Tag (erste Schlafpause nach 35 Stunden) und Powernaps gegen Ende des Rennes fuhr er heute morgen (US-Zeit) nach 8 Tagen 18 Stunden und 58 Minuten erneut beim wohl härtesten Radrennen der Welt in Atlantic City an der Atlantikküste als Erster über die Ziellinie. Er unterbot damit seine Vorjahreszeit um 3 Stunden und 34 Minuten.

Glücklich im Ziel meint er: „Das ist schon sehr schräg. Das ist unglaublich verrückt, dass einem das zweimal passieren kann, dass man das zweimal gewinnen kann. Zweimal zu finishen und zweimal zu gewinnen ist schon unbeschreiblich!“ Am unspektakulären Ende vor dem Surf Stadion von Atlantic City brachen bei Kaider und seiner Crew alle Dämme. Das Erlebte, das neun Tage lang auf sie einprasselte, muss jetzt erst mal verarbeitet werden.

Das Schwierigste für Kaider war in diesem Jahr der Vergleich zum Vorjahr, den er eigentlich nicht anstellen wollte: „Ich bin aber nicht weggekommen davon. Man vergleicht sich doch immer wieder. Dann habe ich mir gedacht: ‚Warum habe ich heuer nicht so viel Spaß, wie letztes Jahr?‘, obwohl es perfekt rennt. Gleichzeitig war das dann aber eine große Erkenntnis wieder, wie ich draufgekommen bin, dass ich es so akzeptieren muss, wie es ist und ich keine großen Erwartungen haben muss.“

Es waren vor allem die Momente des Scheiterns in den letzten 14 Jahren. Viele Fehler zu Beginn seiner sportlichen Karriere, nachdem er als Kettenraucher sein Leben vollständig umgekrempelt hat, nahm er zum Anlass sich zu verbessern. Diese Momente waren es, die ihm letztendlich den zweiten RAAM-Sieg ermöglichten. „Meine Erfahrungen gebe ich natürlich weiter in einer Vortragsreihe die heißt „Erfolgsfaktor Scheitern“, da gehe ich sehr detailreich und sehr offen mit meinen Erfahrungen um.“

Wie auch im Vorjahr hat sich die Crew als Schlüssel zum Erfolg erwiesen. „Ich kann nur Radfahren. Auch wenn es nicht so wirkt: Ultracycling ist ein Mannschaftssport!“, bedankt sich Kaider bei seinem Team. 
Am meisten wird dem Niederösterreicher von den 4938 Kilometern durch die USA in Erinnerung bleiben, dass er festgestellt hat, wie sehr eine neue Zielsetzung eine Eigendynamik reinbringt. Die letzten 500km waren eine unglaubliche Demonstration starken Willens, deren viele taktische Überlegungen seitens des Teams vorausgingen. „Auch wenn es eine neue Zielsetzung aufgrund einer Trotzreaktion meinerseits war, hat das eine irrsinnige Dynamik ausgelöst und wir sind zum Schluss richtig schnell Rennen gefahren“, freut sich der frischgebackene zweifache RAAM-Sieger.

Kilometer für den guten Zweck
Die Kilometer hat Kaider auch heuer wieder für die Sonne Radl-Challenge in die Pedale getreten. Bei der Aktion werden bis Ende Juni alle geradelten Kilometer von Sponsoren in Spenden umgewandelt, um Kindern in Malawi Zugang zu Bildung und Sportunterricht zu ermöglichen. Die Kilometer des Niederösterreichers werden von der Wolkersdorfer Druckerei Gerin in bares Geld umgewandelt. „Jeder, der ein Rad hat, ist eigentlich verpflichtet mitzumachen. Man kann mit einem sehr geringen Aufwand das Leben eines Kindes verändern“, sagte Kaider bereits vor dem Start des Rennens.

Österreichische RAAM-Sieger

  • 1988 Franz Spilauer
  • 1997 Wolfgang Fasching
  • 2000 Wolfgang Fasching
  • 2002 Wolfgang Fasching
  • 2011 Christoph Strasser
  • 2013 Christoph Strasser
  • 2014 Christoph Strasser
  • 2015 Christoph Strasser
  • 2017 Christoph Strasser
  • 2018 Christoph Strasser
  • 2019 Christoph Strasser
  • 2025 Philipp Kaider
  • 2026 Philipp Kaider

RAAM 2026 – Philipp Kaider schreibt wieder Sportgeschichte!

Race Across America 2026: Philipp Kaider triumphiert erneut
Philipp Kaider

Vom Kettenraucher zum Race Across America Sieger – Philipp Kaider (geb. 1985) ist einer der erfolgreichsten Ultraradfahrer Europas – und ein Paradebeispiel für mentale Stärke und Ausdauer. Der diplomierte Krankenpfleger aus Wolkersdorf im niederösterreichischen Weinviertel tauschte im Jahr 2012 eine Packung Zigaretten pro Tag gegen das Fahrrad, um dem Suchtdruck zu entkommen und legte damit den Grundstein für eine beeindruckende sportliche Karriere.

Erfolge (Auszug):

  • Sieger Race Across America 2025 – 4.900 km in 8d 22h 32min
  • 24h-Zeitfahr-Weltmeister 2022 & 2024
  • Österreichischer Meister Ultra-Cycling 2024
  • Vize-Weltmeister Ultra-Cycling 2024
  • Guinness-Weltrekord: Österreich-Durchquerung in exakt 19h (2023)
  • Sieger Race Around Austria & Race Around Niederösterreich

Mit über 30.000 Jahreskilometern, eiserner Disziplin, mentaler Stärke und seinem Motto „Die Grenze ist die eigene Vorstellungskraft“ beweist der Niederösterreicher, was mit Fokus und Willenskraft möglich ist, wenn man seine Komfortzone verlässt und an sich glaubt. Er unterstützt mit "Sonne international" - ein Bildungsprojekt für benachteiligte Kinder dieser Welt - und "Hilfe im eigenen Land" zwei Projekte im In- und Ausland.

Web: www.philippkaider.at 
Strava: Philipp Kaider
Instagram: philipp_kaider_cycling
Facebook: kkcycling.at