Eisschnellläuferin Vanessa Herzog (30) startete die Saison mit einem Sturz. Dieser hielt sie nicht davon ab, voll fokussiert weiter Richtung Olympia zu trainieren.

Lara Wulz
Lara Wulz


Vanessa, du hast zuletzt einen Sturz erlebt. Wie gehst du mit Rückschlägen in einer entscheidenden Phase der Vorbereitung um?
Ich bin rund um Weihnachten im Training gestürzt und habe ein Knochenmarksödem beim ISG-Gelenk und eine Bandscheibe steht etwas weiter heraus. Als ich das MRT gesehen habe, war ich anfangs niedergeschlagen. Wir haben gleich gesagt, wir probieren es zu therapieren und alles zu geben, dass ich es noch gut nach Mailand schaffe.

Was hilft dir nach solchen ­Momenten am meisten?
Mein Mann Tom (Trainer und Manager) hilft mir sehr. Er zeigt mir auf, wie gut ich drauf bin. Auch jetzt, wo ich wieder voll trainiere, gibt er mir unglaublich viel Selbstvertrauen. Dieser mentale Support ist sehr wichtig. Gleich nach dem Sturz nahm ich mir einen halben Tag, um mir selbst leidzutun, aber das bringt ja nichts. Das macht mich auch nicht schneller.

Wie verändert ein großes Ziel wie Olympia deinen Blick auf Training, Regeneration und Alltag?
Für einen Sportler ist einmal bei Olympia dabei zu sein ein Riesen-Traum und ich habe die Ehre, jetzt zum vierten Mal dabei zu sein. Man richtet sein ganzes Leben danach. In meinem Fall der Verletzung ist alles andere egal: Ich versuche nur, so schnell wie möglich wieder fit zu werden.

Welche Teile deiner Vorbereitung bleiben für Außenstehende oft ­unsichtbar?
Die vielen Stunden, die wir im Training sind, im Auto oder Flugzeug sitzen – das sieht man alles nicht. Man sieht hin und wieder ein Foto auf Instagram, aber wie viele Stunden das sind und auf wie viele Sachen man verzichten muss, sieht man nicht. Meine Familie beispielsweise wohnt in Tirol – ich sehe sie zweimal im Jahr.

Vor allem im Eisschnelllauf ist die Infrastruktur in Österreich nicht gegeben und du bist viel unterwegs, oder?
Wir haben keine Eisbahn und sind daher im Schnitt über 200 Tage im Jahr im Ausland. Wir sind sehr viel unterwegs und daher ist es auch wichtig, dass der Tom mein Trainer ist, wir gut und schnell reisen und gut wohnen.

Spürst du als erfolgreiche Sportlerin eine besondere Vorbildrolle – gerade für junge Frauen?
Wenn ich auf Veranstaltungen bin, merke ich öfters, dass Kinder, die mich aus dem Fernsehn kennen, Hemmungen haben und sich nicht trauen, für eine Unterschrift zu mir zu kommen. Ich merke dann schon, dass ich den Eislaufsport jahrelang hochgehalten habe in Österreich, und es ist cool, als Vorbild wirken zu dürfen.

Was beschreibt das Gefühl, das Eisschnelllauf zu deiner Sportart macht, am besten?
Die Geschwindigkeit, wenn du in der Kurve die Fliehkräfte spürst und die Beine zu brennen beginnen – das ist einfach das beste Gefühl.

Zur Person

Name: Vanessa Herzog
Geb. am 4. Jul. 1994
Wohnort: Ferlach (Kärnten)
Sportart: Eisschnelllauf, gehört zu den besten österreichischen Eisschnellläuferinnen und gilt als Sprint-Spezialistin auf 500 m
Top-Erfolge: 2019 Weltmeisterin, 2026 nahm sie zum 4. Mal an den Olympischen Spielen teil

Instagram: @vanessa.herzog