Mit 22 Jahren läuft Timo Hinterndorfer 1:02-Zeiten im Halbmarathon. Ein Gespräch über die Freude an Intervalltrainings und Erwartungsdruck, der aus ihm selbst kommt.
Beim heurigen Vienna City Marathon fiel auch einer auf – nicht nur mit Zeit und Platzierung, sondern auch mit der scheinbaren Abgeklärtheit eines Routiniers. Dabei war Halbmarathonsieger Timo Hinterndorfer (Siegerzeit 1:02:58) im April gerade einmal 21 Jahre alt. Seit 7. Juli ist er 22 und vertritt dank seiner zuvor in Berlin gelaufenen 1:02:34 Österreich bei der Straßenlauf-Weltmeisterschaft in Kopenhagen. Wer ist der Mann von der DSG Wien, der in so jungem Alter schon solche Zeiten im Halbmarathon läuft und bei der Halbmarathon-Europameisterschaft 2025 Platz 18 belegte, als mit Abstand Jüngster im Feld?
„Ich bin immer schon sehr gern gelaufen. In der Schule war ich einer der wenigen, denen das wirklich Spaß gemacht hat“, erzählt er. Über den Schul-Crosslauf führte der Weg mit elf Jahren zur DSG Wien. Das Laufen wurde dort erst nach und nach sein Schwerpunkt, Seriensiege im Kindheitsalter gab es nicht, erinnert er sich – „es waren eigentlich immer drei, vier besser“. Generell: „Es gab auf der Bahn keinen einzelnen Moment, wo ich gesehen habe: Jetzt ist der Durchbruch da.“ Stattdessen: kontinuierliche Verbesserung.
2023 meldete er sich spontan beim Linz Marathon auf der Halbmarathondistanz an, der Gedanke: „Das probiere ich einmal.“ Ohne spezielles Training überraschte er alle inklusive sich selbst mit dem Sieg in 1:04:06, vier Minuten vor dem Zweiten. „Da hab ich gedacht: Vielleicht ist der Halbmarathon oder später auch der Marathon die bessere Distanz für mich."
2024, 19-jährig, folgte der erste Sieg beim VCM-Halbmarathon, heuer der zweite, dazwischen wie erwähnt der 18. Rang bei der Europameisterschaft. Seine 1:02:34 von Berlin 2026 sind auch österreichischer U23-Rekord. Zugleich ist der Sportwissenschaftenstudent, der wie ein Profi trainiert, ohne einer zu sein, unverändert ein Pendler zwischen den Welten Bahn- und Straßenlauf.
Was ihn antreibt? Nicht nur Erfolge, „definitiv taugt mir auch das Training selbst. Dieses kontinuierliche, konsequente Trainieren und das persönliche Verbessern, das ist schon ein großer Teil der Faszination. Es gibt kaum etwas, das mir mehr taugt, als ein Intervalltraining, bei dem man einen guten Tag hat und richtig gut drauf ist“.
„Natürlich sind Rennen wie Wien und Berlin Highlights des Jahres“, erklärt er auch. Wie er mit Erwartungsdruck – etwa heuer in seiner Heimatstadt Wien beim größten Sportevent des Landes – umgeht? „Der Erwartungsdruck kommt vor allem auch von mir selbst. Was mir immer hilft, ist der Gedanke, was für eine tolle Möglichkeit das eigentlich ist, hier jetzt zu laufen mit so vielen Menschen, die einen anfeuern.“ Er versuche einen klaren Fokus auf das Rennen zu haben „und zugleich eine gewisse Lockerheit zu behalten."
Der Erwartungsdruck kommt vor allem aus mir selbst. Ich denke dann, wie toll es eigentlich ist, hier jetzt zu laufen.
Denkt man an den Freizeitsport, so ist Laufen bei seiner Generation wieder richtig cool geworden. „Vor einigen Jahren war Laufen fast noch ein bisschen etwas Verrücktes – ich habe schon das Gefühl, dass sich das verändert hat. Die Leute sehen: Laufen kann etwas Cooles sein und das taugt mir sehr, weil es mehr Aufmerksamkeit für unseren Sport bringt.“ Sieht er Gemeinsamkeiten zwischen dem Freizeitsport und dem Leistungssport Laufen? „Vom Training her ist es natürlich etwas anderes – aber beim Rennen ist die Gemeinsamkeit da: Jeder will so schnell wie möglich ins Ziel kommen.“
Am 20. September folgt die Straßenlauf-WM in Kopenhagen. „Das Wichtigste ist, dass ich bis dahin gut trainiere. Am Renntag versuche ich mich immer auf mich selber zu konzentrieren. Wie die anderen laufen, kann man nicht beeinflussen.“ Eine hohe 1:01er-Zeit traut er sich grundsätzlich in absehbarer Zeit zu – der österreichische Halbmarathon-Rekord liegt aktuell bei 1:01:14 Stunden.
Der Marathon ist für Timo Hinterndorfer natürlich das Ziel, vielleicht schon mit Blick auf Olympia 2028, spätestens aber 2032. Bis dahin bleibt sein Weg derselbe wie bisher: konsequent trainieren, kontinuierlich besser werden, Schritt für Schritt.













