Hosen, Jacken und Shirts für Läufer: Worin sich Road-Running- und Trailrunningbekleidung unterscheiden und wo sich beide wieder treffen. Ein Blick in Läufers Kleiderschrank.
Laufschuhe, Shirt, Hose, Socken – je nach Witterung noch eine Jacke. Mehr braucht es nicht. Genau diese Einfachheit macht auch einen guten Teil des Reizes aus. Eine Frage treibt uns diesmal an: Erkennt man beim Blick in den Kleiderschrank von Läuferinnen und Läufern eigentlich, wer auf der Straße unterwegs ist – und wer lieber auf den Trails? Welcher Läufertypus trägt was, und warum?
„Grundsätzlich sind die Anforderungen zunächst die gleichen“, meint Tobias Bogner von Salomon – beim französischen Hersteller findet sich sowohl Road-Running- wie auch Trailbekleidung im Sortiment. „Je nach Jahreszeit soll Laufbekleidung wärmen oder kühlen.“ Unterschiede zeigen sich aber doch: „Wenn mich in Wien das schlechte Wetter überrascht, stelle ich mich unter oder fahre mit der U-Bahn heim. Diese Möglichkeiten habe ich im offenen Gelände nicht“, sagt Bogner.
„Trailrunningbekleidung ist speziell für die Anforderungen von anspruchsvolleren Läufen im alpinen Gelände designt“, erklärt Lara Marie Weiß vom Trailrunningspezialisten Dynafit – größere Robustheit und ein besserer Wetterschutz resultieren daraus. Durch den unebenen Untergrund sind zudem die Bewegungen vielfältiger, es gibt mehr seitliche Bewegungen oder mehr Kniehub: „Es braucht volle Bewegungsfreiheit, gerade in der Hüfte, in den Knien und in den Schultern.“ Das wirke sich auch auf die Schnitte der Textilien aus.
Starten wir bei der Hose: Stauraum spielt im Gelände eine zentrale Rolle – und den gibt es in vielen Trailhosen in Form von mehr Taschen und auch eines integrierten Laufgurts. Zum Shirt: Textiler Sonnenschutz ist in den Bergen ein wichtigeres Thema, Trailshirts sind oft weniger minimalistisch als jene für den Straßenlauf. „Beim T-Shirt sind auch der Kontakt und die Reibung mit der Laufweste ein großes Thema“, sagt Weiß. Materialien und Verarbeitung müssen darauf abgestimmt sein, damit es keine unangenehmen Kontaktpunkte gibt.
Deutlich werden die Unterschiede auch bei der Jacke. Der Salomon-Experte erklärt: „Beim Straßenlauf reicht eine leichte Windjacke oder eine einfache Regenjacke, weil ich die Wetterentwicklung besser abschätzen kann. Im Trailrunning gehen die Regenjacken bis zu einer Wassersäule von 20.000 – was Skijackenniveau entspricht.“ Natürlich bei zugleich hoher Atmungsaktivität, extremer Leichtigkeit und minimaler Packbarkeit – schließlich gehört die Wetterschutzjacke zur Pflichtausrüstung bei Trailrennen.
All diese Anforderungen unter einen Hut zu bringen, schlägt sich naturgemäß preislich bei den Trailjacken nieder. Schlaue Details kommen oft noch dazu, ergänzt Dynafit-Expertin Weiß: „Wir haben für unsere wasserdichten Jacken ein System entwickelt, um den Rücken der Jacke mit einem Reißverschluss zu erweitern – um so auch die Laufweste und deren Inhalt trocken zu halten.“
Bleibt noch die Laufweste für (noch mehr) Stauraum: Was im Trailrunning nicht wegzudenken ist, sieht man interessanterweise auch immer öfter im Straßenlauf, wissen unsere beiden Experten zu berichten. Weil die Westen mittlerweile so leicht sind und gut sitzen, und wohl auch aufgrund der Vorbildwirkung der Geländeläufer, verwenden sie mittlerweile viele auch gern bei langen Trainingsläufen auf der Straße oder sogar bei Marathons.
So verschwimmen am Ende wieder die Grenzen zwischen den beiden Laufwelten. „Es gibt eine wechselseitige Inspiration zwischen Straßen- und Trailausrüstung, sowohl was die Funktionalität als auch was die Ästhetik angeht“, resümiert Lara Marie Weiß. Die Verbindung zeigt sich auch in den Door-to-Trail- bzw. Gravel-Run-Konzepten, die die Laufwelt derzeit erobern. So schließt sich der Kreis also wieder.








