Alfred Brunner
Alfred Brunner

Der neue „Nockberge-Skitouren-Trail“ in ­Kärnten lädt zur Genussversion einer ­Mehrtages-Skitour ein – ­sozusagen zu ­einer „Haute Route light“.

 

Ob man es die Sehnsucht nach der Wildnis oder „Ausgleich zum hektischen Digitalalltag“ nennen will – Fakt ist: Sportliche Menschen zieht es heute immer öfter in Berge. Im Winter meist auf Tourenskiern – wobei mehrtägige Skitouren echte Highlights sind. Dabei geht es aber sicher vielen so wie mir: Für eine richtig intensive Sport­ausübung bleibt – zwischen beruflichen und privaten Verpflichtungen – dann doch zu wenig Freiraum übrig. Große Träume wie die legendäre „Haute Route“ werden immer wieder verschoben, weil es sich zeitlich einfach nicht ausgeht. Oder weil für die extremen Etappen der Fitnesszustand nicht reicht.

Ein Anruf von Roland Oberdorfer kommt mir deshalb gerade recht. Er ist Outdoor-Projektleiter der Kärnten Werbung und lädt mich ein, bei der Erstbegehung des neuen Nockberge-Skitouren-Trails dabei zu sein. Eine Viertages-Skitour durch die Nockberge mit Bergführer, Gepäcktransport und perfekten Wellnesshotels: Das verspricht ein Abenteuer mit sportlichem Anspruch inklusive integriertem höchstem Genussfaktor. Ende März trifft sich also eine Gruppe mit fünf Skitourengehern und dem Bergführer Thomas Lippitsch (Alpinschule highlife) im Falkensteiner Cristallo am Katschberg, direkt an der Grenze zwischen Kärnten und Salzburg. Es erwarten uns vier genussvolle und mit machbaren Höhenmetern (rund 1.000 hm pro Tag) gespickte Etappen, die sich bewusst von den hochalpinen Skitourenklassikern Haute Route oder Hochtirol abheben. Damit ergibt sich automatisch eine breitere Zielgruppe: Skitourengeher, die zwar rund sechsstündige Etappen schaffen, aber vor hochalpinen und sehr ausgesetzten Passagen zu viel Respekt haben. Der „einfache Skitouren-Genuss“ soll im Vordergrund stehen. Das Tourengebiet Nockberge ist als weitgehend unberührter Naturraum bekannt und scheint ideal, um das Versprechen einzulösen: Schließlich prangt das Gütesiegel „Biosphärenpark“ auf dieser Landschaft mit ihren sanften Bergkuppen und weitläufigen Talkesseln.

KEIN ZEITDRUCK - HERRLICH
Am ersten Tourentag geht es gleich im ersten Liftsessel auf das Aineck, wo die Tour dann mit der Überschreitung des 2145 m hohen Teuerlnock startet. Die Pulverschneeabfahrt zur Laußnitzalm verleitet mich als alten Schuhplattler gleich zu ersten Jauchzern. Gemütlich geht es auf die Gaipahöhe, von wo aus wir dann mit einer Abfahrt das Skigebiet Innerkrems erreichen. Sich Zeit zu lassen und sich den ganzen Tag intensiv dem Skitourengehen zu widmen, das empfinde ich als großen Luxus, der am Nachmittag mit dem Wellnesshotel Berghof einen weiteren entspannenden Höhepunkt erfährt. Fakten Tag 1: Aufstieg 890 hm, Abfahrt 1550 hm, Gehzeit 6 Stunden

Der zweite Tag bringt uns mit dem Sessellift auf den Grünleitennock. Als erster Gipfel des Tages empfängt uns der Königsstuhl. Die Querung auf dem ausgeprägten Rücken durch das Zentrum des Biosphärenparks Nockberge hat schon fast meditative Züge, immer wieder wechseln kurze Abfahrten und Aufstiege, die schließlich im Hotel Panorama im Skigebiet Turracherhöhe am späten Nachmittag enden. Fakten Tag 2: Aufstieg 950 hm, Abfahrt 1300 hm, Gehzeit 6 Stunden

VON NOCK ZU NOCK
Auch am 3. Tag starten wir zeitig mit der ersten Liftfahrt, diesmal mit der Kornockbahn, und steigen bei der Bergstation knapp unter dem Gipfel des Rinsennocks aus. Nach einer gediegenen Abfahrt in die Winkleralm erreichen wir über die Pregartscharte die Nockalmstraße und steigen dann beim Windebensee auf den Steinnock auf: Dort folgen wir dem Höhenweg in Richtung Tagesziel Falkert, wo uns das sehr gemütliche Heidihotel mit seiner Saunalandschaft verwöhnt. Fakten Tag 3: Aufstieg 800 hm, Abfahrt 1100 hm, Gehzeit 5,5 Stunden

Der Schlusstag bringt uns wieder mit dem Lift in Richtung Falkert. Die Abfahrt zur Hundsfeldhütte und weiter in Richtung Falkertschutzhaus lässt das Skitourenherz bereits frühmorgens höher schlagen. Hier startet der letzte große Aufstieg des Nockberge-Trails: die Südseite des Mallnocks wird in Angriff genommen. Wir hanteln uns durch das Skigebiet St. Oswald und landen über die Sonnwiesenabfahrt fast direkt vor der Therme St. Kathrein in Bad Kleinkirchheim. Fakten Tag 4: Aufstieg 670 hm, Abfahrt 2250 hm, ­Gehzeit 5 Stunden

ABENTEUER VOR DER HAUSTÜR
Nach diesen vier Tagen Erstbegehung reift einmal mehr die Erkenntnis: die großen Abenteuer spielen sich oft vor der eigenen Haustür ab. Nicht die nackten Höhenmeter zählen hier, sondern das intensive Sich-Einlassen auf die Urkraft der Nockberge. Und sich Zeit zu lassen, bekommt im Zeitalter des „always on“ wieder den richtigen Stellenwert. Und noch etwas kann ich weitergeben: Die Expertise des erfahrenen Bergführer Thomas gibt Vertrauen auf der gesamten Strecke. Sich mit professionellem Guide auf diese Tour zu begeben, zahlt sich aus. Der Nockberge Skitouren-Trail mit seiner einmaligen Kombination aus absoluter Einsamkeit in alpinem Gelände und gemütlichen Hotel- und Wellnesskomfort nach den Touren verspricht also ein – sanfter – Skitourenklassiker zu werden. Roland, du darfst dich gerne öfters melden …

INFOS UND BUCHUNG:    
Das Nockberge-Trail Info- und Buchungscenter organisiert dieses Skitourenerlebnis individuell mit Gepäcktransfer, Shuttle und Guides.
Hier findest du mehr Infos: NOCKBERGE SKITOUREN TRAIL