Helm und Brille entscheiden im Zusammenspiel auf dem Trail über Durchblick, Komfort und im Ernstfall über mehr.
Licht-Schatten-Wechsel, Wurzeln, Steine: Im Wald passiert alles gleichzeitig und nichts wartet. Die Line liegt zwei Kurven voraus, der Untergrund wechselt im Sekundentakt, und irgendwo zwischen Konzentration und Flow entscheidet sich, ob dieser Run Spaß macht oder zum Stress wird. Hier helfen kleine Details, erklärt Mario Thomaso von ABUS: „Das Visier schützt vor plötzlicher Sonnenblendung – genau dann, wenn man aus dem schattigen Wald auf eine helle Lichtung trifft.“ Beschlagenes Glas, ein Helm, der wandert, ein Druckpunkt über der Nase: Das sind Kleinigkeiten mit dem Talent, genau dann aufzutauchen, wenn man sie am wenigsten braucht. Unsere Experten verraten, wie man sie vermeidet.
Mehr Schutz, bessere Passform
Was einen MTB-Helm von einem Rennradhelm unterscheidet, ist keine Frage des Designs, sondern der Physik. „Ein MTB-Helm wird bewusst weiter in den Hinterkopf gezogen – weil Stürze im Gelände häufig nach hinten gehen und der Nackenbereich unbedingt abgedeckt sein muss“, erklärt Thomaso. Seitliche Aufpralle, Überschläge, Kontakt mit Ästen: Die längere Schalenform ist kein oberflächliches Stilmittel, sondern eine direkte Konsequenz aus der Unfallanalyse.
Schutz durch die Brille beginnt bei der richtigen Wahl – und die hängt im Wald vor allem an einem Faktor: dem Licht.
Aber der beste Schutz nützt wenig, wenn der Helm bei der kleinsten Einwirkung verrutscht. „Im Gelände überträgt jede Wurzel, jeder Stein Vibrationen auf Helm und Kopf. Ein MTB-Helm muss deshalb deutlich straffer sitzen als ein Straßenhelm – nur so bleibt er stabil“, weiß der ABUS-Experte. Hierfür erlauben moderne Drehverschlüsse das Feinjustieren auch auf der Strecke, ohne die Handschuhe ausziehen zu müssen – ein unterschätzter Luxus bei frischen Frühjahres-Runs und nassen Fingern. Beim Thema Rotationsschutz ist die Empfehlung klar: „Systeme wie MIPS sind keine Spielerei, sondern eine sinnvolle Investition – gerade weil Schrägaufpralle auf unebenen Trails zur Realität gehören.“
Lichtungen
Was für den Helm gilt, gilt auch für die Brille: Schutz beginnt bei der richtigen Wahl – und die hängt im Wald vor allem an einem Faktor: dem Licht. Road-Brillen sind auf gleichmäßiges Licht ausgelegt, doch im Wald wechseln die Bedingungen jede Sekunde. Pascal Oberlik, Produktdesigner von Red Bull SPECT Eyewear, empfiehlt daher: „Bei MTB und Gravel empfiehlt sich eine hellere Linse der Kategorie 2 und eine warme Tönung – rötlich-braun bis orange – mit Kontraststeigerung, um den Untergrund besser und schneller identifizieren zu können.“ Bei Dämmerung oder Schlechtwetter macht eine photochrome Linse die Wahl einfacher: Sie passt sich automatisch an und erspart den Wechsel mitten auf dem Trail.
Bei MTB und Gravel empfiehlt sich eine hellere Linse mit Kontraststeigerung, um den Untergrund besser und schneller identifizieren zu können.
Und wenn einem beim Weg nach oben die Luft ausgeht, sollte zumindest die Brille atmungsaktiv bleiben: „Mountainbiker sollten eher zu zylindrischen Linsen greifen – sie sind an den Rändern weiter vom Gesicht entfernt und sorgen auch beim schweißtreibenden Anstieg für gute Luftzirkulation.“ Eine Voll- oder Halbrandkonstruktion schützt zudem vor Steinschlag und Ästen, wo die rahmenlose Road-Brille schnell an ihre Grenzen kommt.
Das System zählt
Brille und Helm funktionieren nur gemeinsam – wer das ignoriert, merkt es spätestens, wenn die Brille bei der ersten Abfahrt auf der Nasenspitze sitzt. „Im besten Fall wählt man eine Kombination mit möglichst kleinem Spalt zwischen Helm und Brille – um die kleinstmögliche Fläche für Fremdkörper zu bieten. Ein zu langes Bügelende kann hinterm Ohr Druckpunkte verursachen“, so Oberlik. Anpassbare Bügelenden schaffen Abhilfe – eine Anprobe beim Fachhändler ist daher Pflicht. „Je gröber der Gebrauch, desto robuster muss das Produkt sein“, gibt Pascal Oberlik als finale Empfehlung noch mit auf den Weg.














