Der Herbst ist für viele die schönste Wanderzeit – aber es gilt auch auf die Sicherheit zu achten. Fünf Punkte, die das ganze Jahr über gelten, im Herbst jedoch besonders wichtig sind.


1. Touren sorgfältig planen
Bergtouren müssen das ganze Jahr über sorgfältig geplant werden – Herbsttouren noch mehr. Tourenlänge, Schwierigkeit, Wetter und Bedingungen müssen zusammenstimmen. Das Tageslichtfenster ist jetzt kürzer, das ist unbedingt zu berücksichtigen. Dazu sind die Wege manchmal schon rutschiger, auch das spricht dafür, im Voraus schon etwas mehr Zeitreserve einzuplanen, als man es im Sommer tun würde.
Was noch zur Planung gehört: Ist die gewählte Tour für die Jahreszeit geeignet? Hat die anvisierte Hütte geöffnet? Fährt die Bergbahn noch? Auch wenn Öffungs- und Betriebszeiten in den vergangenen Jahren vielerorts in den Herbst hinein verlängert wurden, kann die Infrastruktur eingeschränkt sein. Also nicht ungeprüft damit rechnen, sich unterwegs versorgen zu können, und gegebenenfalls etwas mehr Verpflegung einpacken.

2. Das Wetter im Blick behalten
Im Herbst ist das Wetter in den Bergen vergleichsweise stabil – der Wettercheck ist natürlich dennoch ein wesentlicher Teil der Planung. Im September sind Wärmegewitter durchaus noch ein Thema, die Gewittersaison hat sich in den vergangenen Jahren tendenziell etwas nach hinten verschoben, berichten Meteorologen. Herbstliche Wetterstürze nach stabilen Hochdrucklagen sind sehr exakt prognostizierbar: Wer sich vorab informiert und die Entwicklung im Blick behält, sollte deshalb nicht überrascht werden. Ist ein Wettersturz vorausgesagt, ist unbedingt dafür Sorge zu tragen, dass man zum prognostizierten Zeitpunkt schon wieder im Tal ist.
Beim Wettercheck gilt: Am besten informiert man sich aus Quellen, bei denen Wetterdaten von Meteorologen auch ausführlich interpretiert und eingeordnet werden (z. B. auf Geosphere Austria). Gerade die Beschreibungstexte enthalten oft wichtige Hinweise auf Entwicklungen und Gefahrenlagen. Diese auch lesen und nicht nur die Symbole betrachten. Auch unterwegs gilt es, die Wetterentwicklung zu beobachten – am Himmel wie am Handy.

3. Die passende Tour für die Jahreszeit
In welcher Höhe wann der erste Schnee fällt (und auch liegen bleibt), ist von Jahr zu Jahr unterschiedlich. Die passende Herbsttour ist deshalb nicht nur eine Frage der Seehöhe – auch die Ausrichtung des Weges spielt eine entscheidende Rolle. Südseitige Hänge trocknen nach Niederschlägen schneller ab und bleiben oft länger schneefrei, während nordseitige und schattige Passagen deutlich tückischer sein können. Nach klaren Nächten können kleine Bäche oder nasse Steine bereits vereist sein. Auch feuchtes Gras sollte nicht unterschätzt werden: Stellen, die im Sommer problemlos zu begehen sind, können plötzlich sehr rutschig sein.
Umso wichtiger ist es, schon bei der Tourenwahl genau hinzusehen: Wie verläuft der Weg? Welche Hänge liegen im Schatten? Wo könnten rutschige oder ausgesetzte Passagen warten? Und natürlich: Wie weit führt die Tour hinauf? Kann man das Wissen selbst vor Ort nicht einschätzen: Ein Anruf bei Hütten, Tourismusverbänden oder Bergführern hilft.

Eine Stirnlampe soll beim Herbstwandern im Gepäck niemals fehlen. Hier im Bild: Leoganger Steinberge, Passauer Hütte.
4. Vollständige Ausrüstung
Der Herbst ist die Zeit der kurzen Tage und der Temperaturunterschiede. Kommt es zu einer ungeplanten Verzögerung, werden deshalb zwei Dinge besonders wichtig: eine Stirnlampe und warme Reservebekleidung, etwa in Form einer Isolationsjacke.
Beides braucht man unter Idealbedingungen vielleicht gar nicht – wenn die Tour aber länger dauert als geplant, kann genau diese Reserve entscheidend sein. Jahreszeitspezifisch besonders wichtig sind außerdem griffige Bergschuhe, eine lange Hose, ein Wechselshirt, eine Hardshell als Wetter- und Windschutz sowie Haube und Handschuhe. Grödel sind leicht, brauchen kaum Platz und können auf vereisten oder rutschigen Passagen ein deutliches Plus an Sicherheit bringen.
Unabhängig von der Jahreszeit gehören außerdem ein Erste-Hilfe-Set, ein Biwaksack, ein vollgeladenes Handy mit eingespeicherter Notrufnummer (Euronotruf 112) – idealerweise ergänzt durch eine Powerbank – sowie ausreichend Verpflegung in den Rucksack.

5. Umdrehen können
Viele Probleme bei Herbsttouren entstehen in der Praxis nicht durch schwierige Wege oder extreme Bedingungen, sondern durch die früh einsetzende Dunkelheit. Deshalb ist eine gute Zeitplanung so wichtig – und auch, die Situation unterwegs stets im Blick zu behalten. Falls es einmal nicht so vorangeht wie geplant, gehört zur guten Tourenentscheidung auch der Verzicht auf das eigentliche Ziel. Wenn das Wetter schlechter, die Zeit knapp wird oder die Bedingungen aus anderen Gründen nicht mehr passen, ist die Umkehr die richtige Entscheidung. Schließlich ist nicht der Gipfel das Ziel, sondern das sichere Erlebnis. Das gilt im Herbst genauso wie zu jeder anderen Jahreszeit.
Die Texte im Wetterbericht enthalten oft wichtige Hinweise auf Entwicklungen und Gefahrenlagen.













