Erste-Hilfe-Sets fürs Auto sind genormt, jene für Bergtouren nicht. Deswegen haben wir nachgefragt, was für die Notfalls-Erstversorgung im Wanderrucksack nicht fehlen sollte. 

Nicole Hofstetter
Nicole Hofstetter

Es passiert schneller, als man denkt: Man übersieht eine Wurzel und stolpert, mit etwas Glück bleibt es bei einer Abschürfung, mit etwas Pech kann es auch eine Verstauchung sein. Beide Fälle gehören zu den typischen leichten Verletzungen, die während einer Wandertour schon einmal vorkommen. Weiters sind Platzwunden, Prellungen und Insektenstiche besonders häufig auftretende Blessuren beim Outdoorsport, weiß Notarzt Wolfgang Fleischmann vom Österreichischem Roten Kreuz. 
Ist ein Erste-Hilfe-Päckchen mit im Gepäck, können kleinere Blessuren gut behandelt werden, damit die Tour schnellstmöglich weitergehen kann. Und bei schwereren Verletzungen ist es ideal zur Erstversorgung, bis Hilfe eintrifft.

Was aber soll im Paket drin sein? Um auf möglichst viele Szenarien vorbereitet zu sein, empfiehlt es sich universell einsetzbare Utensilien wie verschiedene Wundpflaster, ein Verbandspäckchen, eine Rettungsdecke und ein Dreieckstuch mitzuführen. „Damit ist eine Versorgung von Wunden möglich und durch die Rettungsdecke wird im Extremfall das Auskühlen beim Warten auf die Bergrettung verhindert“, begründet Lukas Treffer von Tatonka diese Auswahl. Zusätzlich sollte der Inhalt immer an die Tour-Länge und die Personenanzahl angepasst werden. 

Checklist fürs Outdoor Erste-Hilfe-Paket

Grundausstattung

  • mehrere Wundpflaster in verschiedenen Größen
  • Verbandspäckchen
  • elastische Binde
  • Wundauflage
  • Dreieckstuch
  • Desinfektionsmittel (kleines Fläschchen oder Tupfer)
  • kleine Schere und Pinzette, Zeckenzange
  • Einmalhandschuhe
  • Signalpfeife
  • Notfalllicht (oder Stirnlampe)
  • Aludecke
  • Tape-Rolle

Optional

  • Blasenpflaster
  • weitere Dreieckstücher und Wundauflagen
  • weitere Verbandspäckchen
  • Medikamente nach persönlichem Bedarf
  • Alu-Polsterschiene

Auch bei der Verpackung selbst gibt es ein paar Dinge zu bedenken. Die Tasche sollte einen sofortigen Überblick und schnellen Zugriff ermöglichen. Dies kann zum Beispiel durch transparente Einsteckfächer und ein aufklappbares Täschchen erzielt werden. Darauf zu achten ist, dass keine Feuchtigkeit über die Außenhülle ins Innere vordringen kann (wenn es doch passiert: gut austrocknen lassen). Idealerweise steckt das Erste-Hilfe-Paket dafür auf Tour in einem Drybag.

Doch auch das beste Erste-Hilfe-Set ist nutzlos, wenn der richtige Umgang damit nicht gelernt ist. Rettungsorganisationen wie das Rote Kreuz bieten Kurse an, bei welchen gelehrt wird, wie in einer Notsituation gehandelt werden muss. Den bereits befüllten First- Aid-Kits von Tatonka ist ein Spickzettel beigelegt, welcher hier auch von Vorteil sein kann. 

Notarzt Fleischmann möchte noch auf die Wichtigkeit der Risikoprävention hinweisen, damit die Erste-Hilfe-Ausrüstung möglichst gar nicht erst zum Einsatz kommen muss: Dazu zählen vor allem eine gute Tourenplanung, passendes Schuhwerk sowie genügend Trinkwasser, Nahrung und Pausen. Außerdem sollten ein gut aufgeladenes Mobiltelefon, warme Kleidung sowie Sonnen- und Regenschutz Teil der Grundausstattung sein.