Snowboarderin Sabine Payer, Olympia-Medaillengewinnerin von Cortina, über Sport ohne Plan, Urlaub im Camper-Van – und warum Langeweile ein guter Ratgeber ist.


Herzliche Gratulation zu einer Top-Saison – und natürlich zum Höhepunkt, deiner Olympia-Silbermedaille! Beginnt für dich nach dem Winter wieder ein Stück sportliche Freiheit oder ist selbst die Off-Season durchgetaktet?
Das kommt darauf an. Off-Season bedeutet oft Materialtests oder Medientermine, aber auch Frühjahrssnowboarden, Ausschlafen oder Urlaub. Die To-dos haben wir jetzt erledigt – für uns geht’s im April mit dem Camper nach Griechenland. Darauf freuen wir uns schon sehr.
 
Viele unserer Leser machen Sport ohne Plan, einfach weil es Spaß macht. Gibt es diese Art von sportlicher Freiheit auch bei dir und deinem Mann (Snowboarder Alex Payer, Anm.)?
Definitiv. In unserem Griechenland-Urlaub sind Klettersachen, Räder und Trailrunning-Schuhe natürlich fix dabei. Was wir aber bewusst zu Hause lassen, ist der Trainingsplan – da entscheiden wir spontan nach Lust, Laune, Wetter und den Möglichkeiten vor Ort.

Nach Monaten voller Rennen und Druck: Woran merkst du, dass dein Kopf wirklich abschaltet? Gibt es einen Moment, der sofort den Durchschnauf-Modus signalisiert?
Das ist bei mir unterschiedlich – nach manchen Saisonen dauert es nur ein paar Tage, nach anderen mehrere Wochen. Der Übergang von Anspannung zu Durchschnaufen verläuft bei mir eher fließend und ich bemerke eher den Moment, wenn ich wieder bereit für ein neues Projekt bin. Das ist dann, wenn eine gewisse Langeweile einsetzt. Dann weiß ich: Jetzt ist es wieder Zeit.

Die Natur ist für viele Outdoorsportler fast so wichtig wie der Sport. Kannst du die Berge im Winter noch genießen – oder siehst du automatisch Linien und Tore?
Für mich sind das keine Gegensätze. Natürlich genieße ich die Berge, und genauso liebe ich Linien und Tore. Sich zu überlegen, wie man eine Passage so schnell wie möglich bewältigt, gehört zu den Dingen, die ich an meinem Sport besonders schätze. Was mich nach einer Saison ermüdet, ist sicher nicht der Anblick einer perfekt präparierten Piste mit einem rhythmisch gesetzten Lauf.

Was bleibt neben den Ergebnissen und der Medaille von diesem Winter am stärksten in Erinnerung – und was könntest du Freizeitsportlern mitgeben?
Eine Saison voller Belohnungen. Nach den Olympiadramen der letzten Jahre war es eine große Genugtuung, endlich diese lang ersehnte Medaille zu gewinnen. Ich war top vorbereitet – aber bei einem Groß­ereignis muss unglaublich viel zusammenpassen. Mit meinen bisherigen Olympiaerfahrungen hätte ich mir eine Medaille kaum zu träumen gewagt. Mein Tipp? Dranbleiben. Mit etwas Glück wird man irgendwann belohnt. Und wenn nicht, dann hatte man trotzdem eine richtig gute Zeit.

Zur Person

Name: Sabine Payer
Geb. 28. Juli 1992
Sportart: Snowboard (Parallel-­Riesenslalom & Parallelslalom)
Top-Erfolge: Olympia-Silbermedaille im Parallel-Riesenslalom Milano Cortina 2026; 13 Weltcupsiege im Einzel, 7 im Team, Platz 4 Gesamtweltcup 2026; WM-Bronze im Parallel­slalom und Silber im Mixed-Team 2023

Web: bine-payer.at