Klettersteige öffnen die Vertikale für eine breite Zielgruppe – vorausgesetzt, Können, Kondition und Ausrüstung passen zusammen. Was bei Set, Gurt, Helm, Schuhen und Handschuhen wirklich zählt.

Lukas Schnitzer
Lukas Schnitzer

Fix installierte Stahlseile, Trittstifte, Stufen und Leitern ermöglichen Erlebnisse in der Vertikalen, die sonst erfahrenen Kletterern vorbehalten sind. Senkrechte Wände und Respekt einflößende Tiefblicke treffen hier auf – verglichen mit alpiner Kletterei – geringe technische Einstiegshürden. Ohne Frage wachsen mit den Schwierigkeitsgraden im Spektrum von A bis E auch die Anforderungen an Technik, Kraft und Kondition. Doch wer innerhalb seiner Fähigkeiten einsteigt, sich zu Beginn Kursen oder erfahrenen Freunden anschließt und auf hochwertige Ausrüstung setzt, kann seinen alpinen Erlebnisraum um eine eindrucksvolle Komponente erweitern.

Bei der Ausrüstung sind es fünf Kernkomponenten, die auf jeder Tour dabei sein müssen: Kletter­steigset, Klettergurt, Helm, adäquates Schuhwerk und Handschuhe.

Beim Herzstück, dem Kletter­steigset, gibt es in Sachen Sicherheit keine großen Unterschiede, werden die Sets doch nach einheitlichen Normen geprüft. Sehr wohl zu beachten sind die vom Hersteller angegebenen Gewichtsbereiche. Der Bandfalldämpfer eines Klettersteigsets ist darauf ausgelegt, Sturzenergie in einem bestimmten Bereich kontrolliert abzubauen. Wer deutlich darunter oder darüber liegt, bewegt sich außerhalb dessen, wofür das System optimiert wurde. Vor allem bei Kindern oder sehr leichten Personen gilt es hier genau hinzusehen. Große Karabiner mit leichtgängiger Einhand-Bedienung sind nicht nur für Einsteiger komfortabler und sicherer beim Ein- und Umhängen. Integrierte Drehgelenke an den Sicherungsarmen machen das Leben ebenso leichter.

Der Klettergurt sollte leicht, wenig störend, gut einstellbar an Hüfte und Beinen sowie bequem sein. Passform geht hier über Optik und (alpine) Features. Unabdingbar für die Sicherheit ist ein für Klettern und Alpinismus zertifizierter Helm – kein Fahrradhelm –, ein für Steinschlag und alpine Sturzszenarien entwickeltes Modell, das so gut sitzt, dass man ihn gerne trägt. Brille/Sonnenbrille beim Kauf mitnehmen und mehrere Modelle probieren – in der Passform (diese übersetzt sich direkt in Komfort) gibt es oft große Unterschiede.

Fehlt noch das Schuhwerk. Die Schafthöhe ist Geschmackssache und hängt auch von Zu- und Abstieg ab. Die Sohle sollte robust, ausreichend steif und mit einer griffigen Kletterzone im Zehenbereich ausgestattet sein. So steht man auch auf Trittstiften sicher und bequem und hat am Fels ausreichend Grip. Ein Tipp: Handschuhe tragen, das schützt vor lästigen Blasen und Verletzungen durch abstehende Litzen.

Für alle, die schon länger auf Klettersteigen unterwegs sind und sich fragen, ob ihre Ausrüstung noch eine Saison hält oder ein Neukauf sinnvoll ist, gilt: „Die Hauptursachen für schwere Unfälle im Klettersteig sind Fehlgebrauch und Produktversagen durch Alterung“, so Gianluca Brioschi vom Ausrüster Skylotec. „Im Zweifel sollte Material ersetzt werden – vor allem nach intensiver Nutzung oder bei Unsicherheit über den Zustand.“ Klettersteigset, Gurt und Helm sollten regelmäßig nach Herstellerangaben kontrolliert werden. Neue Ausrüstung bringt dabei nicht nur mehr Sicherheit, sondern oft auch geringeres Gewicht, mehr Komfort und Vorteile durch weiterentwickelte Normen.