Mit eins gehen, mit zwei aufs Laufrad, mit drei aufs Rad? Wer Kinder hat, weiß, dass man solche Faustregeln zur „altersadäquaten“ Entwicklung tunlichst nicht ernst nehmen sollte. Was trotzdem feststeht: Radfahren kann jedes Kind leicht erlernen, wenn man den richtigen Zeitpunkt abwartet und ein wenig Hilfestellung gibt.

Von Christof Domenig


Achtung, Insiderwitz: „Mein Kind kann das schon – aha, dein Kind kann das also noch nicht“, singen Christoph und Lollo in ihrem Song „Seit ich ein Kind hab“ sehr treffend. Doch auch wenn viele liebend gern solche Vergleiche im Eltern-Smalltalk anstellen, so ist eines doch unbestreitbar: Kinder entscheiden selbst, wann sie sich für etwas interessieren und für eine Sache bereit sind. Falscher Eltern-Ehrgeiz ist fehl am Platz. Genauso ist es auch beim Radfahren. Kommt Zeit, kommt Rad. Beziehungsweise die Lust aufs Rad. Das nur vorausgeschickt, wenn ich hier im Folgenden von meinen persönlichen Erfahrungen mit meinen Kindern (mittlerweile sechs und drei Jahre alt) berichte. Weil ich danach gefragt worden bin: „Wie spielt sich das ab mit dem Einstieg ins Radfahr-Leben?“

SCHRITT EINS: DAS LAUFRAD
Ein paar allgemein gültige Richtlinien gibt es bei der Thematik meines Erachtens schon. Zum Beispiel, dass es sicher besser funktioniert, wenn die Eltern Vorbilder sind und selber viel Radfahren. Das weckt Interesse. Unbestritten ist für mich auch, dass das Laufrad eine großartige Erfindung ist. Unsereins lernte ja noch mit Stützrädern. Heute sieht man diese „Zweiräder“, die in Wahrheit Vierräder sind, immer noch in vielen Shops. Man muss aber in Physik gar nicht übermäßig talentiert sein, um zu erkennen, dass Kurvenfahren auf zwei Rädern etwas gänzlich anderes bedeutet, als mit vier Aufsatzpunkten. Passiert die zweirädrige Sozialisation mit einem Laufrad, gelingt der Umstieg aufs richtige Rad in der Regel sehr einfach – und der Umweg über Stützräder ist völlig unnötig. Ein Laufrad mit 10 oder 12 Zoll Radgröße passt in der Regel ab rund 85 Zentimetern Körpergröße, also rund um den zweiten Geburtstag. Oder auch schon etwas davor – wie gesagt: Kinder sind halt Individuen … Während die ersten Runden um den Block von Elternseite dann noch etwas Geduld erfordern, wendet sich das Blatt bald, und man muss aufpassen, das Kind nicht aus den Augen zu verlieren. Und vor allem, es vor Hauseinfahrten und bei anderen tückischen Gefahren auf Gehsteigen durch Zurufe zu stoppen.

SCHRITT ZWEI: DAS ERSTE RICHTIGE RAD
Noch ein Spruch über Kinder, dessen Wahrheitsgehalt erst die eigene Elternschaft offenbart: Sie werden ja so schnell groß. Rund um den dritten Geburtstag schaut die Größen-Proportion zwischen Kind und Laufrad in der Regel etwas seltsam aus. Dann ist es Zeit fürs Upgrade aufs richtige Rad. Also eines mit Pedalen. Räder mit 14 Zoll-Bereifung passen meist ab ca. 95 cm Körpergröße. Entsprechend mit dem Laufrad geübt, gelang bei unseren beiden Kids der Umstieg eigentlich ganz leicht. Zu Beginn hilft man noch ein wenig beim Balancehalten, um bald zu bemerken, dass das eigentlich nicht nötig ist. Schließlich stabilisiert sich ein Zweirad in Bewegung von selbst. Wer dennoch ein paar gute Technik- und Motivationskniffe erfahren möchte, schaut hier: Radfahren lernen in 15 Minuten

Was meiner Erfahrung nach immer hilft, sind Pausen beim Lernen. Es muss schon etwas dran sein an der Theorie, dass sich die Synapsen im Gehirn über Nacht bilden, wenn eine neue koordinative Fähigkeit erlernt wird. Eine Nacht Pause kann Wunder bewirken, wenn einmal ein Motivationstief herrscht oder an einem Tag nichts mehr weitergeht.

Radfahren lernen als Kind / Bild: Woom

DIE MATERIALFRAGE
Für die Erkenntnis, dass Kinderrad nicht gleich Kinderrad ist, benötigten meine Frau und ich auch erst ein paar Erfahrungswerte. Sprich: Wir haben einiges Lehrgeld gezahlt. Klar: Kinder wachsen schnell und da schaut man intuitiv schon einmal aufs Preiszetterl. Vermeintlich etwas günstigere Preise relativieren sich aber schon, wenn man das Gewicht vieler angebotener Kinderbikes prüft (Tipp: aufheben und vergleichen – Gewichtsangaben werden bei Kinderrädern oft verschämt verschwiegen). Zehn Kilo fürs Anfängerrad scheinen für viele Hersteller normal zu sein. Man rechne aber einmal die Relation von 10 Kilo Rad zu 15 Kilo Körpergewicht aus. Oder, ein anderes Thema, auch selbst erlebt: Man erwischt ein Rad, bei dem Kinder die Bremse nicht bedienen können. Weil sie selbst für Erwachsenen-Verhältnisse unglaublich hohe Handkräfte erfordert …

Meine Erfahrung ist mittlerweile, dass es sich auszahlt, auf einen Kinderrad-Spezialisten zurückzugreifen. Beim jungen Klosterneuburger Unternehmen Woom, bei dem wir letztlich gelandet sind, ist das Bike ins Detail auf die Bedürfnisse von Kindern abgestimmt. Das Gewicht ist so, wie man es für alle Kinderräder erwarten würde (z. B. 5,3 Kilo beim Woom 2 mit 14 Zoll). Unliebsame Überraschungen jeder Art, was die Bedienbarkeit betrifft, bleiben aus. Den Unterschied merken auch die Kinder selbst, wenn sie ihre Bikes im Freundeskreis durchtauschen: Einmal mit einem Woom gefahren, steigen sie nur ungern wieder auf ein anderes auf. Und: Ich hoffe zwar nicht, dass schon Dreijährige aufs Prestige achten – aber eines kann ich schon auch bestätigen: Die Marke kommt beim Treff am Spielplatz an. Bei den Großen und bei den Kleinen.

NEU ODER GEBRAUCHT?
Wer beim etwas höheren Preis zögert, der sei noch auf das „Upcycling“-Programm des Herstellers verwiesen, das die Rückgabe des alten Rades beim Umstieg aufs nächstgrößere belohnt. Und andererseits der Tipp, sich auf Online-Gebrauchtbörsen einmal schlau zu machen. Nicht, um dort ein Schnäppchen zu erwerben, die gibt es nämlich nicht. Sondern weil sich dort Interessantes offenbart: Die Preise, zu denen gebrauchte Woom-Bikes gehandelt werden, liegen nur unwesentlich unter Neupreis. Was das über Qualität und letztlich auch Wiederverkaufswert sagt, kann sich jeder leicht ausrechnen. Für mich war das jedenfalls noch ein Argument mehr, meine Jüngere auf einem Woom 2 ins echte Radfahr-Leben zu schicken.