Spitzenschwimmer Heiko Gigler im Sport-Talk über den Wert von Daten und das noch wichtigere Körpergefühl – im Leistungs- genauso wie im Hobbysport.
Dir fällt an Hobbyschwimmern auf, dass viele ständig auf die Uhr schauen, statt aufs Gefühl zu hören, hast du unlängst gesagt – was war damit konkret gemeint?
In erster Linie war der Fokus auf Zeit und Pace gemeint. Man sieht oft, dass sich Hobbyathleten im Schwimmen stark an ihren Zwischenzeiten orientieren und jede Einheit möglichst schnell absolvieren wollen. Dabei geht manchmal das Gefühl dafür verloren, was der Körper eigentlich gerade macht. Daten wie Puls oder andere Messwerte können sehr hilfreich sein. Aber auch sie sollten ein Werkzeug sein und nicht jede Einheit bestimmen. Gerade bei lockeren Trainings ist es wichtig, ein Gefühl für die Belastung zu entwickeln.
Der Herbst ist die Grundlagenphase vieler Hobbysportler – eine gute Zeit, weniger auf die Uhr zu schauen und sein Körpergefühl zu schulen?
Absolut! Gerade jetzt kann man lernen, Belastungen wieder stärker nach Gefühl zu steuern. Wie fühlt sich ein lockerer Lauf an? Wie ist es, wenn ich noch problemlos ein Gespräch dabei führen kann? Wie fühlt sich eine längere Schwimmeinheit an, bei der ich nicht auf die Zwischenzeiten schaue? Dieses Körpergefühl kann man trainieren und es hilft einem später dabei, Trainingsdaten besser einzuordnen.
Wie hältst du es selbst mit dem Datensammeln – im Training und rund um die Uhr?
Im Leistungssport sind Daten enorm wichtig. Trainingszeiten, Herzfrequenz, Laktatwerte oder auch Schlaf und Regeneration geben einen guten Überblick darüber, wie der Körper auf Belastungen reagiert. Ich nutze solche Daten gerne als Unterstützung, würde mich aber nie komplett darauf verlassen. Mit der Zeit entwickelt man als Leistungssportler ein sehr gutes Gefühl für den eigenen Körper, und das ist mindestens genauso wichtig.
Wie schulst du selbst dein Körpergefühl? Kann sich der Hobbysportler etwas davon abschauen?
Ich glaube, dass man dafür vor allem lernen muss, während des Trainings bewusst auf sich selbst zu achten. Auf Atmung, Muskelgefühl, Bewegungsablauf, die allgemeine Belastung. Ich versuche, Einheiten zu machen, bei denen ich bewusst nicht auf die Uhr schaue. Dann geht es darum, eine bestimmte Intensität ohne äußere Kontrolle zu treffen. Man könnte sich zum Beispiel vornehmen, einen lockeren Lauf komplett ohne Blick auf die Pace zu absolvieren und danach zu überlegen: Wie hat sich das angefühlt? War es wirklich locker – oder eigentlich schon zu schnell?
Wenn dir der Körper sagt, dass du eine Pause brauchst, aber der Trainingsplan anderes vorsieht: Wie gehst du dann vor?
Am Ende geht es darum, langfristig gesund und leistungsfähig zu bleiben. Dafür muss man lernen, Signale des Körpers ernst zu nehmen und auf ihn zu hören. Ein Trainingsplan ist kein Vertrag, den man um jeden Preis erfüllen muss. Er dient zur Orientierung und sollte an die aktuelle Situation angepasst werden.
Zur Person
Name: Heiko Gigler
Geburtstag: 17.06.1996
Sportart: Schwimmen
Top-Erfolge: 2 Olympia-Teilnahmen (Paris 2024 & Tokio 2021); Bronze bei der Kurzbahn-EM 2025 in Lublin (100 m Lagen – erste Einzelmedaille bei einem Großevent); Gold bei der EM in Belgrad 2024 & Bronze bei der EM in Rom 2022 (4x100 m Lagen-Staffel)











