Vier Tage, rund 100 Kilometer Strecke und etwa 10.000 Höhenmeter: Die 40. Ausgabe der legendären Pierra Menta hat einmal mehr gezeigt, warum sie als eines der härtesten und prestigeträchtigsten Rennen im Skibergsteigen gilt. Mitten im hochalpinen Gelände des Beaufortain-Massivs kämpften Zweierteams aus aller Welt nicht nur gegen die Uhr, sondern vor allem gegen Gelände, Wetter und die eigenen Grenzen.
Acht Österreicher im Karpos-Team am Start
Die Strecke wird traditionell erst am Vorabend der jeweiligen Etappe bekannt gegeben, während tausende Zuschauer entlang der Route – besonders am legendären Grand Mont – für eine einzigartige Atmosphäre sorgen. Bei der 40. Ausgabe dieses prestigeträchtigen Rennens stellten sich auch acht Athleten aus Österreich als Team des Ausrüsters Karpos dieser Herausforderung und erlebten vier intensive Renntage voller spektakulärer Momente im Hochgebirge.
Die Karpos-Athleten: Kilian und Loris vom Sport Norz Leutasch, Peter und Lukas Vasold vom Sport Vasold Liezen, Thomas Weran-Rieger mit Christian Diegruber sowie Axel Strauss und Hansi Schmidl aus dem Salzburger Land.
Die Vorbereitung verlief allerdings alles andere als ideal. Der schneearme Winter in Österreich zwang das Team, einen Großteil des Trainings auf präparierten Pisten zu absolvieren – keine optimalen Bedingungen für ein Rennen, das komplett im hochalpinen Gelände stattfindet. Trotzdem war die Motivation groß, dieses Abenteuer gemeinsam zu meistern.
Nach rund zwölf Stunden Anreise erreichten die Athleten das kleine Bergdorf Arêches-Beaufort, das jedes Jahr zum Zentrum der internationalen Skibergsteiger-Szene wird. Nach Materialkontrolle, Startnummernausgabe und täglichem Rennbriefing stand schließlich fest: Das Abenteuer Pierra Menta konnte beginnen.
Tag 1: Technischer Auftakt im Whiteout
Der erste Renntag begann früh: Um 7 Uhr fiel im Ortsteil Planay der Startschuss. Für einige der österreichischen Teilnehmer war es die erste Teilnahme an einem Skitourenrennen dieser Größenordnung.
Bereits auf der ersten Etappe warteten anspruchsvolle Bedingungen. Schlechte Sicht im Hochgebirge und mehrere steile Tragepassagen mit bis zu 45 Grad Steigung verlangten den Athleten alles ab. Besonders die technisch schwierigen Abfahrten auf eisigem Untergrund stellten eine Herausforderung dar.
Nach rund 2.600 Höhenmetern und gut vier Stunden erreichten die Teams erschöpft, aber begeistert das Ziel. Die erste Etappe zeigte eindrucksvoll, warum die Pierra Menta als eines der härtesten Skitourenrennen der Welt gilt.
Tag 2: Aufholjagd unter Zeitdruck
Die zweite Etappe brachte mit 3.150 Höhenmetern auf 33 Kilometern eine echte Belastungsprobe. Der Start erfolgte spektakulär direkt im Ortszentrum von Arêches-Beaufort – zunächst im Laufschritt mit Skiern am Rücken durch die jubelnde Zuschauermenge.
Ein technisches Problem mit der Trinkblase im Rucksack sorgte jedoch früh für Schwierigkeiten und zwang das österreichische Team zu einer kräftezehrenden Aufholjagd. Besonders die strenge Cut-off-Zeit setzte die Athleten unter Druck.
Mit nur 20 Minuten Zeitreserve wurde der entscheidende Kontrollpunkt erreicht. Oben bot sich den Sportlern schließlich ein spektakulärer Blick auf den Mont Blanc, den höchsten Berg der Alpen. Nach 5,5 Stunden erreichten die Teams erschöpft das Ziel und konnten beim gemeinsamen Abendessen im Team-Chalet neue Kräfte sammeln.
Tag 3: Königsetappe über den Grand Mont
Am dritten Tag wartete der Höhepunkt des Rennens: die Königsetappe über den legendären Grand Mont.
Bei traumhaftem Wetter kämpften sich die Teams über mehrere Anstiege und Wechselzonen immer höher ins Gelände. Kurz nach dem Start sorgte ein gebrochener Stock für einen kurzen Schreckmoment, doch ein Zuschauer half spontan aus und überließ seinen eigenen – ein Beispiel für den besonderen Spirit dieses Rennens.
Der finale Aufstieg zum Grand Mont führte über einen schmalen Grat mit Fixseil – links und rechts steile Felswände. Am Gipfel wartete eine unglaubliche Atmosphäre: Hunderte Fans feuerten die Athleten mit Glocken, Motorsägen und Gesängen an.
Nach 4 Stunden und 45 Minuten erreichten die österreichischen Teams das Ziel – erleichtert, die schwierigste Etappe erfolgreich gemeistert zu haben.
Tag 4: Emotionale Zielankunft
Das Finale der Pierra Menta begann bei Regen und schwierigen Wetterbedingungen. Aufgrund von Neuschnee wurde die Strecke verkürzt und ins Skigebiet verlegt.
Trotzdem säumten tausende Fans die Strecke und sorgten für eine einmalige Stimmung. Auch kleinere Probleme – etwa eine verrutschte Kontaktlinse direkt nach dem Start – konnten den Kampfgeist der österreichischen Athleten nicht bremsen.
Beim finalen Anstieg zur Bergankunft mobilisierten die Teams noch einmal ihre letzten Kräfte. Die letzten Meter führten durch ein Spalier aus jubelnden Zuschauern, die die Athleten förmlich ins Ziel trugen – ein emotionaler Abschluss von vier extremen Renntagen.
Ein Abenteuer, das zusammenschweißt
Für das österreichische Karpos-Team bleibt die Pierra Menta vor allem eines: ein unvergessliches Erlebnis. Vier Tage im hochalpinen Gelände, extreme körperliche Belastung und die enge Zusammenarbeit im Zweierteam schweißen die Teilnehmer zusammen.
Neben der sportlichen Herausforderung ist es vor allem die einzigartige Atmosphäre entlang der Strecke – mit tausenden Fans und einer fast festivalartigen Stimmung – die dieses Rennen zu etwas Besonderem macht.
Auch sportlich konnten österreichische Athleten überzeugen: Julian Tritscher und Silvano Wolf erreichten einen starken achten Gesamtrang. Ebenfalls beeindruckend war der fünfte Platz von Johanna Hiemer gemeinsam mit Martina Valmassoi.
Am Ende bleibt für alle Teilnehmer die Erkenntnis: Die Pierra Menta ist weit mehr als ein Rennen – sie ist ein echtes Abenteuer im Hochgebirge.



















