Der legendäre Gsieser Tal Lauf fand Anfang März statt, und zwar bereits zum 42. Mal. SPORTaktiv war am Sonntag LIVE DABEI beim 30-km-Skating-Bewerb und ist begeistert von der Weltklasse in vielen Bereichen.

Alfred Brunner
Alfred Brunner


Aufgrund der Olympischen Spiele fand der „Gsieser“ heuer um eine Woche später statt. Seit der ersten Austragung 1984 gab es beachtliche 76.013 Finisher, 2026 kamen rund 2.000 Teilnehmer bei den Bewerben Klassik (Samstag) und Skating (Sonntag) dazu. Große Namen wie De Zolt, Björndalen und Cologna waren schon am Start. Der prominenteste Teilnehmer 2026 war der Biathlet Lukas Hofer, der die Zeit zwischen den Olympischen Spielen und dem Weltcup in Finnland für eine längere Trainingseinheit nutzte. Der größte Held all dieser Jahre ist ein anderer, aber dazu später …

Das Gsiesertal vermittelt generell den Eindruck von „Südtirol unplugged“. Die großen Skigebiete liegen nicht direkt im Tal, daher besinnt man sich auf die Stärke des sanften Tourismus, allen voran das Langlaufen, Winterwandern und Skitourengehen. Für Familien gibt es allerdings kleine/feine Lifte, die sich angesichts der geringen Frequenz perfekt für Anfänger eignen. Der Gsieser Tal Lauf strahlt weit über die Grenzen Südtirols hinaus. Die Organisation vor Ort war schlichtweg perfekt: genug Personal bei der Startnummernausgabe, ein sensationelles Wachsservice durch die Olympia-erprobten Experten von „Rode“, die acht Verpflegungsstationen an der Loipe, die Loipenqualität. Nicht umsonst stehen über 40 Nationen über all die Jahre in der Ergebnisliste.

Ich selbst entschied mich diesmal für die 30km Distanz, und damit gegen die 42km Distanz mit dem abschließenden Anstieg. Die 30km starten in St. Martin und gehen mit leichten Anstiegen talauswärts über Pichl nach Taisten zur stimmungsvollen Wende. Zurück geht es taleinwärts und sonnseitig nach St. Martin. Der Ski läuft schnell wie selten (Danke RODE!) und die Loipe bleibt bis auf einige wenige Stellen erstaunlich kompakt. Ich nutze die schnellen Bedingungen, bin motiviert und genieße die Community aus aller Welt. Die 30km darf ich diesmal mit exakt 1h45min abspeichern, für mich ein Schnitt von über 17 km/h, kommt nicht oft vor.

Der Gsieser Tal Lauf ist übrigens Teil der Euroloppet-Serie mit Langlaufevents in ganz Europa. SPORTaktiv bedankt sich beim Gsiesertal-Tourismus (Danke Karin), beim Hotel Stoll in Gsies und bei Jörg Bertram von Vagabond-PR für die Möglichkeit, beim „Gsieser“ dabei zu sein. Abschließend noch zum wahren „Helden“ des Gsieser Tal Laufs: Für mich ist dies eindeutig Bruno Foraboschi aus Bruneck, der mit Ende 70 bereits zum 42. Mal und damit bei jeder Austragung dabei war. Seine beeindruckende Zeit über 30 km: 2:53 h. Ich konnte Bruno beim Wachsservice persönlich treffen; seine Ausstrahlung und seine Motivation sind ansteckend und genau darum geht es bei solchen Sportevents: Den Moment genießen und motiviert bleiben!

Hier auch der offizielle Nachbericht zum Gsieser Tal Lauf 2026 (Skatingbewerb am 01.03.2026)
Der zweite Wettkampftag des 42. Gsieser Tal Laufs erfüllte die Erwartungen und wurde ein schnelles Rennen auf schmalen Skiern – unter Beteiligung der Athletinnen und Athleten des Italienpokals der allgemeinen Klassen und der Jugend. Den Sieg im Skating über 30 km sicherten sich Emma Schwitzer (Carabinieri) und Edoardo Forneris (Heeressportgruppe). Giovanni Ticcò (Polizeisportgruppe) und Martina Di Centa (CS Carabinieri) waren über 42 km siegreich. Letztere gewannen zugleich die Etappe des Italienpokals. Das große Teilnehmerfeld startete pünktlich in St. Martin und nahm Kurs auf Taisten. Dank einer perfekt präparierten Loipe und eines hochklassigen Starterfeldes war das Tempo von Beginn an sehr hoch. Beim fliegenden Sprint „by Südtirol“ bei Kilometer 9,5 präsentierte sich die Spitzengruppe noch zahlreich und geschlossen. Als Erster passierte Giacomo Gabrielli vor dem Biathleten Lukas Hofer, Silbermedaillengewinner bei den Olympischen Spielen Mailand–Cortina 2026, die Sprint-Ziellinie. Dahinter hielten Giandomenico Salvadori, Giovanni Ticcò, Lorenzo Romano und nach und nach alle weiteren Athleten engen Kontakt. Beim nächsten Sprint „by Hoku“ in Pichl bei Kilometer 24,5 sicherte sich erneut Giacomo Gabrielli die Wertung vor Lorenzo Romano und Martin Coradazzi.

Im Bereich der Streckengabelung zwischen 30 km und 42 km setzte sich aus der großen Spitzengruppe ein Quartett in Richtung Ziel der kürzeren Distanz ab: Thomas Maestri, Alessio Romano, Giacomo Gabrielli und Edoardo Forneris. Die letzten drei lieferten sich einen packenden Schlusssprint, in dem sich Edoardo Forneris aus Cuneo mit lediglich drei Hundertstelsekunden Vorsprung durchsetzte. Der Athlet der Heeressportgruppe feierte damit seinen ersten Sieg beim Gsieser Tal Lauf: „Der Start ist hier immer sehr turbulent. In den ersten 15 Kilometern hatte ich etwas zu kämpfen, dann konnte ich mich in die Vierergruppe einreihen. Im Sprint hatte ich schließlich die Nase vorn.“ Platz zwei ging an Giacomo Gabrielli vor Alessio Romano – alle innerhalb einer Sekunde.

Für jene, die die längere Distanz in Angriff nahmen, ging die Bergwertung „King of the Mountain by Hotel Quelle“ an Giandomenico Salvadori. Nach der Passage in St. Magdalena setzten sich Giovanni Ticcò und Lorenzo Romano leicht von den Verfolgern ab. Ticcò konnte sich schließlich gegen den Athleten der Carabinieri-Sportgruppe sowie gegen Salvadori (3.) behaupten. Für den Trentiner Polizisten des Jahrgangs 2000, war es ein großer Erfolg, Ticcò gewann sowohl die 42 km als auch die Etappe des Italienpokals. „Ich habe mich sehr wohlgefühlt, die Atmosphäre war wunderschön. Am Ende waren wir im Sprint mit Lorenzo Romano, und ich konnte mich durchsetzen. Ich bin sehr glücklich.“ Fünfter wurde Lukas Hofer mit nur zwölf Sekunden Rückstand. Unmittelbar nach dem Rennen trat er die Reise zum nächsten Weltcup nach Kontiolahti in Finnland an. Auch der Olympiateilnehmer in der Nordischen Kombination, Samuel Costa, zeigte mit Rang 15 eine starke Leistung.

Bei den Frauen gewann Emma Schwitzer die 30 km. Die Athletin der Carabinieri-Sportgruppe setzte sich trotz einer bei der Verpflegung erlittenen Lippenverletzung durch. Im Fotofinish behauptete sie sich gegen Lucia Delfino (SC Valle Stura). Das Podium komplettierte Lucia Isonni (Heeressportgruppe) mit einem Rückstand von 1:27 Minuten. „Ich bin sehr glücklich, es war ein wunderschönes Rennen. Trotz der Verletzung konnte ich bis zum Schluss um den Sieg kämpfen und gewinnen“, erklärte eine sichtlich gezeichnete, aber zufriedene Emma Schwitzer. Über 42 km lieferten sich Martina Di Centa (Carabinieri) aus dem Friaul und die Südtirolerin Julia Kuen (Team Futura) ein spannendes Duell. Beide holten Elisa Gallo ein, die in den ersten Rennkilometern mit deutlichem Vorsprung geführt hatte. Nach der Passage in St. Magdalena erreichten Di Centa und Kuen das Ziel nur wenige Sekunden auseinander – mit Vorteil für Di Centa: „Das Rennen war sehr anspruchsvoll. Wir haben nach einem größeren Rückstand im ersten Teil stark aufgeholt. Wir haben alles gegeben, und im Finale konnte ich mich durchsetzen.“ Ein weiterer Erfolg für Martina Di Centa, die sich zudem den „Queen of the Mountain by Hotel Quelle“ sowie den Sprint Mila bei Kilometer 29 sicherte.

Große Zufriedenheit herrschte beim Organisationskomitee rund um den langjährigen Präsidenten Walter Felderer: „Es war eine fantastische Ausgabe. Wir haben großes Glück – Ende Februar solche Schneebedingungen vorzufinden, ist sehr positiv. Das Wetter hat mitgespielt, und so viele Menschen an diesen zwei Tagen zu sehen, macht uns sehr stolz.“