Wenn der Jahreskreis uns Tag für Tag etwas mehr Licht entzieht, ist das noch lange kein Grund für gedämpfte Stimmung auf der Laufstrecke. Laufschuhe mit Membran, eine Bekleidungsschicht mehr und eine Stirnlampe bringen uns gut durch die dunklere Zeit.
Laufen kann man nicht nur überall, sondern auch immer. Natürlich auch im Oktober und November – wenn die Tageslichtstunden stetig weniger werden, Morgentau und Regentage dagegen mehr, und wenn auch schon der eine oder andere Frost dabei ist. Bloß die Ausrüstung sollte man jetzt etwas adaptieren.
LAUFSCHUHE
Wasserdicht – oder nicht?
Klobig, schwer und unbequem? Ein Urteil, das früher auf wasserdichte Laufschuhe zutraf – heute jedoch nur noch in stark abgeschwächter Form. Laufschuhe mit wasserdichter, atmungsaktiver Membran (meist Gore-Tex) sind mittlerweile wesentlich angenehmer und geschmeidiger als noch vor einigen Jahren. Speziell die Gore-Tex-Technologie „Invisible Fit“ hat den Tragekomfort spürbar verbessert.
Das Angebot an speziellen Laufschuhen für die nassen und kalten Tage im Jahr ist zuletzt deutlich gewachsen. Das hat auch mit den immer leichter und luftiger werdenden Mesh-Obermaterialien moderner Laufschuhe zu tun, die sich bei warmen und trockenen Bedingungen so angenehm tragen – bei Kälte und Nässe aber einen Kontrapunkt verlangen.
Als Teil einer ganzjährigen Laufschuhrotation hat ein GTX-Schuh seinen sinnvollen Platz im Portfolio von Freizeitläufern – konstatiert auch Tobias Bogner von Salomon. Österreich und Deutschland sind im weltweiten Vergleich führende „Gore-Tex-Länder“ (was den Laufschuh-Markt betrifft) – das komme wohl einerseits von den klimatischen Bedingungen in den Bergregionen wie „auch ein wenig vom Multifunktionsgedanken“, vermutet Bogner. „Ist es kühler und hat es geregnet: Da kommt der Gore-Tex-Laufschuh zur Geltung.“
Peter Rödhamer, Laufschuh-Experte von Intersport Austria, sagt zum passenden Einsatzbereich: „Ein Kriterium sind die Temperaturen. Wenn es kälter ist und ich Gefahr laufe, zugleich einen nassen Fuß zu haben, würde ich auf einen Gore-Tex-Schuh umsteigen. Das zweite Kriterium ist der Untergrund: Wo es asphaltiert ist und ich Pfützen gut ausweichen kann, braucht es nicht unbedingt einen wasserdichten Schuh. Wohne ich am Land, will zum Laufen durch eine Wiese oder in den Wald, macht er Sinn.“
Neu am Markt ist der Salomon Aero Blaze 4 GRVL – und deswegen interessant, weil es ihn als normalen Schuh und als Variante mit Gore-Tex gibt. „Man muss schon Experte sein, um vom Tragegefühl den Unterschied zu spüren“, meint Bogner. Die Membran ist beim Aero Blaze 4 GRVL der einzige technische Unterschied zwischen beiden Varianten, die griffige Sohle und das etwas robustere Obermaterial sind im Gravelsegment ohnedies Standard. Bei anderen Laufschuhen kommt in den GTX-Varianten auch oft eine andere Sohle mit mehr Grip auf nassen Böden zum Einsatz und das Obermaterial wird zusätzlich verstärkt.
Einen wasserdichten Laufschuh immer anprobieren, empfiehlt Rödhamer, da die Passform sich durch die zusätzliche Membran und die geringere Dehnfähigkeit des Materials etwas verändern kann – selbst wenn der Schuh, abgesehen vom „GTX“-Zusatz, gleich heißt wie das Schwestermodell.
BEKLEIDUNG
Baselayer und Jacke als Kriterien
Für Straßenläufer ist jetzt vor allem der Baselayer, also die direkt auf der Haut getragene Schicht, bei den meist herrschenden Herbstbedingungen in Städten und am flachen Land entscheidend, sagt Intersport-Experte Rödhamer. „Mit einer Jacke ist man oft noch zu warm angezogen und kommt nach zwei Kilometern darauf: Ich schwitze darunter. Beim Weglaufen soll mir leicht kühl sein. Im Herbst brauche ich vor allem Kleidung, die Schweiß schnell nach außen transportiert.“ Eine dünne, Feuchtigkeit ableitende Schicht direkt auf der Haut unterm T-Shirt getragen, erfülle oft genau diesen Zweck. „Wir verkaufen deutlich mehr Unterziehleiberl als Jacken.“
Natürlich haben auch Laufjacken ihre Rolle. Wenn es nicht gerade stark regnet, ist eine wasserabweisende Windjacke in der Praxis oft angenehmer als ein wirklich wasserdichtes Modell. Zumindest, wenn die Runden zeitlich überschaubar sind und man danach gleich duschen kann. „Es gibt Jacken, die vorne winddicht sind, hinten stretchig und atmungsaktiv – so habe ich eine gute Ventilation am Körper.“ Winddichte Jacken sind zudem klein packbar und lassen sich einfach mittragen.
Geht es beim Trailrunning in größere Höhen, verschieben sich die Prioritäten. Statt möglichst leicht unterwegs zu sein, tun Trailrunner gut daran, jetzt für möglichst alle Witterungsbedingungen gerüstet ihre Runde zu drehen – Grammsparen ist fehl am Platz. Tobias Bogner: „Viele Trailwesten sind darauf ausgerichtet, die Pflichtausrüstung eines Ultra-Trailruns einpacken zu können. Die sieht vor, dass man sich einmal komplett umziehen und warm anziehen kann. Das sollte man nutzen. So lässt sich auch die Gipfelaussicht viel angenehmer genießen.“
LICHT
Unverzichtbar: eine Stirnlampe
Als Cityläufer wird jetzt gesehen werden, als Trailrunner gut sehen zur Pflicht. Und vor allem zur Sicherheitsfrage. Neben Reflektoren an der Kleidung sorgen vor allem Stirnlampen dafür. City- und Trailrunner haben auch hier jeweils etwas andere Prioritäten, weiß Robert Kniewasser von Petzl. „In der Stadt ist die Umgebung durch Straßenbeleuchtung und andere Lichtquellen oft ohnehin erhellt – da braucht es ausreichend Licht für dunkle Abschnitte, Gassen und schlecht beleuchtete Wege, dazu einen eher breiten Lichtkegel für den unmittelbaren Laufbereich. Gewicht und Tragekomfort sowie eine intuitive Bedienung sind ebenfalls wichtig“, zählt Kniewasser auf. Ein rotes Licht am Hinterkopf erhöht die Sichtbarkeit deutlich.
Im Gelände dagegen muss die Lampe nicht nur den Weg sichtbar machen, „sondern auch dessen Verlauf, Unebenheiten, Wurzeln, Steine und mögliche Hindernisse. Mit höherem Tempo wird es außerdem wichtiger, was einige Meter weiter vorne passiert.“ Entsprechend braucht es einen Lichtkegel, der Nahbereich und vorausliegendes Gelände gleichermaßen sinnvoll abdeckt. Dazu kommen ein noch sicherer Sitz für die dynamischere Bewegung, Wetterfestigkeit und viel Akkulaufzeit (Reserve einkalkulieren!).
Eine Stirnlampe sollte man nicht nur nach angegebenen Kennzahlen kaufen, rät Kniewasser – sondern sie aufsetzen, sich damit bewegen und sich den Lichtkegel ansehen. Auch die Bedienung sollte man ausprobieren. In der Anwendung gilt: So viel Licht wie nötig, so wenig wie möglich. Das schont nicht nur den Akku und erhöht die Laufzeit drastisch, sondern reduziert auch die Gefahr, andere versehentlich zu blenden.














