Wandern ist heute viel mehr als Gehen in der schönen Natur. Es ist Ausdruck eines bewussten Lebensstils und zieht immer mehr Menschen jeden Alters und jeder Lebensform in seinen Bann. Was Wanderurlauber im Jahr 2025 suchen und folglich Wanderregionen ihren Gästen bieten wollen.
Vom etwas angestaubten Freizeitvergnügen hat sich Wandern zum Ausdruck eines bewussten Lebensstils entwickelt. Spätestens seit der Corona-Pandemie ist klar: Wer heute einen Wanderurlaub plant, sucht nicht nur Natur, sondern auch Sinn. „Wanderbare“ Urlaubsregionen müssen daher mehr bieten als schöne Wege – sie müssen Geschichten erzählen, entschleunigen und inspirieren. Doch was genau erwarten Wanderurlauber im Jahr 2025? Und wie sehen die Regionen ihre Rolle im Spannungsfeld zwischen Erlebnis, Erholung und Nachhaltigkeit? Wir haben mit drei Persönlichkeiten gesprochen, die mit der Materie tief vertraut sind: Eckart Mandler, Gründer des Tourismusvereins Wanderhotels und „Vordenker“ eines sanften, entschleunigten Zugangs zum Tourismus; Vera Schmied von der Region 3 Zinnen Dolomiten in Südtirol; und Josef Manahl, „Bereichsleiter (Er-)Lebensmanagement“ in der Vorarlberger Region Montafon.
Erlebnis trifft Entschleunigung
Wandern ist Gipfelmoment und Sonnenaufgang, Herausforderung und Genuss zugleich. Und genau diese Mischung ist es, die heute besonders gefragt ist. „Die meisten Wanderer suchen heute eine Balance zwischen Anspannung und Entspannung“, sagt Eckart Mandler. „Der Weg zum Gipfel, die Anstrengung – das ist ein Erlebnis, das gleichzeitig tief entspannt.“ Vera Schmied beobachtet es ähnlich: „Die Kombination aus Naturverbundenheit und persönlichem Erfolgserlebnis wird immer wichtiger. Unsere Gäste wünschen sich achtsame Abenteuer – Erlebnisse, die berühren, entschleunigen und in Erinnerung bleiben.“ Für Josef Manahl ist die Dualität des Wanderns – also Entschleunigung und Erlebnis – ein Schlüssel zur Angebotsgestaltung, das Leitprodukt „Alpenmosaik Montafon“ vereine beides auf einzigartige Weise: vielfältige Landschaften mit individuell gestaltbaren Wegen – vom Talspaziergang bis zur fordernden Bergtour. „Viele unserer Gäste suchen beides – sie wollen kleine Gipfelsiege feiern und zur Ruhe kommen.“
Das Wanderpublikum ist heute vielschichtig. Familien mit Kindern, junge Erwachsene, Alleinreisende – sie alle zieht es in die Natur. Was sie eint, ist der Wunsch nach Echtheit, Ruhe und Verbundenheit. „Wandern wird zum Ausdruck eines nachhaltigen und reflektierten Lebensstils“, sagt Manahl. „Umfragen zeigen: Unsere Gäste wollen ein stimmiges Gesamterlebnis mit Zeit, Tiefe und Verbindung zur Region.“
Die Corona-Jahre waren ein gesellschaftlicher Einschnitt. Die Folge: eine neue, tiefere Wertschätzung für die Natur und das Unterwegssein zu Fuß. „Viele Menschen haben damals zum ersten Mal erlebt, wie heilsam Natur sein kann – nicht als Kulisse, sondern als Raum zum Atmen, Denken und Spüren“, sagt Eckart Mandler. Josef Manahl ergänzt: „Der Berg wird nicht als reine Herausforderung gesehen, sondern als Dialogpartner – ein Ort, der inspiriert und den Blick aufs Wesentliche lenkt.“
Wer wandert, hinterlässt Spuren – aber möglichst wenige. Die neue Wandergeneration denkt bewusst und fragt kritisch: Wie reise ich an? Wo kommt mein Essen her? Was bedeutet regionale Wertschöpfung? Josef Manahl sieht das deutlich: „Unsere Gäste sind sehr sensibilisiert. Wir setzen auf konkrete, gut anwendbare Angebote. Am Beispiel öffentliche Anreise – der Großteil der ‚Alpenmosaik‘-Wege startet an Orten, die mit Bus und Bahn erreichbar sind.“ Vera Schmied berichtet: „Ein Fokus der Gäste liegt darauf, sich vor Ort ohne Auto zu bewegen.“ In der Ferienregion 3 Zinnen Dolomiten steht dafür ein dichtes Netz öffentlicher Verkehrsmittel zur Verfügung, das von Gästen kostenlos genutzt werden kann. Eckart Mandler sieht neben dem steigenden Bewusstsein für nachhaltige Themen bei Wanderurlaubern auch deren Wunsch nach dem Genießen – und Verantwortung bei den Gastgebern. „Die Herausforderung für die Hotels liegt in der Kommunikation: transparent und authentisch, aber ohne erhobenen Zeigefinger.“
Der Berg wird als Dialogpartner gesehen, der den Blick aufs Wesentliche lenkt.
Emotionale Bindung gefragt
Die Natur ist die Basis. Der moderne Wanderurlaub ist jedoch ein Gesamterlebnis. Eckart Mandler sieht eine gute Infrastruktur, digitale und analoge Orientierungshilfen sowie vorrangig „Gastgeber, denen es gelingt, eine emotionale Bindung zu schaffen“, als wesentlich. „Der Gast will Teil eines Raumes sein, der ihm etwas gibt – und dem er im Idealfall etwas zurückgeben kann.“ Josef Manahl zählt auf: „Vielfalt, Zugänglichkeit, gute Information, kulinarische Einbindung, nachhaltige Mobilität und ehrliche Gastfreundschaft – das gehört zum Gesamtpaket dazu.“
Wesentlich in diesem Paket ist die Kulinarik. „Regionale Küche schafft Vertrauen“, sagt Mandler, „sie ist ein Ausdruck der Wertschätzung gegenüber dem Gast wie der Region.“ – „Wer wandert, will nicht nur die Region kennenlernen, sondern auch ‚schmecken‘“, so Manahl – „das bewusste Genießen regionaler Spezialitäten gehört zum Erlebnis wie der Panoramablick.“ Ähnlich Vera Schmied, die in der Verbindung von Südtiroler Bodenständigkeit und italienischer Leichtigkeit ein Alleinstellungsmerkmal sieht: „Traditionelle Gerichte mit einem Hauch Dolce Vita und Zutaten aus lokalem Anbau und nachhaltiger Produktion.“
Weniger ist oft mehr
Ob ein Wanderurlaub am Ende wirklich entschleunigt, hängt auch vom Gast selbst ab. Viele neigen dazu, auch im Urlaub möglichst viel „reinzupacken“. „Wie bei jeder Tour ist die Haltung entscheidend“, sagt Eckart Mandler, „wer Raum lässt für Unerwartetes, wird entspannter reisen.“ Erholung beginne im Kopf – und in der Art, wie wir mit Zeit umgehen, weiß Vera Schmied. Josef Manahl sieht in seiner Region einen Gegenentwurf zum durchgetakteten Urlaub.
Ein Wanderurlaub ist 2025 also vieles – vor allem auch ein Statement für Achtsamkeit, Nachhaltigkeit und bewusste Erlebnisse. Wer Natur mit Kultur, Komfort mit Nachhaltigkeit und Abenteuer mit Entschleunigung verbindet, wird Gäste nicht nur begeistern, sondern sie inspirieren. Am Ende gilt: Der wahre Wert des Wanderurlaubs liegt nicht im Gipfelziel, sondern, wie Josef Manahl es ausdrückt: „Die größte Erholung liegt oft in den kleinen Momenten zwischen Startpunkt und Gipfel.“
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