Egal, wo du hinschaust: Du siehst niemanden, der mit einem schlechten Radl fährt oder mit irgendetwas daherkommt. Was vor zehn Jahren noch der Topseller war, das Nonplusultra – damit stinkst du aktuell überall ab. Ob beim Trainingslager auf Mallorca oder in Cesenatico oder bei der Ausfahrt mit den Kumpels.
Das Material ist richtig wichtig geworden. Oft muss es das Beste sein, das es am Markt gibt. Und es gibt ja heute auch alles. Früher war das Beste in der Regel nicht zu kaufen, das hatten die Profis im Fernsehen. Heute kannst du dir das Rad, das Tadej Pogacˇar bei der Tour de France fährt, kaufen – oder dir zumindest die Komponenten irgendwo zusammenstellen. Viele tun das auch und greifen tief in die Tasche, weil sie dabei sein wollen. Nicht nur sportlich, auch materialtechnisch.
Es ist auch alles top abgestimmt. Man sieht viele Pärchen, was ich grundsätzlich super finde, dass die Frauen zum Radsport finden. Aber sie fahren halt nicht mit irgendwas – sondern es muss zusammenpassen: Outfit, Schuhe, Helm, Handschuhe. Nicht zu vergessen: Die Trinkflasche muss farblich auch dazupassen. Somit ist der Gatte oder Freund, der mitfährt, gewissermaßen verpflichtet, sich anzupassen. Oder zumindest nicht aus der Rolle zu fallen. Ich nehme mich da nicht aus, ich fahre ja auch viel mit meiner Frau und passe mich dabei an.
Was vor zehn Jahren das Nonplusultra war, damit stinkst du aktuell überall ab.
Was das Material-Investment betrifft, hat es aber auch definitiv Grenzen. Man muss sich schon fragen: Was mache ich, wie oft mache ich das, was ist das Ziel? Brauche ich wirklich High-End bei Schaltung und Laufrädern? Was bringt es mir, wenn ich das Doppelte ausgebe – dass ich mich freue, wenn ich drauf sitze, oder bin ich beim Mondsee-Marathon 100 Plätze weiter vorn? Das muss jeder für sich abschätzen. Aber wer Freude daran hat, das Geld hat und vielleicht fünfmal gegen den Kumpel verloren hat und jetzt mit neuem Material zurückschlagen will – warum nicht? Soll nichts Schlimmeres passieren.
Im Triathlon war das früher auch schon so – und beim Radfahren eigentlich auch: Da wurde hier ein Gramm und dort ein Gramm eingespart, und gleichzeitig hatten viele zehn Kilo zu viel am Körper. Da wäre es einfacher gewesen, dort anzusetzen als beim Rad. Aber es ist Hobby und Leidenschaft. Emotion. Wenn sich jemand freut, weil er etwas fährt, das gut ausschaut und ihn vielleicht ein bisschen schneller macht, dann soll es gern so sein.











