Wie wär’s mit dieser Winteralternative: Splitboarden – also Tourengehen mit einem vertikal teilbaren Snowboard. Das erfreut sich zunehmender Beliebtheit und entwickelt sich stetig weiter. Eine junge Sportart im Kurzporträt.

von Niko Wahl

Früher musste man als Snowboarder abseits von präparierten Pisten und Liftanlagen viele Kompromisse eingehen. Das Board am Rucksack befestigt, begann mit Schneeschuhen oder kurzen Aufstiegsskiern ein meist anstrengender Weg Richtung Gipfel, um dann den Abfahrtsspaß am Board erleben zu können. Die vielen Nachteile sorgten insgesamt meist für gemischte Gefühle und man galt auch eher als Exot am Gipfel. Mittlerweile haben sich die Möglichkeiten stark verbessert: Splitboards sind die schlüssige Antwort auf eine lange gestellte Frage.

EIN ETWAS HOLPRIGER START
Dabei ist das Sportgerät gar nicht so neu: Für einige wenige Insider ist Splitboarden sogar schon seit Jahrzehnten ein Thema. Doch lange Zeit schaffte es kein System zur wirklichen Marktreife. Den echten Startschuss feuerte etwa zur Jahrtausendwende das in Utah in den USA ansässige Unternehmen Voilé ab: mit einem Splitboard, das erstmals in Funktion und Design überzeugte. Etablierte Snowboardhersteller griffen die Technologie auf und fertigten in Kooperation mit Voilé weitere vertikal teilbare Boards für Tourengeher. Bis die teilbaren Boards auch in Europa Fuß fassten, dauerte es trotzdem noch einmal mehrere Jahre. Gut Ding braucht eben Weile: Langsam, aber stetig entstand ein wachsender Markt und trotz diverser anfänglicher Schwierigkeiten wurden mehr und mehr Sportler neugierig.

FÜR WEN SPLITBOARDEN PASST
Wer soll und kann es ausprobieren? Grundsätzlich verhält es sich ähnlich wie beim Tourengehen mit Skiern: Man sollte das eigene Können möglichst realistisch einschätzen und seine Touren danach planen. Im Klaren sein sollte man sich auch darüber, dass es etwa bei harschigen Bedingungen im freien Gelände durchaus schwierig sein kann, kontrolliert abzufahren. Trotzdem: Jeder der ein Snowboard einigermaßen kontrolliert fährt, kann auch Splitboarden versuchen. Selbstverständlich ist fahrerisches Können kein Nachteil – aber das gilt ja auch auf Skiern. Das wahrscheinlich größte Problem beim Splitboarden ist die Kraftübertragung beim Aufstieg: Durch die relativ weichen Boots und Bindungen können eisige Querungen schnell zur Rutschpartie werden. Harscheisen sollte man daher immer mit dabei haben. In der Regel muss man die Eisen bereits viel früher als ein Skitourengeher montieren. Auch die Umbauten am Gipfel können vor allem bei widrigen Bedingung mühsam werden. Vor dem Erstversuch sollte man sich unbedingt mit dem Umbau vertraut machen.

VIELES NOCH IM FLUSS
Materialtechnisch ist beim Splitboarden noch vieles im Fluss – wie das bei jungen Sportarten eben so ist. Das grundsätzliche System mit zwei „Skiern“, die am Gipfel zu einem Snowboard zusammengebaut werden, hat sich zwar nicht geändert; doch es gibt heute andere Zugänge in der Montage, die alte Schwächen vergessen machen. Interessante Lösungsansätze für bekannte Problematiken bei Gewicht und Funktionalität sind etwa dem Hersteller Karakorum in jüngerer Zeit gelungen. Rossignol wiederum hat mit dem Freerideprofi Xavier de la Rue einen passionierten Splitboarder im Team und bietet heute steigeisenfeste Boots und Bindungen mit besserer Kraftübertragung an, die auch alpinistischen Herausforderungen trotzen. Außerdem finden ganz neue Marken und Start-ups immer wieder Zugang zum Markt. Summa summarum eine interessante Konstellation in einer kleinen Sportart mit großem Spaßpotenzial. Man darf gespannt sein, wohin der Weg mit den wandelbaren Snowboards noch führt …

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