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Das perfekte Trailbike mit Motor für alle, die eigentlich gar keinen Motor wollten? Wir haben Treks Minimal-Assist Fuel EXe XT genauer unter die Lupe genommen.

Schon verrückt, wohin uns der technologische Fortschritt rund um Akku- und Motorentechnik am E-MTB auch in Sachen Ästhetik gebracht hat. Ich erinnere mich noch gut an mein „Erstes“, ein Testbike einer heimischen Fachhandelskette. Hardtail, schmale, aber 2014 gerade ungemein fortschrittliche 27.5“ Reifen in heute verdächtig nach Gravelbike riechenden 2.1“ Breite. Dazu, sozusagen als optisches Sahnehäubchen, ein unschön am Unterrohr thronender 400 Wh Akku, welcher einen mächtigen Motor mit Energie versorgte. Obendrein noch eine klobige Lenkerfernbedienung samt überdimensionierten Display über dem Vorbau – so schön war E-Biken anno 2014.

Neun Jahre später ist es dem Laien kaum möglich, ein aktuelles Trek Fuel EX (seit Jahren eine der Benchmarks unter den Trailbikes) vom via TQ-HPR50 befeuerten Trek Fuel EXe zu unterscheiden. Schlank fügt sich der 360 Wh fassende Akku ins formschöne Unterrohr, antriebsseitig nahezu vom Kettenblatt verdeckt duckt sich der 50 Nm starke Motor des flüsterleisen Antriebskonzepts dorthin, wo sich das Tretlager vermuten ließe. Eine schlanke Bedieneinheit, links zwischen Griff und Dropper-Remote platziert, steuert die drei Unterstützungsstufen, ein schlankes, direkt ins Oberrohr eingelassenes Display gibt Aufschluss über Basics wie Reichweite, Geschwindigkeit, aktuell selbst getretene und vom System beigesteuerte Watt sowie zurückgelegte Distanz. So clean und schlicht, dass man ihm das E-Bike rein optisch kaum abnehmen möchte. Mit von Trek je nach Modell und Preispunkt angegebenen Gewichten zwischen 17,5 und 19,5 kg bringt das neue Fuel EXe dazu trotz 140 mm Hinterbau, 150 mm Federgabel und traktionsstarken Reifen in 29 x 2.5“ samt zeitgemäßen Details (breiter Lenker, langer und flacher Rahmen, Dropper-Post) auch noch deutlich weniger auf die Waage, als es das schlichte E-Hardtail aus dem Jahr 2014 tat.

König der Minimal-Assists?
Mit dem neuen Fuel EXe sticht Trek mitten hinein ins gerade aufstrebende Segment der Minimal-Assist Bikes – dem spannenden Mix der Stärken aus Mountain- und E-Mountainbike. Für den Test stellte uns Trek ein Fuel EXe 9.8 XT in Größe Large zur Verfügung. Für offiziel verlautbarte 18,1 Kilogramm (in Größe M) ruft Trek dafür mit Standard-Lack 9.999 Euro aus. Dafür gibt es einen leichten und steifen Carbonrahmen, TQ-HPR50 Antriebskonzept samt 360 Wh Akku, Shimano XT Schaltung, RockShox Lyrik Select+ Gabel und RockShox Super Deluxe+ RT Dämpfer. Anders als die Serie verzögert unser Testbike mit Sram Code R Ankern, ausgeliefert wird aber mit Shimano XT-Bremsen. Bei den übrigen Anbauteilen setzt Trek auf seine Hausmarke Bontrager. Von dort stammen sowohl die einteilige Lenker-Vorbaueinheit RSL als auch der Dropper Line Elite (170 mm Hub in Größe Large) sowie Sattel und vor allem die robusten, aber leichten Line Elite 30 Carbon-Laufräder samt griffigen Bontrager SE5 Team Issue Reifen in 29 x 2.5“.

Aufgesessen
Wie beim Gros der Trek-Fullys bietet auch das Fuel EXe eine mittels Mino-Link mit wenigen Handgriffen um 0,5° in Lenk- und Sitzwinkel und einige Millimeter in Stack, Reach, Tretlagerhöhe, Kettenstrebenlänge und Radstand variable Geometrie. Im „Low“-Setting liest sich unser Testbike in Größe Large wie folgt: 483 mm Reach und 623 mm Stack sorgen für eine moderne Front, die Kettenstreben sind mit 440 mm für ein 29er E-MTB überraschend kurz. Der Lenkwinkel liegt bei abfahrtsorientierten 64,8°, der Sitzwinkel bei zeitgemäßen 76,8°, die 43,5 cm Sitzrohrlänge lässt der 170 mm Stütze genügend Bewegungsraum und ermöglicht so einen auf Wunsch tief versenkbaren Sattel. Mit 180 cm Körpergröße und 86 cm Schrittlänge sitzt es sich so für ein Trailbike sportlich, aber durchaus bequem und gut ausbalanciert, weder Gesäß noch Handgelenke/Schultern müssen übermäßig viel Druck abfangen. Sowohl sitzend als auch stehend lassen sich Vorder- und Hinterrad sehr gefühlvoll belasten.

Treten
Wer es bisher durch unsere ausschweifenden Ausführungen geschafft hat, soll nun endlich bekommen, wofür er sich vermutlich in den Testbericht geklickt hat – ein paar ernsthafte Worte zum TQ-HPR50. Der von der Fachpresse mit Lorbeeren überhäufte Antrieb weiß in der Tat mit klaren Argumenten zu überzeugen. Vor allem in den ersten beiden Unterstützungsstufen geht er flüsterleise ans Werk, ist zwischen Fahrtwind und Abrollgeräuschen im Gelände eigentlich nicht wahrnehmbar. Einzig hohe Trittfrequenzen in der dritten und stärksten Unterstützungsstufe erzeugen für spitze Ohren hörbare, aber nie störende Geräusche. Geht man allein und nicht mit anderen E-Bikern auf Tour, ist die niedrigste der drei Unterstüzungsstufen ausreichend, steuert sie beispielsweise bei 200 Watt Eigenleistung konstant an die 100 Watt dazu, kommt man schon sehr zügig voran. Die beiden höheren Stufen legen nochmals spürbar mehr Leistung obendrauf, sind damit willkommene Helfer an steilen Rampen, in Uphill-Trails oder wenn man gemeinsam mit leistungsstärkeren E-Bikes unterwegs ist. Sportler auf der Suche nach etwas Unterstützung werden am 50 Nm starken TQ die volle Leistung der „großen“ Motoren von Bosch, Shimano und Co. aber nicht missen. Was am TQ-HPR50 besonders begeistert, ist seine Unauffälligkeit. Die Unterstützung setzt derart harmonisch und feinfühlig ein, dass im Fahrgefühl eigentlich kein Unterschied zu motorlosen Rädern besteht. Wem E-MTBs ob des Gefühls des „geschoben-werdens" bisher suspekt waren, der wird hier keine Kritikpunkte finden. Alles, was vom TQ bleibt, sind besonders „gute“ Beine, so als hätte man bereits Tausende von Trainingskilometern mehr im Trainingstagebuch. Ein E-Bike also, dass leichtfüßig und natürlich nie den Anschein erweckt ein E-Bike zu sein – und dennoch gekonnt mit Extra-Leistung die persönliche Reichweite, Reichhöhe und Steigungsfähigkeit erweitert. Was dafür entfällt, ist das „nachschieben“ klassischer E-MTBs, durch welches sich bergauf bei kurz ausgesetzter Tretbewegung Stufen und Wurzelteppiche besonders leicht überrollen lassen.

Macht aber nichts, denn das relativ geringe Gewicht, der feinfühlige Motor sowie der auch unter Treteinflüssen gut arbeitende Hinterbau sorgen für Traktion und viel „Trail-Gefühl“, was das Fuel EXe zum ausgewogenen Kletterer macht. Der effiziente Hinterbau verlangt im Gelände weder steil bergan noch im rollenden Gelände nach der Dämpferplattform, einzig an langen monotonen Forst- und Asphaltstraßen lohnt ein schneller Griff zur Plattform – und genau dafür ist sie ja auch da.

Fein sind auch die Möglichkeiten, welche die TQ-Plattform im effizienten Fuel EXe bietet: Mal eine Tour gänzlich ohne Unterstützung fahren? Kein Problem, schließlich sorgt das Fahrwerk und die Sitzposition für flüssigen Vortrieb auch ohne „E“. Gezielt trainieren und dennoch keine Kompromisse im Fahrspaß eingehen? Dank integriertem Leistungsmesser lässt sich der Trainingsbereich gezielt kontrollieren, mit entsprechend adaptierter Unterstützung wird es auch möglich Grundlageneinheiten am Berg zu fahren und bergab dennoch den vollen Trailspaß zu genießen. Hierfür lassen sich die einzelnen Modi übrigens in der zugehörigen App auch nochmals individualisieren.

Bergab
Am Trail überzeugt das Fuel EXe mit dem Handling eines modernen Trailbikes. Das Fahrwerk arbeitet satt und gleichzeitig feinfühlig, das Fahrverhalten bietet einen guten Mix aus Laufruhe und Wendigkeit, so wie man es sich von einem Bike der 140/150 mm Klasse erwarten würde. Der Sweetspot in Sachen Fahrer-Schwerpunkt ist angenehm breit, was eine Vielzahl an Fahrstilen (vom „Hinten-Hänger“ bis zum „Druck-aufs-Vorderrad-Bringer“ abdecken dürfte. Obendrein verzeiht die Geometrie auch den einen oder anderen Fahrfehler, lässt sowohl leicht passives Rollen als auch aktives Fahren zu. Einziger Kritikpunkt ist die gefühlt etwas schwerere Front, welche bei Bunnyhops und über Stufen subjektiv etwas mehr Körpereinsatz verlangt. Allerdings gewöhnt man sich auch daran schnell, einen massiven Unterschied in Sachen Brems- oder Fahrverhalten wie bei Full-Power-E-Bikes der 25 Kilogramm-Riege sucht man am Fuel EXe vergebens.

Fazit:

Schon oft hörte man im Marketing den Slogan „Ein E-MTB für Mountainbiker“ – nie hätte er bisher aber besser ins Schwarze getroffen als am Trek Fuel EXe. Treks Minimal-Assist Bike glänzt mit – im positiven Sinne – nicht spürbarer Unterstützung, für den Trail-Alltag ausreichender Reichweite und -höhe sowie echtem Trailbike-Feeling. Wer sich bisher nicht auf einem E-MTB gesehen hätte, insgeheim aber dennoch ein wenig „Rückenwind“ an steilen Rampen oder langen Anstiegen brauchen könnte, der sollte sich Treks Fuel EXe Serie einmal genauer ansehen.