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Flach, direkt und erstaunlich stabil: Mit dem neuen S/LAB Genesis 2 stellt Salomon dem aktuellen Trend zu immer höheren und weicheren Trailschuhen einen echten Spezialisten fürs technische Gelände entgegen.

Es gibt Trailschuhe, die sind wahre Tausendsassa. Vor der Haustür starten, erst über Asphalt, dann weiter über Forststraßen und Parkwege hin zu den echten Trails. Schuhe, die überall eine passable Figur machen, ohne sich irgendwo als eigenbrötlerische Koryphäen zu outen. Door-to-Trail nennt sich die Kategorie beim einen, Gravel – in Anlehnung an die vielseitigen Bike-Begleiter – beim anderen. Mal steht das Rollen auf Straßen und einfachen Wegen stärker im Fokus, mal die Performance im echten Gelände. Was bleibt, ist ein breiter Einsatzbereich ohne herausragende Einzeldisziplin – was, um den Gedanken abzuschließen, genau die Stärke dieser Schuhe ist.

Am anderen Ende des Trailrunning-Spektrums warten hingegen echte Spezialisten. Schuhe, die langen Asphaltpassagen im Flachen so gar nichts abgewinnen können, auf Schotter-, Wald- und Wiesenwegen zum Leben erwachen und auf technischen Trails erst richtig aufblühen. Schuhe wie der neue Salomon S/LAB Genesis 2.

S/LAB Genesis 2
Mit der zweiten Generation hat Salomon seinen S/LAB Genesis gezielt weiterentwickelt und dabei stärker in Richtung technisches Gelände geschärft. Mit 31 mm Sohlenhöhe an der Ferse und 25 mm am Vorfuß ergibt sich eine Sprengung von 6 mm. Damit bleibt der Genesis 2 für heutige Schuhverhältnisse angenehm bodennah. Die Zwischensohle kombiniert erstmals die beiden hauseigenen Schaumvarianten optiFOAM² und optiFOAM: Der reaktionsfreudigere optiFOAM² soll mehr Dynamik ins Laufgefühl bringen, während optiFOAM auf bewährte EVA-Dämpfung setzt. Das neu konstruierte activeCHASSIS soll gemeinsam mit der breiteren Plattform für Führung und Stabilität sorgen. Dazu kommen ein leichteres Matryx-Micro-Obermaterial sowie eine überarbeitete All-Terrain-contaGRIP-Außensohle mit aggressiverem Profil und 4,5 mm tiefen Stollen.

Ausprobiert
Höher, weicher, stärker gedämpft: Wer aktuell durch die Regale mit Lauf- und Trailschuhen blickt, könnte meinen, zwischen Fuß und Boden könne gar nicht genug Schaumstoff liegen. Das mag seine Berechtigung haben – mein persönlicher Geschmack ist es nur bedingt. Auf der Laufbahn großgezogen, fühle ich mich bis heute in eher flachen, direkten Schuhen wohl. Schuhe dürfen mir gerne erzählen, was unter meinen Füßen passiert. Und der S/LAB Genesis 2 ist diesbezüglich ausgesprochen gesprächig.

Schon auf den ersten Metern fällt auf, wie unmittelbar sich der Salomon läuft. Wenig schwammiges Einsinken, kein Gefühl, auf einer dicken Schicht Schaum vom Untergrund entkoppelt zu sein. Stattdessen viel Feedback und ein aktives Laufgefühl. Auf Asphalt ist das zunächst durchaus gewöhnungsbedürftig. Locker dahintraben ist nicht unbedingt die Paradedisziplin des Genesis 2. Bei niedrigen Geschwindigkeiten wirkt er auf hartem, ebenem Untergrund beinahe etwas leblos. Gibt man ihm Tempo, funktioniert das Zusammenspiel aus relativ straffer Dämpfung und direktem Abdruck deutlich besser. Trotzdem bleibt klar: Für Asphalt wurde dieser Schuh nicht gebaut.

Sobald der Untergrund gröber wird, dreht sich das Bild. Schon auf Schotter-, Wald- und Wiesenwegen erwacht der Genesis zum Leben, auf echten Trails versteht man schließlich, warum Salomon den Schuh so abgestimmt hat. Im Gelände funktioniert er für mich praktisch unabhängig vom Tempo. Locker bergauf, schnell über wellige Trails oder mit Zug bergab: Der Schuh wirkt stets lauffreudig und vermittelt vor allem eines – Kontrolle.

Ein wesentlicher Grund dafür ist die Kombination aus relativ geringer Standhöhe, breiter und stabiler Plattform sowie dem activeCHASSIS. Gerade wenn der Fuß auf Wurzeln, Steinen oder schrägen Flächen aufsetzt, bleibt der Genesis bemerkenswert ruhig. Statt seitlich in weichem Schaum wegzukippen, bekommt man unmittelbar Rückmeldung darüber, wo und wie der Fuß gerade steht. Technisch schwierige Passagen lassen sich dadurch sehr präzise anlaufen.

Diese Direktheit darf man allerdings nicht mit fehlendem Schutz verwechseln. Der Genesis 2 filtert Spitzen und Steine ausreichend heraus, ohne den Untergrund verschwinden zu lassen. Wer von maximal gedämpften Trailschuhen kommt, wird das Laufgefühl vermutlich als eher fest empfinden. Wer mit sehr weichen, hohen Sohlen wenig anfangen kann, findet hier dagegen eine erfrischende Alternative. Für mich liegt genau darin eine der größten Qualitäten des Schuhs: Er versucht nicht, den Trail unter möglichst viel Dämpfung verschwinden zu lassen.

Passend dazu überzeugt die All-Terrain-contaGRIP-Außensohle. Die 4,5 mm tiefen Stollen finden auf losem, erdigem und steinigem Untergrund viel Halt, ohne auf härteren Trailpassagen störend grob zu wirken. Besonders bergab ergibt sich gemeinsam mit der niedrigen Plattform ein sehr trittsicheres Gefühl. Der Schuh lässt sich exakt setzen, bleibt beim Aufkommen stabil und vermittelt auch bei höherem Tempo viel Vertrauen.

Zum Einsatz im groben Gelände passt auch das Matryx-Micro-Obermaterial. Es wirkt dünn und leicht, gleichzeitig aber ausgesprochen robust und gut gegen den rauen Kontakt mit Fels, Wurzeln und Geröll gerüstet. Die integrierte Gamaschenkonstruktion am Schaft hält gröberen Schmutz draußen und unterstützt den Halt im Schuh.

Ein Punkt fiel im Test allerdings schnell auf: Wasser hält das Material kaum zurück. Zwei Schritte durch feuchte Wiesen, und die Nässe war unmittelbar an den Socken angekommen. Das ist bei einem leichten, atmungsaktiven Trail-Obermaterial grundsätzlich kein Konstruktionsfehler – mit dem Herbst vor der Tür wollte ich es dennoch erwähnt wissen.

Passform
An meinen schmalen Füßen sitzt der Genesis 2 äußerst präzise. Vor allem im Mittelfuß lässt sich der Schuh sehr kompakt fixieren, ohne unangenehm Druck aufzubauen. Die Zehenbox ist ebenfalls eher schlank geschnitten, engt meine Zehen aber nicht störend ein. Das Ergebnis ist ein präziser Performance-Fit, bei dem der Fuß auch bei schnellen Richtungswechseln oder schrägem Aufsetzen kaum im Schuh arbeitet.

Sehr breiten Füßen könnte dieses Maß an Präzision allerdings zu viel, respektive das Volumen zu gering sein. Salomons Quicklace-System lässt sich schnell und fein dosieren, EndoFit legt sich zusätzlich um den Mittelfuß. In Kombination entsteht genau jener feste Sitz, den man sich in technischem Gelände wünscht. Ein Schuh dieser Ausrichtung darf und soll schließlich nicht lose am Fuß sitzen.

Ein Spezialist – und gerade deshalb richtig gut
Unterm Strich macht Salomon beim S/LAB Genesis 2 etwas, das in Zeiten immer universellerer Schuhe und immer stärker gedämpfter Laufschuhe fast schon gegen den Trend läuft: Der Schuh versucht gar nicht erst, alles zu können.
Wer hauptsächlich Asphalt, Forststraßen und gepflegte Parkwege läuft und nur gelegentlich einen Trail mitnimmt, findet vielseitigere Alternativen. Auch wer ein maximal weiches, komfortorientiertes Laufgefühl für lange Stunden sucht, wird anderswo glücklicher. Und wer von der Haustür erst einige Kilometer Asphalt überwinden muss, ehe der eigentliche Trail beginnt, muss akzeptieren, dass der Genesis 2 dort eher Mittel zum Zweck ist.

Je technischer der Untergrund und je eindrucksvoller die Panoramen werden, desto stärker spielt er dafür seine Karten aus. Die niedrige Plattform, das direkte Bodengefühl, der präzise Sitz, viel Stabilität und richtig guter Grip ergeben einen Schuh, der Vertrauen schafft, ohne dem Fuß die Arbeit abzunehmen. Er dämpft, aber versteckt den Untergrund nicht und bleibt erfrischend direkt. Er stabilisiert, ohne klobig zu wirken. Und er bietet Schutz, ohne sich vom Trail zu entkoppeln. Wer technische Trails aktiv laufen will, viel Rückmeldung vom Untergrund schätzt und Stabilität nicht mit maximaler Dämpfung gleichsetzt, findet hier einen ausgesprochen starken Begleiter.

Ein Spezialist eben. Und ein ziemlich guter noch dazu.