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Der Salomon Ultra Gilde 4 – ein Schuh für lange Kanten, der aber auch als Daily-Trainer für Grundlage und als Allrounder für Trail-Abenteuer zwischen Berg und Tal überzeugt.

von Lukas Schnitzer


Leichter und mit höherer Atmungsaktivität als sein Vorgänger, unterm Strich ein dynamischeres Laufgefühl sowie kühlere Füße in heißen Bedingungen. Dazu eine gesteigerte Langlebigkeit des Obermaterials, bereit für viele gelaufene Kilometer. So in etwa lässt sich Salomons Marketingtext zum neuen Max-Cusion-Langstrecken-Modell Ultra Glide 4 zusammenfassen. 285 g pro Schuh in Sample-Größe UK 8,5 Herren sparen 10 Gramm gegenüber dem Vorgänger ein und ergeben bei stolzen 41 mm Fersen- und 35 mm Vorfußhöhe ein für einen Trailschuh mit maximaler Dämpfung respektables Gewicht.

Weitere Eckdaten aus dem Spec-Sheet: 6 mm Sprengung, strapazierfähige Contragrip-Sohle mit 4 mm Stollen für gemischtes Gelände, optiFOAM-Dämpfung für eben beschriebene maximale Dämpfung und reliveSPHERE-Technologie für optimale Druckverteilung unter dem Fuß. Dazu ein neu konstruiertes Obermaterial mit besserer Luftzirkulation und besserer Wasserableitung sowie quickLACE Schnürsystem für präzisen Halt. Ein Schuh für lange Strecken. Und wechselndes Gelände.

Produkttext trifft Läufer
Persönlich könnte ich mich noch für mindestens zwei Absätze in den technischen Finessen des Salomon Ultra Glide 4 verlieren. Noch im Detail erklären, wie der leichte EVA-Schaumstoff der optiFOAM-Zwischensohle für Dämpfung sorgt. Wie die optisch auffällige, wellenförmige Geometrie der Außensohle – mich erinnert sie optisch stark an eine maximierte Version einer Golfball-Oberfläche – dabei hilft, den Druck gleichmäßig zu verteilen, die Belastung beim Auftreten zu dämpfen und den Komfort weiter zu erhöhen. Aber vermutlich hat sich die werte Leserschaft nicht dafür in den Testbericht geklickt.

Widmen wir uns also eher der Verbindung Schuh-Mensch. In der Passform würde ich den Salomon als mittelbreit einstufen, der Fit lässt sich über Salomons bewährte quickLACE-Schnürung schnell adaptieren. Mein doch recht schmaler Fuß findet ohne großen Auwand rutschfesten Halt, sowohl im Fersenbereich als auch in der Toebox und im Mittelfuß gibt der präzise Sitz viel Sicherheit. Auch Blasen waren vom ersten Kilometer an nie ein Thema. Laufen im Ultra Glide 4? Auffallend unauffällig. Und das im besten Sinne. Kein Suchen nach der idealen Schnürung. Kein Suchen nach dem idealen Schwerpunkt über dem Schuh. Einfach loslaufen.

Treuer Begleiter
Was den Salomon Ultra Glide 4 nach ein paar gelaufenen Wochen wohl am treffendsten beschreibt? Vergangenen Sonntag machte ich mich mit einer doch recht anspruchsvollen Anforderungsliste an meinen Schuhschrank. Samstag war es spät geworden. Vier Stunden graveln am Vormittag, Thermalwasser bis 22:00 und dann noch eine Stunde heimfahrt. Eigentlich wäre für den Sonntag nur ein kurzer Regenrationslauf vorgesehen gewesen. Doch meine Frau hatte einen Termin „entersberg“, sprich auf der anderen Talseite eines unserer heimischen Hausberge.

Um 07:56 Uhr lag ich noch im Bett. Um 08:16 Uhr saß ich mit Frühstücksbanane und Notfallgel am Beifahrersitz unserer Familienkutsche. Spontan hatte sich für den Nachwuchs ein Sitter angemeldet. Spontan entschied ich mich dafür, mir den Vormittag mit einem Wegfindungs-Trail-Abenteuer von drüben nach Heimwärts zu versüßen. Was ich wusste war, dass von Asphalt über Wald- und Wiesentrails bis hin zu felsigem und wurzeligem Gelände alles dabei sein würde. Was ich ebenfalls wusste, waren gute 1.000 hm, die es zu überwinden galt. Den Trail zurück ins Tal kannte ich, den Weg hinauf und über das Plateau zum Einstieg in den Downhill, den galt es erst zu finden. Wie viele Kilometer dabei zusammenkommen würden, konnte ich maximal grob schätzen. Ein Lauf ins Unbekannte also, müde vom langen Vortag, aber durchaus motiviert. Meine Anforderungsliste an den Schuh: Dämpfung für meine nicht mehr ganz frischen Beine. Ausreichend Grip für sämtliche Überraschungen. Und eine Geometrie, die auch bei langsamer Grundlagenpace ordentlich rollt. Ein kurzer Blick in den Schrank ließ eigentlich keine Fragen offen: Auftritt für den Ultra Glide 4.

Eigenschaftskatalog
Gerade für solche Einsätze, sprich lange Tage mit gemütlicher Grundlagen-Pace oder Abenteuer mit vielen Kilometern, scheint der Salomon wie gemacht. Gerade meine Sprunggelenke kämpfen am Ende einer Trainingswoche oft mit Schmerzen. Die superbe Dämpfung im Ultra Glide 4 lässt diese aber verschwinden. Es zwickt weder beim Einlaufen, noch zwackt es im Downhill oder auf den letzten flachen Metern zur Haustür. Trotzdem fühlt sich der Schuh nie „schwammig“ an, wie es oft bei sehr stark gedämpften Modellen der Fall ist. Natürlich entkoppelt er den Fuß ein wenig vom Untergrund, kleine Steine oder Wurzeln werden tatsächlich weggeschluckt, aber ein Grundfeedback bleibt vorhanden. Das spiegelt sich auch in der Kippstabilität und Trittsicherheit wider. Hier übertrumpft der Schuh einen großen Teil der Konkurrenz.

Auffällig, bereits beim Anziehen: Das Grip-Niveau der Außensohle. Der Contragrip-Gummi klebt am Parkett, klebt auf den Fliesen – und bietet satten, vorhersehbaren Grip auf sämtlichen Outdoor-Untergründen, die mir während meiner Testphase unters Profil gekommen waren. Ebenfalls erwähnenswert: Der Schuh rollt. Und das nicht erst ab höheren Geschwindigkeiten, sondern bereits ab etwa einer Pace von 06:40 min/km. Ein Grundlagen-Begleiter, der auch im Gurken-Trott gut laufbare Laune verbreitet – und dennoch spritzig genug für Intervalle mit 4:00 min/km bleibt.

Kritik? Grund dafür finde ich sonst zwar immer. In diesem speziellen Fall habe ich aber so meine Schwierigkeiten dabei. Gerne moniere ich bei Salomon-Schuhen den nachlassenden Halt des Schnürsystems. Am Ultra Glide 4 aber absolut kein Thema. Dass ein Schuh, vom Hersteller für lange Strecken beworben, nicht die Agilität eines Vertical-Spezialisten besitzt, ist seinem Zweck geschuldet und absolut wünschenswert. Dass er ohne Carbon in der Mittelsohle auskommt, lässt mich eher entspannt durchatmen, denn aufschnauben – ich laufe gerne ganz ohne Platten. Und selbst den Listenpreis von 150 Euro kann man im Jahr 2026 im direkten Vergleich mit der Konkurrenz nur schwer bekritteln. Was man im Allround-Einsatz vielleicht bemerken könnte, ist, dass die griffige und somit weiche Sohle auf Asphalt-Abschnitten so einiges an Gummi liegen lässt. Insgesamt ein toller Schuh für alle, die auf ihren Long Runs und Grundlagenläufen gerne Abwechslung ins Gelände bringen.