Von der gemütlichen Hüttentour bis zum knackigen Trail – der Reiz liegt im Unterwegssein in der Natur. Gleichzeitig braucht die Freiheit abseits öffentlicher Wege klare und verständliche Spielregeln. Ein Überblick über Regeln und Verantwortung – und ein Appell an das Fair Play der Szene.

Norbert Dürauer

Beginnen wir – wertneutral – mit der Faktenlage: Radfahren im Wald und Gelände ist in Österreich grundsätzlich verboten, es sei denn, der Grundstücksbesitzer erlaubt es. Wer illegal Wege nutzt, riskiert Verwaltungsstrafen oder zivilrechtliche Klagen. Gleichzeitig wächst die Zahl der Menschen in der Natur und in den Bergen – auch der Biker, nicht zuletzt durch den E-Bike-Boom. Dass es Regeln gibt, liegt im Interesse aller Beteiligten und ihr Einhalten sichert die langfristige Perspektive.

Der Begriff „Mountainbike Fair Play“ ist über Landesgrenzen hinweg bekannt, in allen Regionen ähnlich, aber doch spezifisch ausgelegt. Drei Grundprinzipien sind überall zentral: Respekt gegenüber anderen Menschen, Rücksicht auf Natur, Wildtiere und Bewirtschafter sowie Verantwortung für den gemeinsamen Lebensraum. „Wenn diese Grundprinzipien gelebt werden, funktioniert das Miteinander auf den Wegen in der Regel sehr gut“, erklärt Christopher Unterberger von der Salzkammergut Tourismus-Marketing GmbH. „Wir nutzen Fair-Play-Grundsätze, die von vielen Stakeholdern gemeinsam getragen werden – vom Tourismus über Naturschutzorganisationen bis hin zu Land- und Forstwirtschaft.“

Respektvolles Miteinander
Die wesentlichste Rolle rund um freigegebene MTB-Routen spielen die Grundeigentümer. „Sie haben ein berechtigtes Interesse an Schutz, Bewirtschaftung, Wildruhe, Haftungsfragen und daran, dass Regeln eingehalten werden – nicht aus ‚Spaß am Verbieten‘, sondern weil es ihr Lebens- und Arbeitsraum ist“, erklärt lake.bike Gründer Andreas Holzer von der Region Villach Tourismus GmbH. Wer dies als Biker versteht, trägt zum Vertrauen bei, das für attraktive Streckenangebote entscheidend ist. Österreichweit sind die Bundesforste zentrale Partner bei der Entwicklung von Mountainbike-Angeboten, aber auch privaten Grundbesitzern kommt dieselbe rechtliche Position zu. Wald, Moor und Alm sind Lebensräume, keine Spielwiese für Touristen. Auf freigegebenen Routen zu bleiben und Nutzungszeiten sowie temporäre Sperren – etwa für Forstarbeiten, Wildschutz oder nach Starkwetterereignissen – zu respektieren, ist essenziell.

Jeder Mountainbiker ist gleichzeitig Ambassador für seinen Sport und soll sich der Verantwortung bewusst sein.

Gegenseitiges Verständnis
Grundeigentümer, Gemeinden, Tourismusverbände, Forstbetriebe, Jagd, Landwirtschaft, Naturschutzorganisationen, Bergbahnen, Bike-Vereine und die Bike-Industrie – die Liste der Stakeholder einer MTB-Strecke ist lang. Nur durch Zusammenarbeit und gegenseitiges Vertrauen kann ein Angebot entstehen. Ob und inwieweit es funktioniert, hängt vielfach auch von den Mountainbikern selbst ab. „Jeder, der unseren Sport ausübt, ist auch gleichzeitig Ambassador für den Sport und soll sich dieser Verantwortung bewusst sein“, appelliert Christian Albert aus der 3-Länder-Region Nauders.

Ein Tourismusverband fungiert oft als Koordinator, Moderator und Vermittlungsstelle zwischen unterschiedlichen Interessengruppen und Communitys. Informationen müssen gebündelt und einheitlich kommuniziert werden, um möglichst viele Leute zu erreichen. Dies geschieht digital über Websites, Tourenplattformen und Social Media, ebenso vor Ort über Beschilderungen und an Ausgangspunkten.

Wie im Urlaub, so auch zu Hause
Wer im Bike-Urlaub unterwegs ist, kennt es: Vor dem ersten Pedaltritt steht die Streckenrecherche an – Länge, Schwierigkeitsgrad, Verlauf und Öffnungszeiten müssen geprüft werden. Dasselbe gilt für Trails und Wege in der eigenen Heimatregion. Wichtig ist auch, auf vertrauenswürdige Quellen zurückzugreifen – etwa namhafte Verlage, aber vor allem Tourismusplattformen bzw. deren Logo auf Tourenportalen als Indiz für offizielle Routen. Vorsicht ist dagegen bei „Communitytouren“ geboten: Hier ist oft unklar, von wem der hochgeladene GPX-Track stammt und ob er überhaupt eine legale Tour beschreibt.

Der Klimawandel ermöglicht Radfahren in vielen Regionen auch im Winter. Mountainbiker hinterfragen hier mitunter, ob eine Wintersperre zwischen November und Februar wirklich notwendig ist – doch Waldbewirtschaftung und vor allem Ruhe, Schutz und Nahrung suchende Tiere sind eindeutige Indizien für eine Pause. Dasselbe gilt für Tagesrandzeiten, wenn Tiere während der Dämmerung auf Futtersuche gehen. „Sicherheit muss gegeben sein und auch auf die Natur muss Rücksicht genommen werden“, nimmt Christian Albert alle Beteiligten in die Pflicht.

Der Aufwand hinter den Streckennetzen ist enorm: Mitunter jahrelange Planung, unzählige Gespräche mit Grundeigentümern und Behörden, mühsame Überzeugungsarbeit, Prüfungen von Haftungsfragen und Naturschutzaspekten. Einzelne Verstöße können später ganze Streckennetze wieder gefährden – wenn nur einzelne Eigentümer ihre Zustimmung wieder zurückziehen. Die Verantwortung liegt also nicht nur bei den Planern, sondern bei allen Mountainbikern, die diese Strecken nutzen.

Bike Fair Play

Die grundlegenden Fair Play-Regeln (sie gelten für MTB & E-MTB, Gravel & E-Gravel gleichermaßen) 

  • respektvoller Umgang mit Grundbesitzern, Jagd- und Forstpersonal
  • Rücksichtnahme auf andere Naturnutzer und Tiere
  • Fahren auf halbe Sicht mit ­kontrollierter Geschwindigkeit
  • Beachten der Straßen­verkehrsordnung.
  • Einhaltung von Nutzungszeiten, Beachten von Fahrverboten 
  • und Sperren
  • Ausrüstungskontrolle und 
  • Tragen von Helmen

Produktentwicklung und Kommunikation
Der Mountainbike-Knigge ist noch tiefer in der Sport-Community zu verankern, damit möglichst wenige „schwarze Schafe“ unterwegs sind. „Eventuell könnte man noch mehr Aufmerksamkeit und Bewusstsein über unterhaltsame, aber lehrreiche Kampagnen erreichen“, meint Andreas Fischbacher von Flachau Tourismus. Wenn Infrastruktur und Nutzungsdruck nicht optimal zusammenpassen, entstehen Konflikte. Die Ist-Situation verdeutlicht vor dem Hintergrund der wachsenden Zahl an (E-)Mountainbikern die hohe Relevanz der Kommunikation der Regeln, die medial möglichst breit und bundesweit vermittelt werden sollten. „Am Ende erreichen wir für unseren Sport mehr, wenn man uns gern begegnet: Fair Play ist nicht das, was man sagt – es ist das, was man im Wald ausstrahlt“, bringt es Andreas Holzer auf den Punkt.

Damit alle ihren Platz im gemeinsamen Lebensraum finden, hilft gute Besucherlenkung, wofür ein attraktives und quantitativ ausreichendes Angebot die Basis liefert.

Gemeinsam in die Zukunft
Der Blick über den Tellerrand, über die Grenzen Österreichs hinaus, hilft – aber nur bedingt.

Sich Ideen zu holen oder an guten Beispielen zu orientieren? Ja. Unterschiede in Gesetzeslagen lassen sich jedoch nur schwer vergleichen oder angleichen. „Im Hinblick auf die Positionierung als Bike-Urlaubsland sollten unsere Regelungen durchaus differenziert betrachtet werden“, gibt Andreas Fischbacher mit auf den Weg.

Was am Ende bleibt, ist faires Nehmen und Geben. Wer gemeinsam an Lösungen arbeitet und den Aufwand wertschätzt, sorgt dafür, dass das legale Streckenangebot weiter wächst und niemand zu ­illegalem Handeln verleitet wird.

Fair Play ist nicht das, was man sagt, sondern was man im Wald ausstrahlt.