Minimalistische Schuhe für maximal starke und gesunde Füße? Ein Blick auf „Minimal-“ bzw. „Barfuß“-Schuhe.
Laufschuhe wurden in den letzten Jahren stetig dicker – doch der Markt bietet auch das gegenläufige Konzept. „Barfuß“- oder „Minimalschuh“-Modelle versprechen, Muskeln und Sehnen zu stärken, sie erlauben dem Fuß zu „arbeiten“ und ermöglichen ein direktes Bodengefühl. Bei zwei Vertretern dieses Konzepts haben wir nachgefragt: Vivobarefoot und Merrell.
Null Millimeter Sprengung (Ferse und Vorfuß stehen auf derselben Höhe – auch „Zero Drop“ genannt), höchste Flexibilität und eine breite Passform: Für Vivobarefoot sind diese drei Elemente gleichermaßen zentral, „um die natürliche Form wie die Funktion des menschlichen Fußes zu unterstützen“, wie Ben Le Vesconte für die britische Marke erklärt. Was Vivabarefoot von vielen anderen Marken unterscheide, sei die Sohlenstärke – oder besser: „Wie dünn die Sohle ist.“
Le Vesconte erklärt: „Weil wir Dämpfung gewohnt sind, empfinden viele stark gepolsterte Zero-Drop-Schuhe zunächst als komfortabel – doch genau diese Weichheit schmälert viele Vorteile des Barfußgehens“, sagt Le Vesconte dazu. Dämpfung „begünstigt, dass der Fuß zu weit vor dem Körper aufsetzt. Das erhöht Aufprallkräfte auf Fersen, Schienbeine, Knie, Hüften und Rücken – selbst wenn der Schuh breit und flexibel ist.“ Das ergebe ein „Komfort-Paradoxon“: Eine gedämpfte, komfortable Ferse führe zu stärkeren Aufprall-Kräften. Stattdessen sollten Füße wie andere Körperteile trainiert werden – „die bessere Fußgesundheit führt zu besserem Gleichgewicht, effektiverer Stoßdämpfung und einer stärkeren, elastischeren Rückfederung.“
Wichtig ist aber, dem Fuß Zeit zu lassen: „Grundlage ist, in minimalistischen Schuhen zunächst zu gehen.“ Sechs Monate gehen in Vivobarefoot-Schuhen steigere die Fußkraft im Schnitt um fast 60 Prozent, so Studienergebnisse der Marke. Auch zu Hause oder auf Rasen möglichst oft barfuß zu gehen, helfe dem Fuß schon.
Vielfältige Effekte
Auf natürliche Fußbeweglichkeit, ein direktes Bodengefühl und eine minimalistische Designphilosophie setzt auch US-Hersteller Merrell in seiner Barefoot-Kollektion. Physiotherapeutin Luisa Glöckler erläutert eine ganze Reihe von Effekten: „Durch das Gehen im Barefoot-Schuh wird die intrinsische Fußmuskulatur aktiviert, die das Quer- und Längsgewölbe stabilisiert. Das unterstützt die Beinachse in der aufsteigenden Kette und wirkt wie ein funktionelles Training der unteren Extremität.“ Die breite Zehenbox ermögliche den Zehen, sich aktiv am Abdruck zu beteiligen und die Kraftübertragung zu verbessern. Besonders das Großzehengelenk spiele eine zentrale Rolle für ein effizientes Abrollen, betont Glöckler. Durch das unmittelbare Bodengefühl in Verbindung mit der flexiblen Konstruktion würden Balance, Koordination und Körperwahrnehmung geschärft und der Fuß werde stärker in den gesamten Bewegungsablauf eingebunden.
Auch hier die Empfehlung: Die Schuhe zunächst im Alltag nutzen, ein gezieltes Beinachsentraining ergänzen – so kann der Fuß langsam auf echtes Laufen vorbereitet werden. Gibt man ihm die Zeit, um sich an neue Bewegungsfreiheit und reduzierte Dämpfung zu gewöhnen, bleibt er nicht nur langfristig gesund, sondern kann auch seine volle Kraft entfalten.













