Winterstimmung im kleinen, aber feinen Skigebiet Dreiländereck in der Region Villach. Die Nacht zuvor hat 20 cm Neuschnee gebracht und so steht einem spannenden Produkttest nichts im Wege. Der Region-Villach-Tourismuschef Georg Overs hat gemeinsam mit der Skischule vor Ort ein innovatives Outdoorprodukt ins Land geholt: Das 2021 erfundene und 2025 breit lancierte Hypershell-Exoskelett. Wie es genau funktioniert und welche Zielgruppen in Frage kommen – das durfte SPORTaktiv im Praxistest erkunden.
Das Produktversprechen lautet „Steigere deine Kraft, Leistung und Ausdauer“. Im Tourismus soll es vor allem die breite Zielgruppe der Wanderer ansprechen. Die Hypershell-Palette umfasst aktuell 4 Produkte: X Go mit 400 Watt um EUR 999, X Pro mit 800 Watt um EUR 1.199, X Carbon mit 800 Watt um EUR 1.799 und X Ultra mit 1.000 Watt um EUR 1.999.
Unser Wanderführer Jörg Schmöe instruiert die 4er Gruppe mit freundlichen und erklärenden Worten. Das Exoskelett ist in einer guten Minute angezogen. Ein breiter und komfortabler Hüftgurt inklusive Akku und zwei kleinere Gurte oberhalb der beiden Knie sind rasch eingestellt. Die Grundfunktion: Die Oberschenkel werden mit zwei Metallgelenken aus Carbonfaser und Titanlegierung mit der Hüfte verbunden, um die Auf- und Ab-Bewegung zu erleichtern. Bevor es losgeht, werden Größe und Gewicht noch via App personalisiert. Die KI-gestützte Software optimiert zudem die individuelle Leistungsabgabe während der Bewegung. Das Exoskelett unterstützt also konkret beim Gehen, beim Wandern, beim Laufen, beim Schneeschuhwandern, beim Stiegensteigen und sogar beim Radfahren. Wir gehen bei unserem Test auf eine kurze Schneeschuhwanderung über frisch verschneite Winterwiesen in Richtung Dreiländereck-Rodelbahn.
Die elektronische Unterstützung hat drei Stufen: null, grün (1–4) und rot (1–4), damit in Summe neun Abstufungen. Der spürbare Effekt: Das Gerät hilft dabei, die Oberschenkel leichter anzuheben, der Kraftaufwand variiert je nach Wattstufe. Hypershell selbst spricht von bis zu 39 % weniger Anstrengung. Ich bin kein Wissenschaftler, spüre die Unterstützung bei Stufe „rot-4“ aber deutlich. Diese „Full Power“-Unterstützung macht wahrscheinlich im steilen Gelände Sinn, in der Ebene reichen die grünen Lichter. Der Akku hält bis zu 4 Stunden, damit sind schon mal 1.000 Höhenmeter drinnen, eine ordentliche Wanderung.
Hypershell selbst spricht auf der Homepage davon, dass es mit dem Exoskelett „keine physischen Grenzen gibt“. Ganz so weit würde ich nicht gehen. Aber durchaus dem E-Bike ähnlich, sehe ich einen Riesenmarkt, der sich mittel- und langfristig auftun wird: Vor allem ältere Personen, die wieder mehr unternehmen wollen – auch das Gipfelkreuz ist damit wieder in Reichweite. Auch im Fokus sind Paare, die Leistungsunterschiede ausgleichen wollen. Gut trainierte Aktivsportler wollen sich meist bewusst auspowern, die sehe ich daher nicht als Zielgruppe.
Unsere Schneeschuhwanderung war geprägt von Neugierde und dem stolzen Gefühl, eine echte Innovation ausprobieren zu dürfen. Nach dem Ablegen des Hypershell Exoskeletts spüre ich, dass die Kraftanstrengung fürs normale Gehen wieder ein Stück weit größer wird. Analog bleibt halt analog. Obwohl ich aktuell in einem recht guten Fitnesszustand bin und ich mich nicht der Hypershell-Zielgruppe zugehörig fühle, fällt mein Fazit positiv aus. Das Exoskelett hat das Potential, was Großes zu werden - nicht für mich persönlich, aber für die oben beschriebene Zielgruppe. Eine 3-stündige Leihe mit dem Hypershell kostet in der Dreiländereck-Skischule übrigens fair kalkulierte 30 EUR. Der Regions-Geschäftsführer Georg Overs freut sich über die Innovation und auf zahlreiche interessierte Gäste: „Vor allem weniger fitte Menschen können dank des Hypershell wieder intensive Berg- und Wandererlebnisse haben, die sonst vielleicht nicht mehr möglich wären.“
Weiterführende Links:
www.3laendereckskischule.at
www.visitvillach.at
https://eu.hypershell.tech/de-at






