Graubünden, der Kanton in der Südostschweiz, umsorgt die Tourenbiker mit Angeboten aus der absoluten Oberliga. Prominente Wintersportorte wie St. Moritz, Lenzerheide oder Davos erfinden sich im Sommer neu. SPORTaktiv war vor Ort und ist zur Probe die Traumtour „Biketicket to ride Nr. 616“ in Lenzerheider abgefahren.


Graubünden hat sich seit Ende der 90er-Jahre ganz dem Mountainbike-Tourismus verschrieben. Sämtliche Facetten von Familien- und Einsteigertouren bis hin zu Trailfahrern und Downhillern werden abgedeckt. Jede der mittlerweile bekannten Bikedestinationen Flims, Lenzerheide, Savognin, Davos Klosters, Scuol Samnaun und St. Moritz hat ihren eigenen Charakter.
Das von SPORTaktiv besuchte Bikerevier Lenzerheide bietet was ganz Besonderes – nirgendwo sonst sorgt die Kombination aus Bergbahntransport und perfekten Singletrails für unvergessliche Biketouren. Wir haben uns die „Biketicket to Ride Nr. 616“ vorgenommen: Auf 47 km Strecke überwindet man rund 1.000 Höhenmeter mit dem Bike und 2.500 Höhenmeter mit insgesamt fünf Bergbahnen. Abwärts genießt man dann spektakuläre 3.500 Höhenmeter auf meist locker fahrbaren Singletrails.
Wir lösen vor der Tour ein Tagesticket um 45 Euro und dann kann’s schon losgehen. Und damit der ganze Trip noch ein bisserl mehr „Pfeffer“ hat, entscheiden wir uns, die Tour ohne Kartenmaterial in Angriff zu nehmen. Schließlich verspricht die Bikeregion ja „perfekte Beschilderung“



START MIT DEM SESSELLIFT
Ausgangspunkt der 616-Tour ist der bekannte Skiort Lenzerheide auf 1.476m Seehöhe. Bei der Talstation nehmen wir den Sessellift nach Tgantieni und danach gleich weiter bis zum Gipfel Piz Scalottas. Dort beginnt eine 4 km lange Abfahrt vorbei an der Junehütte. Die Aussicht auf den Heidsee und das Bergpanorama (bei herrlichem Wetter) sorgen für einen Auftakt nach Maß. Die Trailbeschaffenheit ist perfekt, meist sind es 50 bis 80 cm breite Wanderwege, die in Graubünden schon lange zu Bikewegen umfunktioniert wurden.Ständig weisen auch Hinweisschilder auf ein „gutes Auskommen“ der beiden Zielgruppen Wanderer und Biker hin.
Immer wieder geht es auch bergauf, was aber mit Supertrails reichlich zurückgezahlt wird. Im Frühherbst ist es hier auf den Bergen schon recht ruhig, am meisten Bekanntschaft machen wir mit Murmeltieren, Kühen mit lauten Schweizer Kuhglocken und Eichhörnchen. Vorbei an Alp Stätz geht es über Parpan, Mittelberg und Grida nach Chur auf 593 m Seehöhe.
In der Hauptstadt des Kantons mit 33.000 Einwohnern pulsiert das städtische Leben, die Bündner und die Touristen genießen die Mittagspause bei schönem Wetter. Nach einer guten Jause mit Bündner Rohschinken geht es zuerst mit der großen und dann mit der kleinen Gondel hoch nach Brambüsch. Dort warten schon wieder die nächsten Supertrails am Weg nach Churwalden. Ein letzter Lift führt uns zurück auf die Hochebene nach Alp Stätz, um mit einem spektakulären Schlussritt nach Lenzerheide zurückzukehren.
Unser Fazit nach dreieinhalb Stunden Nettofahrzeit: eine spektakuläre Tour mit fast 30 km Singletrails, die mit guter Kondition problemlos zu bewältigen ist. Technisch sind die meisten Singletrails leicht fahrbar, einige wenige Stellen bedürfen entweder einer guten Technik oder eines entsprechenden All-Mountain-Bikes mit viel Federweg.
Und damit das mit dem Abenteuer ohne Bikekarte auch noch geklärt ist: Man braucht dort in Graubünden wirklich keine – bei hunderten perfekt positionierten Schildern kam nie Hektik oder Verwirrung auf.


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