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Erholung am Berg: Schalt mal auf Empfang! / Bild: Sport Eybl

Erholung am Berg: Schalt mal auf Empfang!

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Der Berg als Sport- und Spielplatz? Auch der Outdoorsport definiert sich über Leistung. Aber wer Outdoor unterwegs ist, kann auch viel für sein Innenleben mitnehmen. Welchen Mehrwert ihr aus Aktivitäten in der freien Natur ziehen könnt, lest ihr im folgenden Artikel.


Dort ist er, der Gipfel! Immer näher rückt er ins Blickfeld. Ein hastiger Blick auf die Uhr, die Zeit drängt, schließlich gilt es, die vorgegebene Zeit für die Tour zu unterbieten. Manifestiert mittels Eintrag ins Gipfelbuch ...
Auf den Berg hinaufgekommen zu sein, reicht heute nicht mehr aus. Das Ziel heißt: Leistung! Viele können diesem Gedanken kaum mehr entkommen, nehmen ihn überall hin mit und merken nicht einmal, was ihnen dabei entgeht. Niemand sagt, dass es schlecht ist, etwas leisten zu wollen, im Gegenteil. In der modernen Leistungsgesellschaft wird aber nur allzu gern darauf vergessen, dass wir nicht alles allein stemmen können. Wir sind abhängig – von anderen, den Umständen und Umweltbedingungen.
In unserer optimierten Welt wird es jedoch immer schwieriger, diese Erfahrung zu machen. Outdoor aber ist das möglich: Wer sich auf Aktivitäten im Freien einlässt, für den hält die Natur die eine oder andere Überraschung bereit, aus der man auch etwas über sich selbst lernen kann.

ABHÄNGIGKEIT VON DER NATUR
„Die Natur zeigt mir, dass ich von vielem abhängig und ein Mensch mit bestimmten Eigenschaften und Grenzen bin. Ein Beispiel: Jeder geht anders mit der Temperatur um. Ist mir zu kalt oder zu heiß, vermindert das meine Leistung oder ich gebe auf. Meine Leistung, den Gipfel in einer bestimmten Zeit zu erreichen, hängt also nicht bloß von meiner körperlichen Konstitution ab“, erklärt der Sportwissenschaftler und Sportlehrer Mag. Dr. Klaus Rom vom Institut für Sportwissenschaft der Uni Graz.
Seine Botschaft: Was man im Outdoorbereich leistet oder nicht, muss man immer in Abhängigkeit von der Umgebung sehen. Anders als etwa im Fitnesscenter herrschen draußen nie die gleichen und schon gar keine optimalen Bedingungen. Genau das ist aber keine Erschwernis, sondern ein wichtiger Mehrwert, den Outdoor- Aktivisten erkennen und schätzen sollten.
Gegenwind, unbekanntes Gelände, eine unerwartete Steigung oder ein umgefallener Baum, der den Weg versperrt und dich zwingt, einen Umweg zu nehmen: All das sind Widrigkeiten, die auf den ersten Blick stören. Für Sportwissenschafter Klaus Rom sind sie aber extrem wichtig. „Weil sich der Körper während des Trainings im Freien ständig an die neuen Einflüsse anpassen muss. Und ganz automatisch lernt man so auch, wie man sich seine Ressourcen einteilt.“
Die Natur bietet gerade wegen ihrer Unmittelbarkeit ideale Lernbedingungen: Wer sich auf unbekanntes Terrain begibt, nimmt besonders viel fürs Leben mit. Weiß ich nicht, was auf mich zukommt, muss ich mit meinen Kräften intelligent haushalten, um das Ziel erreichen zu können. Unvorhersehbares birgt die Möglichkeit, zu wachsen, da man sich damit auch der Möglichkeit des Scheiterns aussetzt. Schon Henry Ford wusste, wie wichtig Scheitern für das Vorankommen ist: „Es gibt mehr Leute, die kapitulieren, als solche, die scheitern.“

Kapitulieren oder versagen tut bloß derjenige, der liegen bleibt. „Aus jedem vermeintlichen Trainingsfehler kann man etwas lernen, was sich letztlich positiv auf die eigene Leistungsfähigkeit auswirkt“, zieht Klaus Rom Bilanz. Somit sind gerade jene „groben“ Seiten von Mutter Natur, die vielen oft so gar nicht ins Konzept passen, genau jene Ecken und Kanten, an denen man sich als Sportler reiben sollte, um voranzukommen.

SCHEITERN WILL GELERNT SEIN
Scheitern wird meist negativ gesehen und vom Gefühl der Unzulänglichkeit begleitet. „Wer jedoch nie scheitert, erreicht irgendwann den Punkt, wo er nicht mehr weiter kommt. Sei es beim Sport oder im Leben“, weiß Gerald Payer, Lehrer für Sport und Philosophie und Fachdidaktiker des Instituts für Sportwissenschaft an der Uni Graz. Bei seiner Arbeit mit Schülern und Studierenden setzt er Outdooraktivitäten gezielt ein, um ihnen bewusst zu machen, wozu sie in derLage sind.
„Gerade vor wichtigen Prüfungen wie der Matura hat sich das besonders bewährt“, erklärt Payer. „Beim Spiel in der Natur betreten die Schüler eine Gegenwelt, die ihnen vieles aufzeigt. Nicht direkt, sondern in Form von Metaphern. So können wir uns selbst und Situationen besser verstehen, lernen, Probleme zu lösen – und unser Selbst stärken.“
Wer in der Natur lernt, an ein Problem kreativ und eigenständig heranzugehen, nimmt viel fürs Leben mit. Und er tut sich mitunter leichter, mit positiven wie negativen Lebensveränderungen umzugehen. Der Religionspädagoge und Techniker Ing. Klaus Karpf, der die Österreichische Outdoor-Akademie leitet, nimmt dazu „das Beispiel eines Baumes, der mit einem Maschendrahtzaun verwächst: Er umarmt sein Hindernis, verleibt es sich ein – der Baum wird ein Teil von ihm. Das ist eine sehr gute Metapher, wie man vermeintliche Probleme auch positiv sehen kann.“

WARUM HINAUS INS FREIE?
Kann man sowas nicht auch beim Indoorsport oder einem Seminar lernen? Jein. Die Natur ermöglicht aus verschiedenen Gründen viel intensivere Erfahrungen. Ganz oben auf der Mehrwert-Liste der Experten steht: Es ist eben nicht Alltag! Wie Payer schon sagte, ist die Natur eine Gegenwelt und bietet keine optimierten Bedingungen. Unberührte Natur und Wälder im Besonderen zählen wohl zu den letzten Refugien, wo man sich austoben und ausprobieren darf. Die Unmittelbarkeit der Natur gibt uns die Möglichkeit, uns auf Wandel oder Unangenehmes einzustellen.
Unsere Experten beschreiben sie als „spannendes, reizarmes Umfeld mit hohem Aufforderungscharakter“. Am Beispiel Klettersport: Für die einen ist der Fels ein Spielplatz – unsere „Natur-Versteher“ sehen darin eine Art Lehrer. „Die Natur oder in diesem Fall der Fels greift nicht aktiv in meinen Lernprozess ein, sondern ist einfach da. Aber indem ich ihn auswähle und mich den Aufgaben stelle, erfahre ich mich automatisch selbst“, betont Klaus Rom.
Für Dr. Manfred Hofferer, Begründer der „Outdoorpädagogik“, einem Lern- und Entwicklungskonzept, „ist Natur ein Raum, der sich durch seine Wertfreiheit für pädagodische Arbeiten – wie Teambuilding, Konfliktbearbeitung, Kommunikation oder Führung – anbietet. Durch Outdoorprojekte lassen sich heute nahezu alle Alters- und Zielgruppen ansprechen, an die die Natur ganzheitliche An- und Herausforderungen stellt.“

LERNEN MIT ALLEN SINNEN
„Bei einem Regenschauer“, erklärt Klaus Karpf, „kann man sich zum Beispiel fragen: Wann werde auch ich in meinem Leben ,gegossen‘, also gestärkt? Ich betrachte die Natur als Reflexionsraum. Im Wald stört kein Umgebungslärm, man ist auf sich selbst zurückgeworfen, das Erlebnis wird intensiviert. In dieser reizarmen Umgebung lernen wir wieder über alle unsere Sinne.“ Manche haben damit ein Problem und das Gefühl, der Natur ausgeliefert zu sein, macht vielen sogar Angst. Spinnen, Mäuse, Höhenangst oder schlicht das Fehlen einer Wassertoilette können irritieren oder gar ängstigen. In dieser Emotion steckt jedoch Lernpotenzial, speziell wenn es um Sozialkompetenz geht. „Im Rahmen von outdoorpädagogischen Interventionen lernt man, das Beste daraus zu machen und die Aufgaben gemeinsam zu meistern“, sagt Mag. (FH) Doris Anna Gebhard, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der FH Kärnten. Im Freien seien soziale Akzeptanz und Rückhalt in der Gruppe besonders intensiv erfahrbar, da man Vertrauen und Empathie nicht bloß empfängt, sondern auch gibt.
Damit all diese Lektionen und Erfahrungen jedoch erhalten bleiben, sollten sie stets in den Alltag transferiert und auf diese Weise immer wieder trainiert werden. Oder anders gesagt: Über den nächsten Regenschauer solltet ihr nicht jammern, sondern ihm mit offenen Armen begegnen ...


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