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Auf der sicheren Seite: Das sind die 16 goldenen Regeln des Skibergsteigens / Bild: iStock

Auf der sicheren Seite: Das sind die 16 goldenen Regeln des Skibergsteigens

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Bei all der „Lustmacherei", die unser Skitourenguide 2015/16 beinhaltet, dürfen wir nicht ganz ausblenden, dass Skibergsteigen ein Sport ist, bei dem ein Quantum Risiko immer mit von der Partie sein wird. Daher seid ihr es euch schuldig, dass ihr durch Vernunft, Eigenverantwortung und Wissen um die Gefahren dieses Risiko so klein wie möglich haltet. Es sind 16 goldene Regeln, die euch auf die sichere Seite bringen.

Von Gerhard Polzer


Der Mensch ist Weltmeister im Verdrängen und Vergessen. Ein Beispiel gefällig? Wer weiß noch, dass der vergangene Winter für Skitourensportler eine echte Katastrophe war – schneearm, mit hohen Temperaturen und daher überdurchschnittlich gefährlich? Was sich auch in Zahlen dramatisch darstellt: In der letzten Wintersaison 2014/2015 starben allein in Österreich 26 Menschen auf Skitouren oder beim Freeriden in einer Lawine – um 15 mehr als im Jahr zuvor. In der Schweiz betrauerte man 33 Lawinenopfer und die letzte Schockmeldung gab es noch am 1. April dieses Jahres, als eine Lawine in Frankreich zwei junge Kader-Mitglieder des Alpenvereins in den Tod riss.

Um es auf den Punkt zu bringen: Es ist unsere Verpflichtung, an dieser Stelle auch das Kapitel „Gefahren" aufzuschlagen. Nicht, um irgendjemandem den Spaß zu verderben oder gar vom Sport abzuhalten – aber es ist nun einmal, wie es ist: Skisport im freien Gelände heißt auch, sich mit der Natur und ihren oft unberechenbaren Gewaltausbrüchen einzulassen. Und das ist ein Kraftakt, den der Mensch nie gewinnen kann, sondern in dem man ausschließlich durch Vernunft bestehen muss.

Vernunft heißt in diesem Fall: Jeder, der ins Outback zieht, muss zu hundert Prozent wissen, wie er sich mit der Natur und ihren Gesetzen arrangiert. Und genau dieses Wissen wollen wir euch jetzt vermitteln – in Form von 16 goldenen Regeln. Soll heißen: Wer diese Regeln uneingeschränkt beachtet und einhält, hat allerbeste Chancen, nicht nur gesund und munter von jeder Skitour zurückzukommen, sondern auch das größtmögliche Quantum Spaß dabei erlebt zu haben. Die Bewertung „allerbeste Chancen" birgt eine Einschränkung, die keine Regel der Welt verhindern kann: Jeder, der sich dem Skisport im freien Gelände verschreibt, muss auch wissen, dass es immer ein Restrisiko geben wird. Unsere Aufgabe ist es, dieses Restrisiko so klein wie möglich zu halten!

Video: Skitouren – Tipps vom Österreichischen Alpenverein

REGEL 1: INFORMATIONEN SAMMELN
Wie wird das Wetter, welche Schneelage bzw. Schneemenge ist zu erwarten und vor allem: Wie sieht die Lawinensituation konkret aus? Das sind die ersten und entscheidenden Punkte, die schon einige Tage vor einer Skitour zu recherchieren sind. Dank Internet ist das keine Hexerei. Wichtig noch: Die abgerufenen Daten müssen bis zum Tag der Tour ständig aktualisiert werden.

REGEL 2: TOURENPARTNER SUCHEN
Merke: Man geht nie allein auf Tour. Klar gibt es die Möglichkeit, sich vor Ort anderen anzuschließen – aber wer selbst seine Partner auswählt, über deren sportliche und auch menschliche Qualitäten Bescheid weiß, kann keine unliebsamen Überraschungen erleben.

REGEL 3: GENAUE ROUTE PLANEN
Abgestimmt auf die ausgewählten Teilnehmer, auf deren skifahrerisches Können und ihre körperliche Fitness, wird eine für alle passende Tour ausgewählt. Bei der natürlich der aktuelle Lawinenbericht erster und wichtigster Parameter ist – erst an zweiter Stelle steht die Summe der Wünsche aller Teilnehmer.

REGEL 4: ZEITPLAN AUFSTELLEN
Die Länge der Tour, die Berechnung der Anmarsch- und Aufstiegszeit sowie der kalkulierten Zeit fürs Abfahren plus der Rückmarsch zum Auto: Alles das muss im Vorfeld zusammengezählt werden, um nicht auf der Tour wegen einfallender Dunkelheit oder auch Erschöpfung eines Teilnehmers unter Druck zu geraten.

REGEL 5: MATERIAL CHECKENDer Tourenskischuh sollte schon im Vorfeld der Tour auf Druckstellen untersucht werden. / Bild: iStock
Auch das fällt noch in die Kategorie „Hausaufgabe": Mit dem Erstellen einer Packliste sorgst du nicht nur dafür, dass nichts Wichtiges vergessen wird. Diese Packliste dient zugleich als Checkliste, mit der die einwandfreie Funktionalität aller Materialien abgehakt wird – vom Ski über Bindung, Stöcke, Skischuhe (vor allem auch auf Druckstellen) bis zum Rucksack samt allen benötigten Accessoires. Denn nichts ist lästiger, als beim Abmarsch draufzukommen, dass ein Fell nicht richtig klebt, ein Anorak-Verschluss klemmt oder die Harscheisen vergessen wurden. Wichtig: Den Material-Check nicht erst am Vorabend der Tour machen, denn da kann es für Ersatz oder Reparatur schon zu spät sein. Ebenfalls zum Materialcheck gehört es, sich bereits zu Hause mit den Handgriffen am LVS-Gerät vertraut zu machen.

REGEL 6: DRESSCODE BEACHTEN
Da ist nicht die Farbwahl der Tourenjacke gemeint, sondern die Zusammenstellung der Kleidung. „Funktionell und atmungsaktiv" – was für sommerliche Ausdauersportler gilt, ist auch für Tourengeher ein Muss. Heißt: Von den Socken über die Unterwäsche, Fleecejacke bis zur Hose und Jacke sollte alles aus Funktionsmaterial bestehen. Ebenfalls nicht vergessen beim Dresscode: Aufgestiegen wird mit Mütze oder Stirnband – bei der Abfahrt aber heißt es in jedem Fall: „Helm auf!"

REGEL 7: AUSRÜSTUNG PACKEN
Da Tourensportler Frühstarter sind, wird das Ausrüstungspackage schon am Vorabend zurechtgelegt, nochmals auf seine Vollständigkeit überprüft und, wenn möglich, auch schon großteils im Auto verstaut. Damit ersparst du dir unnötige Hektik in der Früh.

REGEL 8: IN DIE SICHERHEIT INVESTIEREN
LVS-Gerät, Schaufel und Sonde sind sowieso Pflicht für jeden, der auf Tour geht. Aber wer regelmäßig im freien Gelände unterwegs ist, für den ist die Anschaffung eines Lawinen-Airbag-Rucksacks sicher eine gute Investition.

REGEL 9: NACHRICHT HINTERLASSEN
Wenn der letzte Lawinenbericht gecheckt ist und die Tour endgültig feststeht, informierst du deine Familie, Nachbarn oder Freunde über die geplante Route und den ungefähren Zeitpunkt, wann ihr wieder zurück sein wollt. Seid ihr sicher wieder herunten im Tal, beruhigt ein sofortiger Anruf zu Hause ebenfalls.

REGEL 10: NOTRUFNUMMERN SPEICHERN
Im (aufgeladenen) Handy werden auch schon im Vorfeld die wichtigsten Telefonnummern abgespeichert – von Wetterstationen bis zu örtlichen Rettungsdiensten. Die wichtigste ist die Notrufnummer 112, denn sie wählt sich (wichtig: bei nicht entsperrter SIM-Karte!) immer in das stärkste verfügbare Netz ein.

REGEL 11: LVS-GERÄTE GEGENCHECKEN
Am Beginn der Tour sind unbedingt die LVS-Geräte aller Teilnehmer zu prüfen. Und das funktioniert so: Einer in der Gruppe schaltet sein Gerät auf „Senden", die anderen schalten einzeln nacheinander in den Suchmodus, um das Testsignal zu empfangen. Danach stellen alle ihr Gerät auf „Senden" und gehen im 10-m-Abstand am Tester vorbei, der nun im Suchmodus prüft, ob auch alle Geräte senden. Schließlich stellt auch der Tester sein Gerät auf „Senden" – und jetzt kann es endlich losgehen!

REGEL 12: FÜHRUNGSROLLE BESTIMMEN
Das richtige Tempo gehen, das für alle passt; eine gute, kräfteschonende und effektive Spur legen; das Gelände auf Gefahren einschätzen können: Das alles sind Kriterien, die der Tourengeher an der Spitze beherrschen sollte. Ein Tipp dazu: Seid ihr in einem unbekannten Gebiet unterwegs, ist es eine gute Investition, sich einem professionellen Tourenguide anzuvertrauen.

Nicht nur beim Aufsteigen, sondern auch beim Abfahren gelten Sicherheitsregeln, die einzuhalten sind. / Bild: iStockREGEL 13: PAUSEN NUTZEN
Um den vorgegebenen Zeitplan einhalten zu können, sollte man sich in der Gruppe schon vorher auf geplante Pausen einigen. Apropos Pause: Nicht vergessen, rechtzeitig für Energienachschub (z. B. in Form von Kraftriegeln) zu sorgen! Und alle 20 Minuten solltest du Flüssigkeit zu dir nehmen – das geht auch während des Gehens.

REGEL 14: AUGEN OFFEN HALTEN
Die Natur hat zu jeder Zeit Überrraschungen parat. Umso wichtiger ist es, dass sich die Teilnehmer nicht auf den Führer verlassen, sondern selbst auf der Tour ständig die Augen offen haben, das Gelände studieren, Warnzeichen wahrnehmen.

REGEL 15: VERNÜNFTIG ABFAHREN
Ist der Gipfel erreicht, wartet als Belohnung die (Genuss-)Abfahrt im unverspurten Gelände. Aber auch hier gilt es, Regeln einzuhalten – beim unkontrollierten Abfahren passieren die meisten Unfälle. Die Sicherheits-Eckdaten:

  • Einer übernimmt wieder die Führungsrolle und dessen Anweisungen sind strikt zu beachten;
  • es werden immer wieder Sammelpunkte festgelegt;
  • unter 30 Grad Hangneigung kann gemeinsam, aber im Abstand von 30 Metern abgefahren werden;
  • auf steileren Hängen wird einzeln abgefahren – auf Stockzeichen des Führers;
  • bei schlechter Sicht legt der Gruppenführer eine Spur, in der die anderen nachfahren;
  • auf Forstwegen und in Hohlwegen ist wegen möglichen Gegenverkehrs besondere Vorsicht geboten;
  • auch beim Abfahren werden Tempo und Pausen auf die schwächsten Teilnehmer ausgerichtet.


REGEL 16: AUSBILDEN LASSEN
Wie anfangs gesagt: Ein Restrisiko bleibt immer bestehen. Soll heißen: Auch bei Einhaltung aller Regeln kann es zu einem Lawinenabgang und zum Verschüttung von Teilnehmern kommen. Um auch in dieser Stresssituation vernünftig und schnell handeln zu können, bedarf es Erfahrung, Wissen und Übung. Daher unsere letzte „goldene Regel": Kluge und verantwortungsbewusste Tourengeher lassen sich in einem der vielen Skitouren- Sicherheitscamps, die mittlerweile bundesweit angeboten werden, von Profis zeigen, wie man Lawinengefahren erkennt, wie man sich im Ernstfall verhält und vieles mehr. Und dass solche Camps stets auch mit gemeinsamen Tourenerlebnissen verbunden sind, macht den Besuch noch attraktiver.

Du willst dich in der Lawinenkunde ausbilden lassen? Hier geht's zu den Skitouren-Sicherheitscamps!



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