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RAAM 2017: Crew-Mitglied über Christoph Strassers harten Weg zum Sieg

Artikel vom:

Und plötzlich war da ein oranger Strich am Boden. Wir sind nach knapp 5.000 Kilometern durch Amerika im Ziel. Wir jubeln, umarmen uns, denn immerhin hat Christoph Strasser zum vierten Mal das Race Across America gewonnen. WIR haben gewonnen.

Von Georg Michl


Der Rahmen dieses Moments vermag es nicht, dessen Bedeutung zu tragen. Die offizielle Ziellinie des Race Across America ist ein auf die Straße geklebter oranger Strich etwas außerhalb von Annapolis im Bundesstaat Maryland. Neben uns sind drei, vier Offizielle und zwei Schaulustige, die aus dem Auto heraus ihre Anerkennung kundtun.

Es geht dann noch fünf Meilen hinter dem Auto des RAAM-Chefs im Konvoi zum Show-Ziel. Strasser zieht sich um, wir packen die Fahnen aus, fahren durch eine nächtliche Geisterstadt fahnenschwenkend in den Hafen und keine Sau interessiert es. Beim Torbogen warten an die zehn Leute auf uns, ein bisschen Jubel, ein wenig Sektgespritze und das war es, das Grande Finale des härtesten Radrennens der Welt. Angesichts der erbrachten sportlichen Leistung armselig. Aber würden wir uns um 3.20 Uhr zu einem Ziel stellen und warten bis ein wildfremder, kaputter Radfahrer und elf müde Betreuer auftauchen? Eher nicht.

GENERALSTABSMÄSSIGE AUFGABENTEILUNG
Auch, wenn hier die Fahrer die Helden sind, Soloshow ist das RAAM nicht. „Das Team ist gleich wichtig wie meine körperliche und mentale Fitness", erklärt Strasser, „ich kann im Rennen keine Entscheidungen mehr treffen und brauche Leute, denen ich vertrauen kann. Das sind nicht nur Menschen, die eine Flasche halten."

Die Aufgaben sind vom Teamchef bis zum Koch generalstabsmäßig verteilt. Im zwölf Stunden dauernden Zweierradl begleiten ihn drei Mann im Pacecar und sorgen für Verpflegung, Material und Unterhaltung. Zwei lenken und kümmern sich um das Wohnmobil, wo sich die andere Schicht ausruht und Strasser seine Schlafpausen nimmt. Die restlichen drei fahren im Medienauto immer in Strassers Nähe und sind das Back-up für das Pacecar. Bilder, Videos, Radioaufnahmen, Geschichten und Facebook-Postings werden während der Fahrt produziert und versendet.

Die Medienpräsenz ist im Profisport ein Teil des Geschäfts und das war ein Teil meiner Aufgaben. Als Hobbyschrauber wurde mir gemeinsam mit dem „Praktikanten" zusätzlich noch die Mechaniker-Ehre zu teil. Vom Tauschen der Schläuche über das Wechseln der Lichter und Radcomputer, das Einstellen von Schaltungen, dem Justieren der Scheibenbremsen bis hin zum nächtlichen Wechsel des Vorbaus auf einem Highway und dem Reinigen der drei Velos gab es hier einiges zu erledigen.
  

RACE ACROSS AMERICA (RAAM)

Das „World's Toughest Bicycle Race" führt jährlich über rund 4.800 Kilometer und 52.000 Höhenmeter von der Westküste zur Ostküste der USA. Rekordsieger (5 x) ist der Slowene Jure Robic. Österreichs bester Extremradsportler Christoph Strasser hält jetzt bei vier Siegen.

Web: www.raceacrossamerica.org

  
ANSCHREIEN? KOFFEINGETRÄNK REICHEN?
Abgesehen von der medialen Wichtigkeit zählen Interviews und Gespräche mit der Mediencrew zum Unterhaltungsprogramm, das Strasser munter und bei Laune hält. Gesprochen wird über alles, wirklich alles, denn es ist enorm wichtig, den Hauptdarsteller auf den 4.800 Kilometern mental zu beschäftigen und ihn wach zu halten. Über Lautsprecher auf dem Autodach wird er beschallt, er selbst ist über ein Headset zu hören. Musik, Kabarettstücke oder Sprachnachrichten von Freunden und Bekannten pushen in schwierigen Momenten enorm.

Selbst ein Mann, der mit seinen Vorträgen Tausende Menschen motiviert und antreibt, braucht gelegentlich Motivation. Und da ist Fingerspitzengefühl gefragt. Braucht er einen Powernap? Reicht ein Anschreien, ein eiskalter Wasserstrahl im Gesicht oder ein koffeinhaltiges Getränk? Schlafmangel alleine reicht schon, um Menschen dünnhäutig werden zu lassen und in diesem Fall kommt die körperliche Belastung dazu. Am Ende wäre Strasser selber der, der sich über zusätzliche Pausen am meisten aufregen würde, denn es geht nicht nur um die Platzierung. „Es ist das geilste Rennen der Welt und da hat man die Pflicht, seine beste Leistung abzuliefern", sagt er immer wieder.

STÄNDIGER KAMPF MIT DER MÜDIGKEIT
Wir Betreuer schlafen, wann und wo es sich ausgeht. Die Pacecar-Crews im Wohnmobil, die Medienleute meist im Auto und das nur stundenweise. Nach spätestens zwei, drei Tagen ist es ein ständiger Kampf mit der Müdigkeit. Man schläft, wenn es geht. Den angepassten Earwear-Gehörschutz rein und Augen zu. Vor allem die Neulinge vergessen in den ersten Tagen aber vor lauter Aufregung, sich auszurasten und so kann es sein, dass dann auf einmal der Stecker draußen ist. Landschaftliche Höhepunkte, wie das Monument Valley, die Pässe in den Rocky Mountains, der Half-Way-Point oder die Brücke über den Mississippi sind unvergessen – andere bleiben angesichts der permanenten Müdigkeit nicht lange im Kopf. Oft wissen wir nicht einmal genau, in welchem Bundesstaat wir gerade sind, von Ortsnamen gar nicht erst zu reden.

Eine der wenigen Konstanten auf dem Weg nach Osten ist der Walmart. Es gibt dort wirklich alles zu kaufen, das WLAN ist gratis und reicht für Videoanrufe zu Hause und selbst nach vier Tagen ohne Dusche und mit schmutziger Kleidung fällt man dort nicht wirklich auf. Duschen sind Mangelware und so bleibt meist nur der Griff zu Deo und Feuchttuch.

Eine Erfrischung haben wir uns nach dem Rennen alle redlich verdient, wobei die meisten relativ schnell ins Bett gehüpft sind. Eine Wohltat nach den Nächten hinter dem Steuer, auf der Bank im schwankenden Wohnmobil oder auf dem Beifahrersitz am Straßenrand. Es sollte nach unserer Ankunft noch ein, zwei Tage dauern, bis das Gesehene, das Gespürte, das Erlebte und das Erreichte auch in uns richtig ankommt. Doch dann kommt es wie ein Vorschlaghammer. Baam und die Tränen kullern über die Wangen.

Georg Michl / Bild: Manuel Hausdorfer / limeART

Georg Michl
Der Sportredakteur der Kleinen Zeitung in Graz begleitete im Juni als Crew-Mitglied und Helfer Christoph Strasser auf dem Weg zum vierten Sieg beim Race Across America. Strasser ­gewann mit einer Zeit von 8 Tagen, 9 Stunden, 34 Minuten mit Rekordvorsprung.



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