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14 km/h ist ja nix!

Artikel vom:

30. 12. 2012. Bauernsilvesterlauf im schönen Mürzzuschlag. Was dem Weltbürger der New York Marathon, ist dem laufbegeisterten Steirer der 1,5 km lange Rundkurs durch die Mürzstadt. Viermal werden wir ihn bewältigen müssen. Aber noch ist viel Zeit, wir sind als vorsichtige Menschen mehr als frühzeitig angereist. Also geht es nach der Startnummernabholung in die Konditorei am Stadtplatz. Ein Kaffee darf schon sein und die Krapfen schauen auch herrlich aus. Soviel zum Thema professionelle Vorbereitung.
Also irgendetwas hab ich im Vorfeld mit meinem Magen angestellt. Aber egal -nach den Trainingsläufen (meistens mit dem Wolf) waren die Schmerzen verschwunden. Ein gutes Zeichen! Interessanterweise war ich schon öfter in Zuschlag, da es so schön zwischen Graz und Wien liegt und sich für künstlerische Treffen eignet. Guter Boden also für Bauernsilvester. Warum der 30. Dezember eigentlich so heißt? Weil die Bauern, so die Legende, von ihren Herren selbst am 31. zur Arbeit herangezogen wurden, gab man ihnen netterweise den 30. frei, um auch ein bisserl feiern zu können. Na ja, zum Feiern kamen wir aber nicht nach Zuschlag. Sonst hätt' der Wolf nicht verschiedenste Laufgarnituren mit ...
Am Start kriege ich die Krise. Die anderen 39 Teilnehmer sehen verdammt gut trainiert aus, die jungen Burschen genauso wie die älteren Damen oder der Läufer mit Beinprothese. Der Wanko und ich werden uns sicherlich um die letzten Plätze rangeln. Punkt 15 Uhr 30 das Signal. Die ersten 50 Meter halte ich noch mit, dann muss ich die Spitzengruppe ziehen lassen. Meine größte Befürchtung ist, dass ich die Orientierung verliere. Zwar stehen einige Streckenposten da, aber wie und wo es genau um die Kurve geht, ist mir schleierhaft.
Der Wolf ist vor dem Start voll kompliziert. Anstatt, dass wir in der Konditorei sitzen bleiben, muss er gleich mehrmals raus, um im Auto sein Gewand zu wechseln. Anstrengend wie eine Wölfin! Ansonsten ist es kalt und irgendwie glitschig. Fußballfanmäßige Schmähgesänge gegen die Provinzläufer lassen wir lieber sein, denn die Wadln von den Buama und Mentscha sind recht durchtrainiert. Hilft nix, auf geht's! Und schon läuft mir der Wolf davon, er muss die Grazer Ehre retten und ein bisserl sein Selbstwertgefühl aufpäppeln. Glaub ich halt. Erster Eindruck: Hier lauft keine Sau zum Spaß! Das ist nicht so wie im lockeren Graz - jetzt sind wir in den rauen Bergen!

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Auf den ersten beiden Runden glaube ich abwechselnd, kotzen oder sterben zu müssen. Der flaumige Krapfen könnte daran eventuell nicht ganz unschuldig sein. Auch mein Anfangstempo ist einfach zu hoch gewesen. Jetzt kämpfe ich darum, mit der drittplatzierten Dame mithalten zu können. ­Lissi heißt sie und zwischendurch haben wir sogar Puste, um uns kurz zu unterhalten. „Was ist dein Ziel für heute?", fragt sie. „Überleben!", ächze ich zurück. Schon wieder geht es den Hügel hinauf. Oben steht ein Polizist an der Wende und scheint sich über unsere Qualen zu amüsieren.
Ausnahmsweise komme ich auch mit den schroffen Bergen in der Umgebung zurecht. Für Thomas Bernhard wäre das eine Parade-Selbstmord-Gegend gewesen, dunkler Nadelwald und so, also durchaus für einen seiner ersteren Romane geeignet. Noch dazu ist keine Sau weit und breit, ich lauf ganz allein. Fast hätte ich mich verirrt, bleiben nur noch die großen Fragen: Werde ich Letzter? Das ist bei 41 Läufern absolut drin. Und überrundet mich der Wolf? Leck fett, nach zwei Runden bin ich die rote Laterne los. Hinter mir drei Läufer! Die heilige Dreifaltigkeit der Nachzügler. Einer Läuferin deute ich, Tempo zuzulegen, lasse das aber gleich wieder sein, man weiß ja nie ... Jetzt muss ich nur noch den Wolf irgendwie hinter mir lassen!
Nachdem das Überleben gesichert scheint, nehme ich mir vor, mich nicht überrunden zu lassen. Doch schon ertönt es hinter mir „Patsch, Patsch, Patsch" und die Topläufer sprinten vorbei. Na gut, Rache! Ich werde dafür meinerseits den Wanko überrunden. Da vorne läuft er ja bergab in Richtung Stadtplatz. Komm, Lissi, wir geben Gas. Aber es geht sich nicht mehr aus, der Wanko entkommt, ich stolpere nach 26 Minuten und 2 Sekunden durchs Ziel. Jetzt bin ich zwar Vierter (von sieben) in meiner Altersklasse geworden, aber wie soll ich morgen die 10 Kilometer in Graz laufen? Das wird arge Spatzen geben. Dummer alter Wolf.

Der Wolf steht locker im Ziel, er muss ab nun auf sich aufpassen und sich schonen, sonst landet er noch als Bettvorleger bei den Herbersteins. Der Moderator ruft meinen Namen - find ich niedlich. Der Wolf aber enttäuscht mich: Er hat dem Sprecher meinen Namen drei Mal geflüstert, seinen hat er nämlich falsch ausgesprochen. Ich nicke der Läuferin zu, die knapp nach mir ins Ziel kommt und gebe mir eine Runde Kuchen und Tee. Kein Alk, wir sind ja Autofahrer. Sehr schade, ein paar Schnaps wären da schon o.k. gewesen. Heute war es super, nette Menschen, Organisation o. k., und der Wolf ist sagenhafte 14 km/h gelaufen. Wir steigen ins Auto. Der Wolf zieht seine acht Hüllen aus. Der Wanko tritt voll aufs Gas. 14 km/h ist ja nix. Wir reden jetzt einmal kein Wort und das ist gut so.

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