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Simom Eder ueber Limits

Simon Eder: "Der Kopf entscheidet"

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Kaum einer drückt schneller ab als "Lucky Luke". Bei einem Puls von 177 Schlägen in der Minute fühlt er sich innerlich ruhig. Wenn er dann sein Gewehr anlegt, gibt es für ihn nur noch Schwarz und Weiß. Simon Eder zählt zu den besten Biathleten der Welt. Weil er ein mutiger Schütze ist. Und weil er es liebt, tagtäglich an sein Limit zu gehen.

Toptimes: Simon, du läufst auf den ersten Schießstand zu. Dein Herz rast. Nun musst du von körperlicher Anstrengung auf totale Regungslosigkeit umschalten. Wie funktioniert das?

Simon Eder: Ich nehme etwa 150 Meter vor dem Schießstand das Tempo raus. Mein Puls liegt bei maximal 195 Schlägen in der Minute, nun muss er abfallen. Steht man beim Schießen vom Laufen noch so unter Strom, dass der Puls weiter steigt, wird es schwer. Nach Möglichkeit komme ich mit einem Puls von 180 am Schießstand an, ab 177 Schlägen fühle ich mich innerlich ruhig und beginne zu schießen.

Du hast das Gewehr im Anschlag und zielst. Kannst du uns die Spannung vor dem ersten Schuss beschreiben?

Es ist der wichtigste Moment im ganzen Rennen. Wenn der erste Schuss sitzt, findet man leicht seinen Rhythmus und kann die folgenden vier Schüsse leichter ins Ziel bringen.

Und wenn’s danebengeht?

Dann steht man bereits mit dem Rücken zur Wand. Bei einer sehr guten Laufzeit kann man sich vielleicht einen Fehlschuss erlauben – aber auf keinen Fall mehr.

Wie erlebst du diese Phase der absoluten Konzentration?

Sie wird zum Automatismus, in dieser Situation denke ich nicht. Es gibt nur noch Schwarz und Weiß. Wenn die Scheibe in meinem Visier ist, muss sie einen gleichmäßigen weißen Rand haben. Dann ist das Ziel optimal fixiert. Sobald ich diesen Zustand erreicht habe, müssen augenblicklich die Schüsse folgen.

Also ausreichend zielen und trotzdem nicht zögern?

Richtig, auf keinen Fall zögern. Drückt man auch nur ein Hundertstel zu spät ab, landet der Schuss im Nirgendwo. Die Belastung ist hoch, man ist total erschöpft und mental am Limit. Trotzdem muss die Verbindung zwischen Hirn und Finger perfekt funktionieren. Wenn ich ins Schwarze sehe, kommt der Schuss. Die Zeit, noch einmal zurückzuziehen, nehme ich mir nicht.

Man nennt dich auch den "Lucky Luke“ des Biathlon. Warum drückst du so blitzschnell und entschlossen ab?

Ich will immer das Maximum rausholen. Früher habe ich langsamer geschossen, die Trefferquote war gut, also konnte ich daran arbeiten, schneller zu werden. Unter Druck mache ich zwar noch zu viele Fehler, aber im Training habe ich eine Trefferquote von mehr als 90 Prozent. Das bestätigt mir, dass meine schnellen Serien grundsätzlich die richtige Entscheidung sind. Mich reizt das Limit – und zwar nicht nur beim Laufen, sondern auch beim Schießen.

Ist das schnelle Schießen nicht zu riskant?

Ich erinnere mich an die Weltmeisterschaft in Antholz 2007. Unsere Staffel lag auf dem fünften oder sechsten Platz. Bei einer WM zählen aber nur die Medaillen, wir hatten also nichts zu verlieren. Ich kam zum Schießen im Liegen und dachte mir: Jetzt haust du die Dinger einfach mal raus! Ich war voll konzentriert und am Ende war es ein feiner Nuller. In diesem Wettkampf habe ich gemerkt, dass das Schnellschießen gar nicht so riskant ist. Es ist eine Frage der Technik, des Muts und des Könnens.

Wie unterdrückt man den Ärger über einen Fehlschuss?

Früher habe ich mich sehr über Fehler geärgert. Das hat die Trefferquote natürlich nicht verbessert. Deshalb habe ich gelernt, Fehler zu akzeptieren. Manchmal wollte ich es aufs Material schieben, aber letztendlich ist immer der Kopf entscheidend. Und genau das muss man erkennen. Einen Fehler abhaken zu können, ist eine der wichtigsten Fähigkeiten im Biathlon.

Trotzdem muss man nach einem Fehler in die Strafrunde. Ist das nicht frustrierend?

Kommt drauf an, es gibt verschiedene Strafrunden. Wenn man in eine Strafrunde muss und sieht, wie die anderen gerade loslaufen, um sich die Medaillen abzuholen, ist das doppelt bitter. Aber es gibt auch Rennen, in denen man sich so gut fühlt, dass man sich zutraut, den Rückstand trotzdem noch wettzumachen. Dann nimmt man in der Strafrunde Anlauf und denkt sich: Jetzt erst recht!

Nach dem Gewinn der Juniorenweltmeisterschaft bist du eine Zeit lang auf der Stelle getreten. War das so eine Art Strafrunde in deiner Karriere?

Ich wollte damals zu schnell den Aufstieg schaffen, unbedingt bei Olympia 2006 in Turin dabei sein. Aber mein Körper war ausgebrannt und hat gestreikt, ich war dauernd müde und überhaupt nicht mehr in der Lage, Fortschritte zu erzielen.

Hast du an ein Ende deiner Karriere gedacht?

Im Gegenteil! Ich wusste immer, dass ich meine Karriere nur beenden kann, wenn ich im Vollbesitz meiner Kräfte bin. Also habe ich es ausgesessen.

Und deine Lehren daraus gezogen?

Ich habe gemerkt, dass ich so schwach war, weil ich zu verbissen trainiert hatte. Heute trainiere ich gelassener und gehe mehr auf mein Körpergefühl ein. Natürlich versuche ich, so viel zu trainieren wie möglich, aber man darf nur ans Limit gehen und niemals darüber. Ich kann nicht generell sagen, dass ich 800 oder 900 Stunden im Jahr trainieren muss. Es ist ein schmaler Grat – und manchmal bringt es einem mehr, sich einfach mal ein paar Tage auf die Couch zu setzen.

Im letzten Rennen der Saison 2008/2009 hast du deinen ersten Weltcup-Sieg gefeiert. Was hat sich seitdem verändert?

Ich habe erleichtert festgestellt, dass ich ein Siegläufer bin. Das ist wichtig, denn im Sport zählen nur die Siege. Nach einem Sieg kann man sich absolut sicher sein, dass man alles richtig gemacht hat. Man muss nicht analysieren, wo die Defizite liegen, sondern kann bis zum nächsten Rennen einfach einmal durchatmen und sich darüber freuen, dass man an diesem Tag der Beste war ...

Für den Sieg geht ihr regelmäßig an eure Grenzen. Man sieht die Läufer mit einem letzten Ausfallschritt ins Ziel stürzen und dann regelrecht zusammenbrechen.

In einem Biathlonrennen läuft man die erste und die zweite Runde mit 98 Prozent – die letzte dann mit Vollgas. Gerade so, dass man es bis ins Ziel schafft. Man vermeidet bloß, auf den Rücken zu fallen, schließlich will man seine wertvolle Sportwaffe nicht beschädigen. Dann ist man nur noch mit Luftschnappen beschäftigt und hofft, dass der Schmerz endlich nachlässt.

Klingt unangenehm. Warum macht man es trotzdem immer wieder?

Es ist schon eine Quälerei. Auf der Strecke denke ich mir häufig: Das ist heute endgültig das letzte Mal! Aber im Ziel kommt die Lust auf das nächste Rennen schon nach wenigen Minuten wieder. Es ist einfach ein wunderbarer Sport. Trotz Erschöpfung muss man beim Schießen seine mentale Stärke finden. Da lernt man wirklich alle Facetten seines eigenen Körpers kennen.

Ihr spurtet auf schmalen Brettern durch die Loipe und könnt gut davon leben. Die alpinen Skirennfahrer rasen auf etwas breiteren Brettern eine Piste runter und werden reihenweise zu Millionären. Bist du neidisch?

Überhaupt nicht. So ist das Leben. Es wird immer einen geben, der mehr verdient; es wird immer einen geben, dem es besser geht. Aber es gibt auch viele, denen es schlechter geht – und genau das sollte man bedenken. Ich bin mit meinem Sport sehr zufrieden. Die österreichischen Skifahrer sind seit 30 Jahren an der Spitze und haben sich das Medieninteresse deshalb auch verdient. Ich denke, wir sollten weiter hart an unserem Erfolg arbeiten, dann kommt der Rest von selbst.

Und wie lange willst du noch an dir arbeiten?

Wenn es körperlich funktioniert, will ich noch zehn Jahre laufen. Dann kommt ein Einschnitt, weil man als Sportler irgendwann seine Karriere beenden muss. Und für die Zeit danach hoffe ich, dass ich wieder etwas finden werde, was mich genauso reizt wie der Biathlon ...

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