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Pose Running: In der Schule des Doktor Romanov / Bild: Thomas Polzer

Pose Running: In der Schule des Doktor Romanov

Artikel vom:

Wäre schön, wenn dich beim Laufen ständig jemand kraftvoll nach vorn zieht? Na, dann lass doch einfach die Schwerkraft wirken! Pose Running heißt die Lauftechnik, die für sich in Anspruch nimmt, die Gravitation perfekt auszunutzen. Wir haben es ausprobiert – unter persönlicher Anleitung des charismatischen Pose-Erfinders Dr. Nicholas Romanov!


Kein Zufall, dass mein Erstkontakt mit der Pose-Methode über den Sportschuhhersteller Merrell zustande kam. Schließlich gehört die US-Marke zu den Pionieren des „Barefoot“- bzw. „Natural Running“-Trends – also des Laufens mit minimalistischen, dünnen, flexiblen und ungedämpften Schuhen. Und wenn man Merrell glaubt, dann ist Pose Running die perfekte Art, mit diesen Schuhen zu laufen.
Wobei: Die Schuhe sind jung, die Pose-Methode jedoch gibt es seit 35 Jahren. 1977 entwickelte der russische Sportwissenschafter Dr. Nicholas Romanov diesen Laufstil, der (nach Eigendefinition) die Schwerkraft in Perfektion ausnutzt. Was aber wirklich bemerkenswert ist: All die Argumente gegen dick gedämpfte Schuhe mit großer Sprengung (also Fersenerhöhung), die heute praktisch die komplette Laufschuhindustrie ins Treffen führt, predigten Pose-Runner schon seit jeher: Keine Sprengung, keine Dämpfungselemente – und das Landen auf der Ferse als Grundübel aller Läuferverletzungen. Aber Dr. Romanov sagt auch klar: „Nicht die Schuhe sind entscheidend, sondern die richtige Lauftechnik. Schließlich macht auch ein Ferrari noch keinen guten Autofahrer.“ Vor allem lässt die Kernbotschaft des Laufgurus aufhorchen: „Es ist ein großer Irrtum, dass jeder laufen kann, ohne die dazu nötige Technik erlernt zu haben.“

DAS LAUFEN NEU ERLERNEN
Genau für diesen Fall hat Laufdoktor Nicholas Romanov (und zwar wie gesagt schon seit 1977) die Lösung parat, scheut sich jedenfalls nicht, die folgenden Versprechen abzugeben:

  1. Wer sich auf Pose Running einlässt, kann – unabhängig von seiner Ausdauerleistung – seine Laufzeiten deutlich verbessern.
  2. Man lernt durch Pose Running leichtfüßig und rund zu laufen, stampft keine Energie in den Boden noch vergeudet man sie sonstwie.
  3. Durch Pose Running lassen sich Verletzungsgefahren wesentlich verringern.

Hört sich alles gut an. Einzige Bedingung – in Wahrheit aber zugleich eine große Herausforderung: Man müsse dazu „nur“ das Laufen völlig neu erlernen. So wie jede technische Sportart, wie das Skifahren oder das Schwimmen, zu Beginn zu erlernen ist.

Zugegeben eine hohe Hürde – aber ich muss auch gestehen, dass ich den Argumenten, die der deutsche Pose-Trainer Wieland Heiser beim eingangs erwähnten Journalistenevent von Merrell vorbrachte, schon einiges abgewinnen konnte. Zum Beispiel: Ja, es tut verdammt weh, auf hartem Untergrund mit der Ferse voran zu landen. Deswegen tut es auch niemand beim Barfußlaufen. Und der Mensch läuft definitiv schon länger (ein paar Tausend Jahre), als er in dick gepolsterten Schuhen „joggt“. Dieser „Joggingstil“, eigentlich eine Mischform zwischen Gehen und Laufen, entstand vor rund 40 Jahren ja überhaupt erst durch die gedämpften Laufschuhe ...
Außerdem muss man nicht erst die Statistiken bemühen, um sich die Gefahr durch Verletzungen und Abnützungen beim Laufen vor Augen zu halten – und das allen Polsterungen unter der Laufschuhsohle zum Trotz.
Was mir beim Test natürlich auch gefiel, war das Versprechen: „Eine Stunde Arbeit mit einem Pose-Trainer – und man läuft fühlbar völlig anders.“ Die Kunst sei es allerdings, das Ganze wirklich zu verinnerlichen, und nicht danach in den alten Trott zurückzufallen.

TRAINING MIT DEM LAUFDOKTOR
Ich nahm mir also nach diesem ersten Flirt vor, Pose Running noch näher auf den Grund zu gehen, und kontaktierte dazu den österreichischen Pose-Coach Andreas Nöhmayr. Was ich da noch nicht wusste: Andi verschaffte SPORTaktiv eine Privateinheit mit Dr. Nicholas Romanov, dem Erfinder der Pose-Methode, höchstpersönlich. Der mittlerweile längst im sonnigen Florida ansässige russischstämmige Coach nahm sich im Rahmen einer Europatour in Wien für uns Zeit.
Dr. Nicholas Romanovs Lebenslauf ist durchaus nicht von schlechten Eltern. Er betreute unter anderem Nationalteams der USA, Russlands, Großbritanniens und Mexikos, lehrte an Universitäten rund um den Globus, auch die britischen Triathleten coachte er zweimal bei Olympia.
Für die immer größer werdende Schar an Pose-„Jüngern“ jedenfalls (die seinen Namen voller Respekt und mit Betonung auf „Doktor“ aussprechen) ist Dr. Romanov schlichtweg genial – als der Mann, „der als einziger weltweit den perfekten und kraftsparendsten Laufstil entschlüsselt hat“. Ein Laufstil eben, den ansonsten nur wenige Ausnahmetalente wie Usain Bolt oder die afrikanischen Marathonläufer von Natur aus pflegen.
Und obwohl natürlich auch ich weiß, dass man nicht gleich alles zu hundert Prozent für bare Münzen nehmen soll (man kennt ja US-typische Zuspitzungen) – als reiner Hobbyläufer darf man dann durchaus ein bisserl nervös sein, wenn so ein Kapazunder völlig unerwartet zum Personal Coaching bittet.

180 SCHRITTE PRO MINUTE
Umso überraschender: Dr. Romanov erweist sich bei meiner privaten Trainerstunde als äußerst freundlicher, humorvoller und geduldiger Coach. Erste Übung? Ich soll neben Pose Trainer Andreas Nöhmayr herlaufen – und genau hinhören: Bei mir macht es unter den Sohlen laut „Platsch, Platsch, Platsch“; bei Andi leise „Tock, Tock, Tock“. 
Dann geht es gleich zu den Grundelementen des Pose-Laufstils – „Pose“, „Fall“ und „Pull“ (Eine ausführliche Beschreibung der Technik findest du hier). Ich soll auf kurze Schritte und hohe Frequenz achten, und laufe wieder los. Nur 30, 40 Meter und retour. Dr. Romanov sieht mir zu, sagt mir, was ich falsch mache, gibt mir einen Tipp nach dem anderen mit auf den Weg; oder er läuft mit mir mit und gibt mir die gewünschte hohe Schrittfrequenz von 180 Schritten pro Minuten vor. „Das ist schon viel besser. Du bist ein guter Schüler“, höre ich mehrmals.
Fast nach jedem Durchgang fragt mich der Coach, was ich denke und fühle: „Geht recht gut“ – auch wenn ich nicht weiß, wie lange ich diesen neuen Laufstil durchhalte. Ein vielleicht 30-jähriger Jogger läuft vorbei, und Dr. Romanov schüttelt traurig den Kopf: „Ein alter Mann“, sagt er und imitiert den aufrechten Joggingstil mit langen Schritten, die mir plötzlich zeitlupenartig vorkommen. Was auffällt: Pose Running erinnert an den Laufstil von Kindern in einem Alter, in dem sie noch lieber rennen als gehen. „Stimmt“, lächelt der Doktor. Warum man diesen Laufstil verliere und im Erwachsenenalter neu erlernen müsse, will ich wissen: „Kinder sind neugierig auf die Welt. Erwachsene fürchten sich – und das schaut dann so aus“, sagt Dr. Romanov, lehnt sich zurück und läuft ein paar holpernde Schritte.

VON DER SCHWERKRAFT GEZOGEN
Ein letztes Mal schickt mich der Pose-Erfinder auf die Laufrunde, und während ich mich auf meine Füße konzentriere, wird „Dr. Romanov“ von einem Radfahrer erkannt und begeistert gefeiert. Klar: Am Ende spüre ich, dass ich wirklich deutlich anders laufen, mich von der Schwerkraft ziehen und fallen lassen kann, auch wenn noch viel Arbeit wartet.
Jetzt im Herbst ist ja grundsätzlich die ideale Zeit, in Ruhe am Laufstil zu arbeiten. Auch muss man der Muskulatur Zeit geben, sich an neue Belastungsformen zu gewöhnen. Ob ich Pose Running weiterempfehlen kann? Eine Beurteilung möchte ich lieber jedem selbst überlassen. Gewiss lassen sich Einwände dagegen finden, und wer aufs Lauf-ABC schwört, wird mit manchen Pose-Überzeugungen eher auf Kriegsfuß stehen. Was aber auch klar ist: Der beste Einstieg ist mit Pose-Running-Coach; sich Wissen anzulesen und es nachzumachen, mag im Einzelfall funktionieren – oder auch nicht. Und: „Ein bisschen Pose geht nicht. Ganz oder gar nicht“, ist eine Devise der Pose-Gemeinde. Ich persönlich werde jedenfalls versuchen, nach meinem Erlebnis mit dem charismatischen Dr. Romanov, ganz am Pose Running dranzubleiben.


Andreas Nöhmayr und Dr. Nicholas RomanovDIE EXPERTEN
Dr. Nicholas Romanov (re.) entwickelte die Pose-Methode, arbeitet seit 35 Jahren mit Spitzen- und Hobbysportlern. Zweifacher Olympiacoach (mit dem britischen Triathlonteam 2000 und 2004), Betreuer von Nationalteams Russlands, der USA und Mexikos. Der gebürtige Russe lebt in Florida.
Andreas Nöhmayr (li.) ist Initiator der Pose-Methode in Österreich und seit 1999 Trainer, betreibt „Masterrunning“ in Wien.

Weitere Infos findest du auf www.masterrunning.at und www.posetech.com


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