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Mountainbiketour durch die italienischen Alpen: Giro del Monte Viso

Artikel vom:

Giro del Monte Viso. Was hier irgendwie nach italienischer Straßenrundfahrt klingt, hat mit gebogenen Lenkern und Asphaltschlitzern auf den Felgen so gar nichts zu tun. Hier geht es ums Mountainbiken; und das auf die harte Tour!


Lukas Stöckli? www.im-prinzip-fahrbar.ch? Gipfelstürmer der Alpen? Noch nie gehört?
Wer mit diesen Begrifflichkeiten nichts anfangen kann, ist wahrscheinlich noch nicht wirklich in die unergründlichen Tiefen von Singletrail-Rausch und Steilrampen-Wahnsinn eingedrungen. Lukas Stöckli ist ein aufrechter Schweizer. Groß und mächtig als Biker, klein und wendig von Statur. Nachdem es Luki nach seinen Versuchen im MTB-Weltcup als Kirchenmaler (in Österreich sagt man dazu Restaurator) zu fad geworden war, ging er mit schweizerischer Akribie an die Verwirklichung der ultimativen Alpencross-Tour. Nicht wie die Deutschen am schnellsten Weg quer drüber, sondern auf den schönsten Trails längs der Alpen von Wien nach Nizza!
92.989 Höhenmeter und 2.882 km standen nach 22 Tagen am Tacho, 4.200hm und 130km durchschnittlich am Tag! Diese Wien-Nizza Tour im Jahr 2005 war für Lukas Stöckli das Erweckungserlebnis für seinen zweiten Bildungsweg als Bike-Guide. Er hatte sozusagen im Schnelldurchlauf den ganzen Alpenbogen und nebenbei den Autor dieser Zeilen als Streckenberater von Wien bis in die Dolomiten kennengelernt. Hier schließt sich nach der langen Rede dieser Einleitung der kurze Sinn des Kreises um den Monte Viso.

MIT DEM BESTEN DER BESTEN AUF DEN BESTEN TRAILS
Nach dem Wien-Nizza Projekt, das in der Bikeszene gehörig für Auf- sehen sorgte, begann Lukas Stöckli den Alpenbogen mit Trailridercamps für versierte Tourenfahrer aufzuarbeiten. Die Cottischen Alpen im Piemont mit ihren verlassenen Tälern, alten Handels- und Militärwegen und der unvergleichlichen Landschaft standen dabei ganz oben auf der Tagesordnung. Der Kontakt nach Graz/Stattegg riss dabei nie ab. 2006 krönte er sich bei einer kurzen Rückkehr auf die Rennstrecke beim Grazer Bike-Marathon Stattegg mit 10 Minuten Vorsprung zum schnellsten Marathon Masters Europameister aller Zeiten!

Das Trainerteam des EM-Veranstalters Bikeclub GIANT Stattegg begibt sich nun im Zweijahresrhythmus in Obhut des mittlerweile zur Legende gereiften Bike-Gurus aus der Schweiz. Das bringt uns nun endgültig zu einer der härtesten Biketour der Alpen, den Giro del Monte Viso, die Umrundung des höchsten Berges der Cottischen Alpen.

MONTE VISO, 3.841 M SEEHÖHE 
Der Monte Viso ist der mit Abstand höchste der südlichen Alpengipfel und liegt auf italienischem Boden ganz nahe der Grenze zu Frankreich südwestlich von Turin. In sprachlich jugendlichem Leichtsinn könnte man sagen: Des Steinbröckerl steht ganz schön in der Gegend herum! Ist der Monte Viso doch um mindestens 500 Höhenmeter höher als alle umliegenden Berge. Wobei „liegend“ auch im Wortsinn richtig ist. Betrachtet man diesen majestätischen Berg aus den Ebenen des Piemonts scheint er als einziger zu stehen, während alle Berge rundherum zu seinen Füßen liegen.
Aus den fruchtbaren Ebenen des Piemonts mit um die 300m Seehöhe könnte man jetzt vor seinem geistigen Auge eine Biketour mit 3.500 Höhenmetern Aufwärtsbewegung in einem Zug konstruieren. Das wird aber leider oder besser gesagt Gott sei Dank nicht so gespielt! Die höchsten und gleichzeitig am nächsten zum Gipfel gelegenen Punkte, die mit dem Bike sinnvoll erreichbar sind, heißen Passo della Losetta (2.872m) und Passo di Vallanta (2.811m) und liegen an der Grenze zu Frankreich im Nordwesten des Monte Viso. Die weiteren 1.000hm bis zum Gipfel bleiben Bergsteigern und Kletterern vorbehalten. Ein Detail am Rande: Die für Norditalien nicht unbedeutende Flusspersönlichkeit namens Po entspringt direkt im Massiv des Monte Viso.

IM PRINZIP FAHRBAR 
... ist für Lukas Stöckli fast alles! Bergab (no na!), aber auch bergauf ist die Suche nach Singletrails seine fast schon religiös anmutende Passion. Geringes Körpergewicht, gepaart mit hart antrainierten Kraftfähigkeiten und großartiger Fahrtechnik ergeben Tourenplanungen an der Grenze des Machbaren. Mit dem befreundeten Stattegger Trainerteam wird dann alles verwirklicht, was seinen Normalkunden nicht zumutbar wäre. Im Prinzip fahrbar halt, im Detail aber physisch und psychisch eine exorbitante Herausforderung.

DER TAG BEGINNT FRÜH!
Dieser Satz weist auf das oberste Prinzip bei der Bewegung im Hochgebirge hin. Früh aufbrechen, Reserven einplanen und mit einem Plan B kalkulieren. Die Täler der Cottischen Alpen sind mit 2 Einwohnern pro km2 eines der am dünnsten besiedelten Gebiete Europas. Über Jahrhunderte war die Gegend immer wieder von Abwanderungswellen betroffen. Meist konnte die karge Landschaft die Bevölkerung nicht mehr ernähren, obwohl bis in höchste Tallagen Landwirtschaft betrieben wurde. Die Industrialisierung im zwanzigsten Jahrhundert, die an den Tälern vollständig vorbei ging, entvölkerte das Gebiet dann durch Abwanderung in die aufstrebenden Industrieregionen Norditaliens endgültig. Erst in den letzten Jahren begann sich so etwas wie ein sanfter Tourismus zu entwickeln. Für die Planung von Biketouren in diesen verlassenen Gegenden gilt der Grundsatz: Was man selbst mit hat, existiert! Alles andere ist Glückssache!
Verschärfend kommt ab Mitte September hinzu, dass die wenigen Hütten meist schon geschlossen haben. Wir haben bei Prachtwetter in 4 Tagen eine Handvoll Wanderer und ganz genau KEINEN Biker getroffen.

DIE UMRUNDUNG - HART ABER HERZLICH
Weiträumig lässt sich der Monte Viso natürlich auch auf Straßen umrunden. Wenn man sich Zeit lassen wollte, käme man wahrscheinlich auch im Gelände relativ glimpflich rundherum. Das war aber alles nicht unser Thema! Wir wollten Trails und möglichst nahe ran an den Berg. Und das Ganze in 4 Tagen!

DER ETAPPENPLAN
Planung ist das halbe Leben, sagt man! Rund um den Monte Viso kann die Planung das ganze Leben sein! Es ist extrem wichtig, die Nächtigungspunkte vorher zu planen und zu buchen. Nur so kann man sicher sein, dass die Unterkünfte auch geöffnet sind und Platz haben. Ausweichquartiere sind vielfach ganz einfach nicht vorhanden. Als Ausgangspunkt bietet sich die historische Kleinstadt Saluzzo an. Sie liegt in fast direkter Linie östlich des Viso am Ausgang des Valle del Po.

  • Etappe 1: Saluzzo – Colle di Sampeyre – Valle Maira – Marmora
  • Etappe 2: Marmora – Colle del Preit – Ubayetal – Maljasset (Frankreich)
  • Etappe 3: Maljasset (Frankreich) – Col Longet – Passo della Losetta – Colle della Croce – Colle Barant – Rifugio Barbara
  • Etappe 4: Rifugio Barbara – Colle della Gianna – Saluzzo


TEAM

Bikeclub GIANT Stattegg, www.bike09.at
Lukas Stöckli, www.im-prinzip-fahrbar.ch

TOURISMUSINFORMATION
www.saluzzoturistica.it
www.piemonteitalia.eu

KARTENMATERIAL
www.fraternalieditore.it
www.ign.fr
www.openmtbmap.org


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