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Die 5 gefährlichsten Stolpersteine beim Wandern

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Rein in die Schuhe, her mit dem Rucksack, rauf auf die Berge: Wandern kann so einfach sein. Zugleich aber auch, wie die alljährlichen Unfallzahlen zeigen, so gefährlich. Weil es die Menschen selbst sind, die sich durch Unwissenheit und Unvernunft in Gefahr bringen. Daher wollen wir euch helfen, diese selbstverlegten „Stolpersteine" aus dem Weg zu räumen.

Wenn wir es mit der Holzhammermethode machen wollten, würden wir hier lang und breit über die Ursachen der Tausenden Bergunfälle mit schweren Verletzungen berichten, die allein im Vorjahr passierten. Und natürlich über die 66 Todesfälle, die 2014 zu beklagen waren. Beim Wandern wohlgemerkt – die tödlich verunglückten Kletterer (13) und Klettersteiggeher (3) sind da nicht mitgezählt.

Aber wir wollen nicht gleich zum Start schwarze Wolken aufziehen lassen, sondern gute Stimmung für eine tolle Wandersaison verbreiten. Deshalb machen wir es nicht mit der Schocktherapie, sondern wollen die „Steine“ markieren, über die so viele Wanderer gerade vor und bei den ersten Touren stolpern. Und dafür steht uns mit Ernst Sylvester Dullnigg, dem Landesgeschäftsführer der Naturfreunde Niederösterreich, ein fachkundiger Guide zur Seite, der aus seiner Praxis weiß, wo und wie gerade zum Saisonbeginn von den Wanderern die meisten Fehler gemacht werden.

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Die 5 gefährlichsten Stolpersteine beim Wandern / Bild: iStock / Subbotsky

STOLPERSTEIN NR. 1: DIE FITNESS
Gibt es dafür eine logische Erklärung: Vor dem ersten Lauf oder Radrennen nach der Winterpause weiß jeder, der an den Start gehen will, dass er im Vorfeld genug Fitness auftrainieren muss, um beim Bewerb ohne grobe Probleme ins Ziel zu kommen. Beim Wandern dagegen marschieren manche schon auf der ersten Tour stundenlang drauflos, ohne groß zu checken, wie es – womöglich nach Monaten ohne sportlicher Bewegung – um die Kondition (und zwar aller Tourteilnehmer!) steht. 

Der Unterschied ist nur: Ein Läufer bleibt einfach stehen, wenn er nicht mehr kann, ein müder Radler rollt zum nächsten Bahnhof – aber ein erschöpfter Bergsportler, der seine Leistungsfähigkeit überschätzt hat, bringt sich und auch andere, die ihn aus der Not bergen müssen, unnötig in Gefahr. Den traurigen Beleg dieser Tatsache kennt Ernst Dullnigg: „Selbstüberschätzung ist die Hauptursache Nummer eins für Bergunfälle!“ Die logische Konsequenz daraus: Die Länge und die Schwierigkeit der ersten Tour müssen so gewählt sein, dass sie auch vom schwächsten Teilnehmer locker bewältigt werden!

Die 5 gefährlichsten Stolpersteine beim Wandern / Bild: iStock / IPG Gutenberg UK Ltd

STOLPERSTEIN NR. 2: DIE TOURENPLANUNG
Die einfachste und zum Start wohl auch beste Lösung: Macht zuerst eine lockere Runde auf euren „Hausberg“! Da wisst ihr genau Bescheid über Länge, Schwierigkeit, über offene Hütten und Umkehrmöglichkeiten. Wer aber gleich was Neues erkunden will, hält sich an diese Regeln:

  • Informationen einholen! Über die Dauer von Anfahrt und Rückfahrt; ob die Tour wieder am Ausgangspunkt endet; wie die Wegbeschaffenheit ausschaut – zum Auftakt müssen es ja nicht gleich Felssteige und Geröllfelder sein; ob die gesamte Route schon schneefrei ist; ob es auf der Tour bereits geöffnete Hütten gibt usw.
  • Die Tourenlänge berechnen! Das Unterschätzen der Gehdauer ist einer der größten Stolpersteine, und zwar nicht nur für „Sonntags-Wanderer“. Dabei kann man mit Hilfe einer Wanderkarte anhand der gemessenen Wegstrecke und der Höhenlinien ziemlich genau die Gehdauer berechnen. Zur Orientierung: Halbwegs gut trainierte Berggeher schaffen pro Stunde 400 Höhenmeter (300 hm bergauf, 500 hm bergab) und vier Kilometer Wegdistanz. Kleines Anschauungsbeispiel: Nach diesen Werten sind für eine Tour über 12 Kilometer und 1.600 Höhenmeter (800 hm  rauf und 800 hm runter) etwa fünf bis fünfeinhalb Stunden einzuplanen.

Das Wissen über die Dauer der Tour und der entsprechende Abgleich mit der Fitness aller Teilnehmer ist aber nur ein Kriterium einer guten Tourenplanung. Genauso wichtig ist es natürlich, sich bei der Tourenauswahl an den Wünschen aller Beteiligten, speziell der Kinder, zu orientieren (Auch interessant: Wandern und Familie: Mit den Augen der Kinder).

Die 5 gefährlichsten Stolpersteine beim Wandern / Bild: iStock / bodu9

STOLPERSTEIN NR. 3: DER MATERIALCHECK
Wie in jeder Sportart sind selbstverständlich auch beim Wandern rechtzeitig die länger nicht verwendeten „Sportgeräte“ auf ihre Funktionsfähigkeit zu testen.

  • Die Bergschuhe. Sie werden nicht nur auf Verschleißspuren bzw. Schäden geprüft, sondern nach der langen Winterpause klarerweise auch auf ihre Passform. Ein Tipp: Soll die neue Wandersaison mit neuen Wanderschuhen beginnen, so sind diese vorher auf kurzen Spaziergängen „einzugehen“ (Auch interessant: In 4 Schritten zum richtigen Bergschuh).
  • Die Bekleidung. Auch hier werden im Vorfeld Funktionalität und Passform gecheckt, um nicht zum Beispiel am Tag der Tour vor dem Problem einer zu engen Wanderhose zu stehen. Und nicht vergessen: Auf Frühjahrstouren muss man wettermäßig für alle Eventualitäten gerüstet sein. Das bewährte „Zwiebelschalenprinzip“ (mehrere Schichten zum An- und Ausziehen) leistet da beste Dienste. Und die Haube nicht vergessen: Der größte Teil der Körperwärme geht bekanntlich über den Kopf verloren! Auch interessant: Die "Klimazone": Funktion und Anspruch moderner Outdoorbekleidung.
  • Die Trekkingstöcke. Wenn die Kondition noch etwas ausbaufähig ist, sind moderne Wanderstöcke im wahrsten Sinn des Wortes eine hervorragende Stütze, geben auch Trittsicherheit. Teleskopstöcke vor dem Abmarsch auf ihre Funktion überprüfen!
  • Der Rucksack. Auch wenn nur eine kurze Tour über zwei, drei Stunden geplant ist – ohne „Gepäcksträger“ geht man nicht! Regenkleidung, Mütze, Wechsel-Shirt, Erste-Hilfe-Set, Jause bzw. Energieriegel (Video: So machst du deinen eigenen Powerriegel), gefüllte Trinkflasche, Handy, Geldtasche, Taschenmesser, Sonnenschutz/-brille, (auf unbekanntem Terrain) Karte bzw. GPS-Gerät sind als Pflichtuntensilien grundsätzlich auf jeder Tour mit dabei (Auch interessant: Checkliste: Was in den Wanderrucksack gehört)
Die 5 gefährlichsten Stolpersteine beim Wandern / Bild: iStock / Halfpoint

STOLPERSTEIN NR. 4: DER WETTERCHECK
Gerade im Frühjahr mit seinem instabilen Wetter ist es umso wichtiger, aktuelle Wetterinformationen einzuholen und bereits in die Tourenplanung einzubeziehen (Auch interessant: Richtiges Verhalten bei Unwettern). Die Vorhersagen auch für mehrere Tage auf den Wetterplattformen im Internet, vor allem aber der Experten von Austro Control (www.austrocontrol.at/wetter) sind bereits sehr verlässlich. Trotzdem muss das Wissen um das zu erwartende Tourenwetter ständig aktualisiert werden, zum letzten Mal am Tag der Tour selbst. Und haben sich Veränderungen zum Schlechten ergeben, ist auch der Tourenplan darauf abzustimmen, die Tour eventuell sogar ganz abzusagen. Denn wer will schon mit einer verregneten oder gar verschneiten Bergtour in die neue Saison starten ...

Die 5 gefährlichsten Stolpersteine beim Wandern / Bild: iStock / Olga Danylenko

STOLPERSTEIN NR. 5: DAS MARSCHIEREN
„Gewöhnung ans Gerät“ soll die Parole auf der Premierentour sein. Und unter „Gerät“ versteht man in diesem Fall den eigenen Körper. Soll heißen: Beim ersten Marsch gilt es, folgende Kriterien einzuhalten:

  • Das Geh-Tempo. Egal, wie groß die Freude und Motivation beim Losgehen auch sein mag – lasst euch davon nicht hetzen! Geht es langsam und ruhig an, genießt die Bewegung und einen freien Blick für die Natur. Naturfreunde-Experte Ernst Dullnigg rät: „Geht zum Aufwärmen die ersten 15 Minuten langsam und die zweiten 15 Minuten sogar noch langsamer. So kommt der Körper am besten in Schwung. Mindestens alle 30 Minuten gibt’s eine kurze Trinkpause, auf längeren Touren sollte jeweils nach zwei Stunden eine Rastpause eingelegt werden.“
  • Ist man aber mit Kindern unterwegsgelten nicht vorgegebene Zeiten, sondern es ist auf die Wünsche der Kinder Rücksicht zu nehmen. Denn kommt auf der ersten Tour der Spaßfaktor zu kurz, wird es schwer, sie für weitere Touren zu motivieren. Und das Wanderjahr ist noch lang.
  • Schritt für Schritt. Auch die Trittsicherheit braucht zum Saisonstart etwas Anlaufzeit – beim Gehen auf unebenen, felsigen Wegen oder auf Geröll ist daher noch etwas mehr Aufmerksamkeit und Konzentration gefragt. 

Und noch eine Extrawarnung: Schneefelder, die es zu überqueren gilt, sind keine Einladung zu lustigen Rodelpartien! Die oft hart gefrorene Schneedecke kann ganz schnell zur (lebens-)gefährlichen Rutschbahn werden. Womit wir beim letzten Ratschlag für einen gelungenen Einstieg in die Wandersaison  angelangt sind: Vernunft und Vorsicht sind die besten Wegbegleiter, wenn es wieder in die Berge geht!

Die 5 gefährlichsten Stolpersteine beim Wandern / Bild: iStock / Ridofranz

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