22. September 2018. Rund um den Wörthersee haben sich insgesamt weit über 300 Läuferinnen und Läufer aus 18 Nationen versammelt. Weder Wind noch Regenwetter können die Sportler aufhalten. Viele sind sogar froh, dass es mit der Sommerhitze vorbei ist, denn bei den vielen Höhenmetern auf technisch anspruchsvollem Terrain sind kühlere Temperaturen ganz angenehm.

Wolfgang Kühnelt

Die einen starten in Pörtschach bereits um 6.30 Uhr zu einer beachtlichen 72-Kilometer-Runde. Die anderen werden zum Pyramidenkogel chauffiert, um von dort über die Marathon-Distanz zu laufen. Und wieder andere warten in Klagenfurt bei der Sportunion, um die 21 Kilometer im Lauf- oder Walking-Tempo zu absolvieren.

Heuer wurde der Wörthersee Ultra Trail auf einer teilweise deutlich veränderten Strecke von einer neuen Mannschaft organisiert. Das Mach3 Team aus Kärnten rund um Manfred Rainer besteht aus engagierten Trail-Runnern, die es schafften, ihre Begeisterung mit vielen Routiniers, aber auch mit etlichen Newcomern zu teilen. Mit dabei etwa Gabor Muhari, ungarischer Trail-Spezialist, der auf den 72 Kilometern in beeindruckenden 6:31 Stunden siegte.  Oder Gerald Bauer vom La Sportiva Team, der die Marathonwertung in 3:36 für sich entscheiden konnte. Sponsor La Sportiva war nicht nur mit erfahrenen Profis angereist, sondern auch mit drei Rookies, die wertvolle Erfahrungen über Stock und Stein sammelten. Insbesondere die junge Sophie Wirnsberger, die neben dem Klassensieg auch den zweiten Gesamtrang bei den Damen im Marathon hinter Anna Lipp belegen konnte, lieferte eine Talentprobe ab. Noch wichtiger als Endzeiten und Resultate ist beim Trailrunning aber, dass man gesund ins Ziel kommt, nicht auf der Strecke verloren geht und Spaß an der Sache hat. Und all das bot der Wörthersee Ultra Trail (kurz WSUT) bei seiner Premiere zweifellos.

71 Ultra-Läufer und 644 Stufen zum Pyramidenkogel nach dem 30 km Trail
Ein Highlight für die 71 Ultra-Läufer waren sicherlich die 644 Stufen, die auf den Turm am Pyramidenkogel zu absolvieren waren. Und das nach guten 30 Kilometern am Trail. Generell hatte sich Streckenchef Bernhard Buxbaumer bemüht, viele Steigungen und möglichst wenige Meter auf Asphalt in einer anspruchsvollen Strecke zu vereinen. Auffällig war an diesem Tag unter anderem auch, dass die Markierungen entlang der Route annähernd perfekt waren und der Teamgeist deutlich spürbar war. Etwa, wenn der Autor dieses Berichts auf der Marathondistanz von der Spitzengruppe der Halbmarathonis überholt wurde und dabei Schulterklopfen und Respektbezeugungen bekam. Die rundum positive Stimmung, der selektive Kurs (fast 1500 Höhenmeter auf den 42 km), die sehr gute Organisation und die Freude am Sport waren an diesem Wochenende rund um den Wörthersee deutlich zu spüren.

Lobenswert auch das wiederholte Angebot in den Wochen zuvor, gemeinsam mit Mach3 die Strecke zu testen, die freiwilligen Helfer an den Checkpoints und Labestationen, die stundenlang im Regen standen und die Party-Atmosphäre in Pörtschach. Wer sich ein klein wenig überwinden möchte, die gewohnte Renn-Distanz mit reichlich Höhenmetern würzen und ausprobieren will, wie man sich einen Trail-Run einteilt, ist hier genau richtig. Aber Vorsicht: Ein lockerer Spaziergang ist der Wörthersee Ultra Trail nicht, es geht permanent bergauf und bergab.  Wer wüsste das besser als der Autor, der rund zwei Stunden länger brauchte als bei einem herkömmlichen Straßenmarathon. Und der trotzdem – oder gerade deswegen – glücklich ins Ziel kam.

La Sportiva Rookie Team