Die vergangene Bundesligasaison hat wieder einmal gezeigt, dass sich die finanzstarken Teams die internationalen Plätze unter sich ausspielen. Vor allem der FC Bayern thront hier über allen anderen.


Dank jahrelanger solider Arbeit hat sich der Rekordmeister eine Vormachtstellung erarbeitet, die kein Team so schnell aufholen kann. Finanziell ist man der Konkurrenz schon lange enteilt. Auch in den anderen europäischen Ligen zeigt sich ein ähnliches Bild. Deshalb wird vor allem bei den „kleineren“ Vereinen immer wieder die Einführung eines Salary Caps nach amerikanischem Vorbild diskutiert. Wir werfen einen Blick auf diese Idee und schauen, ob diese im deutschen bzw. europäischen Profisport realistisch ist.

 

Der Salary Cap in den Vereinigten Staaten
In den großen US-amerikanischen Sportligen werden die Finanzen über einen Salary Cap geregelt. Das gilt unter anderem für die NFL, NBA, NHL und MLB. Der Salary Cap ist eine Budgetobergrenze, in deren Rahmen die Teams ihre Spieler mit Verträgen ausstatten dürfen. Dadurch wird verhindert, dass finanzstärkere Franchises unbegrenzt Geld in den Kader pumpen dürfen. Diese Situation ist im europäischen Fußball in den vergangenen Jahren vermehrt bei sogenannten „Scheich“- oder „Oligarchenclubs“ wie Paris St. Germain, Manchester City oder Chelsea FC zu beobachten gewesen. Aber auch die Bayern setzen sich auf nationaler Ebene immer weiter ab –  selbst ohne Großinvestor. Bei den Sportwetten sind sie deshalb auch in der kommenden Saison wieder der Topfavorit in der Bundesliga. Ähnlich wie bereits in den letzten Jahren. Geld schießt eben doch Tore.

So könnte der Salary Cap in Europa aussehen
Infolge dieses zunehmenden finanziellen Ungleichgewichts wird auch in Europa immer häufiger die Idee einer Gehaltsobergrenze diskutiert. Auf europäischer Ebene hat der FC Bayern innerhalb der G-14 eine europaweite Regelung vorgeschlagen. Diese muss allerdings zunächst  von der EU-Kommission geprüft werden. Auch in Deutschland machen sich die Funktionäre Gedanken. Martin Kind von Hannover 69 plädiert für einen Salary Cap. Allerdings ist das US-amerikanische Modell nur schwierig 1:1 auf den europäischen Fußball zu übertragen. Während die Spieler in Europa Angestellte ihres Clubs sind, stehen die Sportler in den USA bei der Liga bzw. der jeweiligen Franchise unter Vertrag. Zudem könnte die Begrenzung der Gehälter als Eingriff wettbewerbs- bzw. arbeitsrechtliche Freiheiten gewertet werden. Trotzdem ist die Gehaltsobergrenze in Deutschland ebenso ein geschäftsfähiges Modell. Auch die Fans befürworten eine Einführung des Salary Caps, wie eine Umfrage von Kicker zeigt.
 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

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Tarifverträge statt Salary Cap?
Die juristische Sachlage ist zwar schwierig, allerdings sind sich Rechtsexperten sicher, dass eine Art Salary Cap umsetzbar wäre. Mark Orth, der unter anderem den FC Bayern in juristischen Fragen berät, sagt diesbezüglich: „Es gibt keine Entscheidung in der EU, die Ausgeglichenheit als Argument für eine Ausnahme vom Kartellrecht verwendet“. Auch die Spieler pochen seit Jahren auf eine Einführung eines Tarifvertrages.

Spielergewerkschaften wie die VdV in Deutschland könnten eine ähnliche Macht erlangen, wie die Players Association in den USA. Hier sind die Spieler so gut organisiert, dass sie mit einem sogenannten „Lock-Out“ den Spielbetrieb lahmlegen können.

Dass diese Situation auch in Europa eintreten könnte, ist allerdings unwahrscheinlich. Auf jeden Fall könnte der Salary Cap neben mehr Chancengleichheit auch zu mehr Planungssicherheit für die Clubs führen. Man darf gespannt sein, ob die bislang utopisch scheinende Idee in Zukunft umgesetzt werden kann.