Was man immer hat, ist fad. Die unfreiwillige Outdoor-Abstinenz zum Frühlingsstart 2020 schürte so gesehen die Vorfreude auf Höheres: Warum sich als Wanderer nicht einmal einen 3000er-Gipfel zum Ziel setzen? Wir sagen euch, worauf es dabei ankommt. 

Christof Domenig
Christof Domenig

784 Dreitausender-Gipfel gibt es in Österreich. Bergsport-Ausrüster Salewa hat seine Community auf den sozialen Medien dazu aufgerufen, diese zu besteigen. Am Ende der Aktion sollte von jedem der 784 ein Gipfelfoto hochgeladen sein. Wie alle Outdoor-Unternehmungen war auch diese Aktion bei Redaktionsschluss in Warteposition. Aber natürlich gibt es ein Leben nach dem Coronavirus. Und ein heimischer 3000er noch in diesem Sommer ist bestimmt für viele, die noch nie so hoch gestiegen sind, ein lohnendes höheres Ziel.
Doch zunächst die Frage an Bergführer Martin Edlinger von den Naturfreunden Österreich: Macht es vom Gefühl her einen Unterschied, ob man in den Alpen einen Gipfel mit 2500, 2800 – oder doch einen über 3000 schafft? „Der erste 3000er wird nicht unbedingt eine ‚magische‘ Grenze sein. Aber einen Abschnitt im Leben jedes passionierten Bergsportlers, ein erreichtes Ziel stellt er auf alle Fälle dar. Nicht umsonst heißt es bei gemeinsamen Bergtouren: Wenn’s dein erster 3000er war, zahlst du die Runde auf der Hütte“, schmunzelt Edlinger.

Wie geht man es also an? „Grundsätzlich sind 3000er-Gipfel in Österreich hochalpine Berg- oder Wandertouren“, sagt Edlinger. „Wobei man natürlich nicht pauschal sagen kann, welchen Schwierigkeitsgrad sie haben: Es gibt viele, die technisch wie auch konditionell fordernd sind – und es gibt sehr wohl auch einige, die leichter und einfacher bestiegen werden können“, sagt der erfahrene Bergführer. „Einstiegs-3000er“ sind in der Regel durch Wanderwege gut erschlossen und zeichnen sich durch eine gute Hütten-Infrastruktur aus. Ausgangspunkte liegen höher, sodass der Gipfelanstieg leichter wird. Und Aufstiege lassen sich manchmal auch mit Seilbahnen abkürzen. Um für sich und seine Fähigkeiten ein passendes Gipfelziel über 3000 m Seehöhe zu finden, empfiehlt der Experte einen Blick in Online-Tourenportale (das der Naturfreunde heißt www.tourenportal.at). „Dort findet man eine Vielzahl von Touren, die auch gut selektierbar sind: Die Suche kann nach Höhenmetern, Schwierigkeit und etlichen weiteren Kriterien gefiltert werden, um die genau passende Tour zu finden.“

Wichtig: die empfohlenen Touren und die gefundenen Daten einer „Qualitätsprüfung“ zu unterziehen. Nicht jede online vorgeschlagene Tour ist genau genug beschrieben. Und manchmal sind in den Weiten des World Wide Web auch Daten zu finden, die veraltet oder schlicht falsch sind, weiß der Bergführer. Vor allem dann, wenn keine namhafte Institution hinter der Quelle steckt (wie z. B. ein alpiner Verein oder auch Tourismusverbände), sollte man die gefundenen Daten immer auf Plausibilität kontrollieren. Was muss man können, um einen 3000er ins Auge zu fassen? Auch das unterscheidet sich natürlich je nach Schwierigkeit der gewählten Tour. „Grundsätzlich wird auch auf leichteren 3000ern das Gelände alpiner. Trittsicherheit auch im verblockten oder weglosen Gelände sowie Schwindelfreiheit sind Fähigkeiten, die umso wichtiger werden, je höher man hinaufkommt.“

Andererseits braucht man Trittsicherheit, Gehtechnik oder Schwindelfreiheit oft schon in tieferen Lagen. Es gilt auch, über die Wegbeschaffenheit und technische Schwierigkeiten Bescheid zu wissen. Etwa: „Ob technische Schwierigkeiten vorkommen wie etwa kurze Kletterpassagen oder sehr ausgesetzte Passagen, die eine überdurchschnittliche Trittsicherheit erfordern.“ Das ist im Vorfeld abzuklären, um dann unterwegs nicht überrascht zu werden. Bei als „leicht“ beschriebenen 3000ern kämen solche Problemstellen allerdings nicht vor. Es gilt auch, dem Wetter in größerer Höhe mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Das beginnt mit dem sorgfältigen Einholen der Wetterprognose. Unterwegs sollte man in der Lage sein, Alarmzeichen, die auf einen Wetterumschwung hindeuten, zu erkennen. „Auf 1000 m Seehöhe wird ein Regen unangenehm sein. Wenn man dagegen auf 3000 m in eine Kaltfront kommt, bedeutet das oft Schnee, eisige Wege, keine Sicht“, führt Martin Edlinger aus. Unterschlüpfe, sichere Hütten oder letztlich auch Rettung sind in höheren Lagen nicht mehr so einfach und schnell erreichbar wie in tiefen.

 Trittsicherheit und Schwindelfreiheit werden wichtiger, je höher man hinaufkommt. 

Martin Edlinger

Wenn die Luft dünner wird
Eine gewisse Rolle spielt auch schon der abnehmende Sauerstoffgehalt der Luft. Ab rund 2500 m kann man theoretisch sogar höhenkrank werden, heißt es. „Die Wahrscheinlichkeit dafür ist zwar gering und die Symptome sind meist nicht sehr ausgeprägt. Aber auf 3000 Metern kann es schon vorkommen, dass leichtes Kopfweh auftritt. Dass die Schritte etwas mühsamer werden, ist ebenfalls nicht außergewöhnlich und für die meisten auf 3000 m schon spürbar. Vor allem wenn man vom flachen Land weg recht schnell in größere Höhen kommt, mit dem Auto oder der Seilbahn.“ Dieser in Summe also doch etwas höhere Leistungsanspruch sollte in die Tourenplanung einfließen. Heißt: einfach etwas mehr Zeitreserven einplanen, als wenn es auf einen 2000er geht. Um sich seriös auf das Unternehmen 3000er vorzubereiten gilt natürlich auch: nicht gleich mit dem Schwersten beginnen, sondern langsam steigern. Ein Premieren-3000er soll ein Saisonhighlight werden und nicht der Auftakt. Das ergibt sich schon aufgrund der Schneeschmelze: Auf einen 3000er zu wandern, ist ein Sommerziel, selbst nach einer schneearmen Saison. 

„Am besten und einfachsten bereitet man sich mit kontinuierlichen Wanderungen vor. Regelmäßigkeit ist das Wichtigste, um seine Ausdauer zu verbessern – und auf der anderen Seite trainiert man bei jeder Bergtour immer auch seine Trittsicherheit mit. Zusätzlicher Konditionsaufbau durch Laufen oder Radfahren ist in der Vorbereitung auch nicht verkehrt“, empfiehlt Bergführer Edlinger. Auf Nummer sicher geht man, wenn man sich für die 3000er-Premiere einem Bergführer anschließt. Auch wenn es bei Einstiegs-3000ern nicht unbedingt notwendig ist: „Alpine Vereine, Bergführer und Bergsteigerschulen bieten eine Menge toller Touren auf 3000er an.“ Aber natürlich kann man sich einen Bergführer auch privat für sein persönliches Ziel buchen, das kostet aber auch etwas mehr. Ein Vorteil bei allen geführten Touren im Vergleich zur autodidaktischen Fortbildung: „Man lernt schneller und sicherer, auf was es in den Bergen ankommt.“ Wer nach der geglückten 3000er-Premiere die Runde auf der Hütte zahlt, wissen wir ja bereits.

Einstiegs-Dreitausender 
Diese Gipfel über 3000 m Höhe eignen sich fürs erste Mal sehr gut. Empfehlung von Bergführer Martin Edlinger.

Martin Edlinger
Martin Edlinger

ist staatlich geprüfter Berg- und Skiführer, Abteilungsleiter des Referats Bergsport bei den Naturfreunden Österreich.

E-Mail: martin.edlinger@naturfreunde.at
Web: www.naturfreunde.at