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Shaun White ueber Druck

Shaun White: "Druck ist pure Motivation"

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Dieser Mann wirbelt wie ein Tomahawk durch die Luft und zeigt unglaubliche Tricks. Shaun White ist der König der Halfpipe – und wenn der Druck wie Blei auf ihm lastet, scheint ihn das regelrecht von der Schwerkraft zu befreien.

Shaun White ist einer der wenigen, der sowohl ein Weltklasse-Snowboarder als auch zur Weltelite der Skateboarder gehört. Er ist Doppel-Olympiasieger in der Halfpipe. Sein Skateboard-Debüt gab er 2003 beim Slam City Jam und wurde dabei Vierter in der Halfpipe. Das qualifizierte ihn für die X-Games, bei denen er den sechsten Platz in der Halfpipe belegte.

Shaun, du bist der unbestritten beste Snowboarder der Welt und mit 24 Jahren bereits Doppelolympiasieger. Das setzt dich für deine weitere Karriere gehörig unter Druck, oder?

Das kann man so sagen. Die Leute erwarten nicht nur Siege, sondern vor allem immer wieder neue spektakuläre Sprünge und Manöver. Aber der Druck hilft mir dabei, mich zu konzentrieren, zu pushen und meine beste Leistung abzurufen. Ich springe und lande deutlich besser, wenn ich muss. Druck ist pure Motivation.

Deine Motivation hat dich so weit gebracht, dass du als einziger Athlet in der Halfpipe sowohl im Schnee als auch mit dem Skateboard zur Weltelite zählst. Harte Arbeit – oder sind sich diese Sportarten doch so ähnlich?

Beides geht Hand in Hand und ist doch sehr unterschiedlich. Skaten ist ungewöhnlich, es gibt dir viele Möglichkeiten, kreativ zu sein. Das Snowboard ist viel größer, außerdem verändern sich die natürlichen Gegebenheiten. Wenn die Sonne scheint, verändert sich der Schnee, das Board wird langsamer, die Sprunghöhe reduziert sich. Beim Skaten hast du eine konstante Rampe, dafür sind die Füße nicht fixiert. Eine falsche Fußposition kann dir sofort das Board wegkicken. Ich muss mich immer wieder umstellen, neu justieren und hart an mir arbeiten.

Skateboarden und Snowboarden sind Funsportarten. Aber hast du überhaupt noch Spaß dabei? Oder geht es ausschließlich um sportlichen Erfolg?

Ich denke, es sind zwei Charaktere in mir. Natürlich habe ich Spaß beim Boarden. Aber nur so lange, bis ich oben an der Halfpipe stehe. Dann geht’s rein und ich bin vollkommen fokussiert. In diesem Moment habe ich ein überwältigendes Vertrauen in mich selbst, dass ich meine Tricks auch landen kann.

Woher kommt dieses Vertrauen?

Ich glaube an meine Fähigkeiten. An sich zu zweifeln, macht die Dinge nur schwieriger. Außerdem versuche ich im Training, meine Tricks so weit wie möglich zu perfektionieren.

Im vergangenen Jahr hast du sogar erstmals mit einer sogenannten „Schnitzelgrube“ trainiert, bist mit dem Snowboard in einen mit Schaumgummi gefüllten Metallkäfig gesprungen.

Ja, das war eine gute Idee. In anderen Sportarten wird das schließlich auch praktiziert. Im Tiefschnee kannst du einen Sprung so lange üben, bis du kapiert hast, wie er funktioniert. In der Halfpipe landest du auf fest gepresstem Schnee, die Stürze können wirklich weh tun. Aber auch mit einer Schnitzelgrube ist es nicht unbedingt einfach.

Die muss man erst einmal treffen ...

Richtig. Die Landefläche war gar nicht so groß, etwa neun Meter lang und acht Meter breit. Einmal war ich zu forsch unterwegs, ich bin mit dem Fuß auf der Kante aufgeschlagen und habe mir den Knöchel angebrochen.

Sobald der Körper wieder mitmacht, geht’s weiter. Warum?

Ich will sehen, was möglich ist – und zeigen, was getan werden kann. Mittlerweile habe ich schon viele Tricks gestanden, die wir früher technisch gar nicht für möglich gehalten haben.

Wie den berüchtigten Double McTwist 1260. Niemand außer dir beherrscht diesen Sprung: Vorwärtssalto, Rückwärtssalto und dreifache Körperdrehung – eigentlich unvorstellbar.

Das Problem an diesem Sprung sind die ersten Versuche. Sie flößen dir eine verdammte Angst ein. Du gehst vom Frontflip direkt in den Backflip über. Deshalb kannst du fast nicht sehen, wo du dich in der Luft befindest. In dem Augenblick, der dir einen kurzen Überblick verschafft, änderst du schon wieder die Richtung und fliegst blind durch die Luft. Das wirkt bedrohlich. Drum nenn ich ihn auch „Tomahawk“.

Bei den Winter-X-Games 2010 bist du bei einem "Tomahawk" schwer gestürzt. War da der Druck zu groß?

Im Gegenteil! Es war ein Trainingslauf, der immer wieder verschoben wurde, weil ESPN die Verlängerung eines Basketballspiels zeigen musste. Ich habe die Konzentration verloren, beim Absprung war ich dann viel zu locker. Diesen Sprung springst du nicht einfach so aus der Hüfte raus. Diese Lektion musste ich auf schmerzhafte Weise lernen.

Du bist aus einer Höhe von fünf Metern mit dem Gesicht auf der Kante aufgeschlagen.

Ich hätte mir auch das Genick brechen können. Ich habe die Kante auf mich zukommen sehen und noch versucht, die Hände schützend vor den Kopf zu reißen.

Bleibt nach einem solchen Sturz nicht die Angst, sich irgendwann ernsthaft zu verletzen?

Solche Gedanken dürfen dich nicht belasten. Sie können dazu führen, dass am Ende wirklich etwas schiefgeht. Wir steigen auch in ein Auto. Es ist gefährlich und das wissen wir – trotzdem tun wir es jeden Tag wieder. Ich kann einen extremen Run in der Halfpipe hinlegen, danach passe ich nicht auf und falle die Treppe runter.

Zwei Wochen nach dem Sturz ging es zu den Olympischen Winterspielen nach Vancouver. Wie hast du entschieden, welche Sprünge du riskieren willst?

Ich habe wirklich Hunderttausend Mal hin und her überlegt. Letztendlich habe ich mich auf die strategischen Überlegungen meiner Betreuer verlassen. Ich habe einen schweren ersten Run gezeigt und mir den Tomahawk als Joker aufgehoben.

Und mit dem ersten Lauf hast du dir bereits die Goldmedaille gesichert. Trotzdem hast du deinen Joker zum Schluss doch noch ausgepackt.

Ich wusste, dass es gefährlich wäre, den Tomahawk nur so zum Spaß zu zeigen. Aber mein Coach hat mich noch einmal richtig motiviert. Und natürlich wollte ich diesen Sprung, von dem schon so viele Leute geredet hatten, auch auf der größten Bühne der Welt zeigen. Ich denke, die Fans wären zu Recht enttäuscht gewesen, wenn ich bei den Olympischen Spielen meinen spektakulärsten Trick nicht gezeigt hätte.

Und welcher Trick kommt als nächster?

Mal sehen, ich habe immer Ideen für neue Sprünge im Kopf. Die Zeit vergeht schnell. Vielleicht muss man bei den Winterspielen in Sotschi 2014 schon unbedingt einen Tomahawk zeigen, um vorne dabei zu sein. Vermutlich werde ich da wieder an den Start gehen.

Und bis dahin?

Werde ich mich zur Abwechslung mal aufs Skateboarden konzentrieren. Das habe ich noch längst nicht ausgereizt.

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