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Sam Hill Bike

Interview: Sam Hill über Ö Adrenalin

Artikel vom:

Er jagt sich gern mal selbst einen Schrecken ein und hält das ­eigene „Limit“ für einen versteckten Ort, den es zu finden gilt. Der australische Downhill-Biker Sam Hill liebt das Risiko – und den Zustand, wenn das Adrenalin den Autopilot anknipst.

Sam, was bringt einen dazu, mit Vollspeed auf einem Rad einen Berg hinabzurasen?

Es ist wohl der Nervenkitzel, der einen dazu anstachelt. Du bist aufgeregt und spürst das Adrenalin, das dir durch den Körper schießt. Gleichzeitig macht es trotz der Anspannung unglaublich viel Spaß. Und wenn du unten ankommst, bist du einfach nur aufgekratzt und glücklich.

Kannst du das Adrenalin in deinem Körper spüren? An einer besseren Reaktionsfähigkeit?

Manchmal schon. Da habe ich das Gefühl, besonders präzise reagieren zu können. Es ist, als wäre der Kopf noch ein wenig klarer und würde meine Aktionen wie ein Autopilot steuern. Ich denke, man muss sich selbst einen ordentlichen Schrecken einjagen, um in einen solchen Zustand zu kommen.

Wenn man sich nicht gerade selbst erschreckt, gilt Downhill grundsätzlich als Funsportart. Überwiegt bei dir noch der Spaß? Oder ist das längst zum ernsthaften Beruf geworden?

Zuletzt hatte es sich eher wie ein Job angefühlt. Nun habe ich ins Team von Chain Reaction Cycles gewechselt und wieder viel mehr Freude am Sport. Das liegt aber nicht nur am neuen Umfeld, sondern auch daran, dass ich in den vergangenen Jahren einige Verletzungen wegzustecken hatte.

2010 und 2011 bist du schwer gestürzt, hast dir zwei langwierige Verletzungen an der Schulter zugezogen. Sind Verletzungen einkalkuliert oder werfen sie einen doch mental aus der Bahn?

Downhill ist ein riskanter Sport – und Stürze gehören dazu. Um zu gewinnen, muss man Vollgas geben, also darf man sich nicht beklagen, wenn Verletzungen zu Zwangspausen führen. Ich versuche einfach, möglichst professionell damit umzugehen, aber natürlich sind das echte Leidenszeiten. Weil du unbedingt willst … aber nicht kannst.

Verliert man nicht nach jeder Verletzung an Risikobereitschaft? Weil man Angst davor hat, es könnte bald wieder weh tun, wieder eine Auszeit drohen?

Nein, denn gewinnen wirst du nur mit vollem Einsatz. Und ich will gewinnen. Für mich und meine Familie. Ich will im Sattel sitzen und das Adrenalin spüren. Es zeichnet echte Champions aus, dass sie nach Verletzungen zurückkommen.­ Das Hochgefühl nach einer rasanten Fahrt oder die Freude über einen Sieg überwiegen am Ende ganz klar gegenüber den Schmerzen nach einem Crash.

Es sind Nuancen, die darüber entscheiden, ob ein Rennen mit dem Sieg oder einem Sturz endet. Wie näherst du dich deinem absoluten Limit an, ohne es dabei zu übertreiben?

Naja, manchmal zeigt dir eben nur ein Crash, wo dein Limit ist. Dann weißt du genau, wo Schluss ist. Du lernst daraus und aufgrund dieser Erfahrung kannst du immer besser einschätzen, was möglich ist und was aller Wahrscheinlichkeit nach nicht mehr zu kontrollieren sein wird. Aber das ist am Ende auch wieder nur Theorie. In der Praxis ist dein persönliches Limit ein versteckter Ort, den du immer wieder von Neuem suchen musst, der aber nur schwer zu finden ist.

Um dorthin zu gelangen, benötigst du höchste Konzentration. Verfügst du über eine spezielle Technik, dich auf die Strecke zu fokussieren?

Adrenalin hilft mit Sicherheit. Ansonsten bist du ohnehin in einem Tunnel, die Strecke rast ja die ganze Zeit auf dich zu. Ich versuche immer, mir vorher eine Linie zurechtzulegen und mich dann voll und ganz auf diese Linie zu konzentrieren.

Manchmal geht’s dennoch schief, du verlierst die Kontrolle.­ Was schießt dir dann durch den Kopf?

Das sind meistens nur Bruchteile einer Sekunde, viel Zeit zum Denken bleibt da nicht. Vielleicht kann ich den Sturz noch vermeiden oder abmildern. Wenn es auch dafür schon zu spät ist, versuche ich wenigstens, mir einen einigermaßen weichen Ort für die Landung auszusuchen. Mit etwas Glück und Geschick lässt sich das beeinflussen.

Machst du spezielle Kraftübungen, um dich vor Verletzungen zu schützen?

Ich arbeite generell an einer guten Physis, das macht mich widerstandsfähiger. Und wenn’s mich trotzdem erwischt,­ hilft mir meine Fitness, mich schneller von einer Verletzung zu erholen.

Man kann Verletzungen auch vermeiden, indem man vornehmlich bergauf fährt. Kann jemand wie du nachvollziehen, dass sich manche Mountain­biker einen Gipfel nach dem anderen vorknöpfen?

Also, ich fahre ja auch gern auf Berge. Und ich trete sie auch nach oben. Aber das mache ich nur, weil ich mich schon drauf freue, sie wieder runter zu heizen.­ Dass viele Biker den Aufstieg als Highlight ihrer Tour ansehen – das ist mir in der Tat absolut schleierhaft.

Wenn Mountainbiker den Reiz des Downhill erleben möchten: Wie sollten sie damit beginnen?

Sie sollten behutsam den Schwierigkeitsgrad der Strecke und die Geschwindigkeit erhöhen und dann einfach üben. Und vor allem – immer Spaß dabei haben! Angst ist am Anfang kein guter Ratgeber.

Bist du nach deinen Verletzungen erst einmal mit angezogener Handbremse zurückgekehrt?

Vielleicht in den ersten Rennen. Aber dann habe ich es relativ schnell wieder laufen lassen.

Trotzdem bist du im Vorjahr nicht über einen vierten Platz in einem Weltcup-Rennen hinausgekommen …

Das ist richtig, aber das Spiel hat sich eben verändert. Es ist wie bei allem im Leben: Die anderen werden besser. Und wenn du nicht am Ball bleibst, wirst du kaum hinterher kommen. Meine Verletzungen haben es zusätzlich erschwert. Nun bin ich einfach froh, dass ich in der vergangenen Saison unverletzt geblieben bin und viel gelernt habe.

Nämlich?

Ich weiß jetzt genau, wie schnell ich sein muss, um wieder zu gewinnen. Und ich denke, heuer werde ich da sein, wo ich sein muss: ganz vorne mit dabei …


DER DRAUFGÄNGER
SAMUEL „SAM“ HILL wurde am 21. Juli­ 1985 im westaustralischen Viveash nahe Perth geboren. Ehe er mit zwölf Jahren sein erstes Downhill-Rennen bestritt, fuhr er bereits Motocross und BMX. Im Alter von 17 Jahren gewann Sam den Titel bei der Downhill-Junioren-WM in Kaprun. Ein Jahr später wiederholte er diesen Erfolg in Lugano. Es folgten kontinuierliche Top­resultate im Weltcup, in den Jahren 2006 und 2007 sowie 2010 wurde er schließlich dreimal Weltmeister im Downhill. Zudem gewann er zweimal den UCI-Downhill-Weltcup (2007 und 2009). Samuel Hill fährt seit 2013 für das britische Team CRC Nuke­proof. ­Gemeinsam mit seiner Frau Bridg­et und Sohn Bam lebt er in Glen Forrest ­(Westaustralien).

 

 

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