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Zwei Generationen, eine Leidenschaft: Simon und Reinhold Messner

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Die Berge stehen für das Archische in der Natur. Seit jeher ziehen sie uns magisch an. Aber die Zeiten ändern sich – auch im Alpinismus: Reinhold Messner (71) und sein Sohn Simon (25) verkörpern zwei Generationen des Bergsteigens. Beide haben SPORTaktiv-Redakteur Axel Rabenstein ihre persönliche Sicht auf die Welt der Berge dargelegt.

Von Axel Rabenstein

Die früheste Überlieferung einer gezielten Bergbesteigung geht ins Jahr 181 vor Christus zurück, als der makedonische König Philipp V. einen namentlich nicht bekannten Balkangipfel bezwang. Im Jahr 1519 bestieg der Konquistador Diego de Ordás den 5.462 Meter hohen mexikanischen Vulkan Popocatépetl und stellte dabei einen über Jahrhunderte gültigen Höhenweltrekord auf. Kaiser Karl V. gestattete Ordás daraufhin, einen rauchenden Vulkan in seinem Wappen zu führen. In den folgenden Jahrhunderten entwickelte sich der „Alpinismus“, der – wie der Name schon sagt – in den Alpen entstand und eng mit Aufklärung und Industrialisierung zusammenhängt.

„Alpinismus ist eine kulturelle Erscheinung – keine sportliche“, sagt Reinhold Messner, der wohl bekannteste Bergsteiger unserer Zeit: „Es geht um die Auseinandersetzung zwischen Berg und Mensch. Diese Aktivität hat sich in den vergangenen Jahrzehnten allerdings massiv verändert. Und damit meine ich nicht zum Positiven oder Negativen. Sie hat sich einfach nur verändert.“

REVOLUTION DER 70ER
Er selbst ist als Jugendlicher noch mit Handseil und Nagelschuhen auf die Berge gestiegen. Das liege allerdings so weit zurück, dass es sich heute kaum noch jemand vorstellen könne. Nachdem Reinhold Messner in den 60er-Jahren durch zahlreiche Erstbegehungen in den Dolomiten auf sich aufmerksam gemacht hatte, veränderte er das Höhenbergsteigen – indem er die Gipfel des Himalaya im Alpinstil erreichte, mit minimaler Ausrüstung, im Alleingang oder in kleinen Teams und ohne die Hilfe von Sauerstoffgeräten. Plötzlich stand nicht mehr einzig und allein der „Sieg“ über den Gipfel im Vordergrund – sondern vor allem das „Wie“ der Begehung. 

Nachdem er als erster Mensch alle Achttausender bestiegen hatte, begab sich Reinhold Messner auf Expeditionen in die Wildnis; er durchquerte die Antarktis, Grönland und die Wüste Gobi. „Aus Altersgründen“ habe er sich diese neuen Herausforderungen gesucht, wie er heute sagt: „Aber auch, weil mir der Tourismus in den Bergen zu schnell zu große Flächen weggenommen hat.“

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DER BERG ALS EINNAHMEQUELLE
Alpinisten-Vereine hätten den Tourismus in den Bergen jahrzehntelang gezielt gefördert, weil sie nur so ihr Geschäft machen konnten. „Inzwischen werden Pisten bis zum Dach der Welt planiert, zahlungskräftige Touristen auf die höchsten Gipfel geschafft, Hubschrauber laden Material in 8.000 Metern Höhe ab“, sagt Messner und erzählt nicht ohne sarkastischen Unterton davon, wie man ihm einst auf dem Matterhorn-Gipfel einen Kiosk vor die Nase gestellt hatte. „Der echte Alpinist geht aber dorthin, wo eben alle anderen nicht sind. Deshalb muss man sagen, dass traditioneller Alpinismus immer weniger stattfindet.“

SPEZIALISTEN STATT ALLROUNDER
Simon Messner ist bereits in einer anderen Bergwelt aufgewachsen als sein Vater – und hat unter vollkommen anderen Umständen mit dem Bergsteigen begonnen. Der 25-Jährige konzentriert sich derzeit auf seine Masterarbeit zum Thema „Epigenetik“ an der Medizinischen Universität Innsbruck.

Aber natürlich wandelt der Sohn längst auf den Spuren seines berühmten Vaters. Bereits mit 16 Jahren begann Simon Messner mit dem Klettern, seitdem ist er regelmäßig im Fels wie im Eis unterwegs – und hat bereits mehr als 20 Erstbegehungen auf der ganzen Welt absolviert. „Früher waren die Bergsteiger eher Allrounder“, sagt Simon, „heute hat sich das Klettern in einzelne Disziplinen aufgesplittet. Es gibt Spezialisten für Höhenbergsteigen und auch für die diversen Formen des Sportkletterns. Ich selbst versuche, möglichst vielseitig aktiv zu sein. Und das ist schon beinahe eine Seltenheit.“

Vater Reinhold gefällt es, dass sein Sohn sich für die Vielseitigkeit des Bergsports interessiert. Denn auch er beobachtet ein „Zerfallen“ des Bergsports in zahlreiche Disziplinen. „Der größte Teil klettert ohnehin in der Halle, was mit Alpinismus nichts zu tun hat. Und dann gibt es die verschiedensten Ausprägungen, von Free Solo über Speedklettern, Bouldern und das Sportklettern im Gebirge bis hin zum klassischen Bergklettern, dem Höhenbergsteigen und natürlich dem Wandern.“

Hinzu kämen aber auch neue Formen des Bergsports wie Mountainbiken oder Paragliden. „Das ist natürlich alles legitim“, sagt Reinhold Messner. „Aber mit einem Wingsuit von einer Klippe zu springen und dabei draufzugehen ... na ja, das kann jeder. Die verrücktesten Sachen zu machen und dabei nicht umzukommen: Das war und ist die große Kunst.“

DAS WILDE GEBIRGE
Für den jungen Simon Messner hat sich daran nichts geändert – auch für ihn ist die Selbstbehauptung in einem archaischen Umfeld der entscheidende Punkt. „Es geht darum, die Wildnis zu erleben. Die Macht der Natur zu spüren und zu entdecken, wie sich Körper und Geist in Grenzsituationen verhalten. Der Mensch ist nicht dafür gemacht, vor einer Maschine zu sitzen und Zahlen einzutippen. Vom Naturell her zieht es uns einfach nach draußen“, sagt Simon, der übrigens keine eigene Website betreibt und sich lieber im Schatten seines berühmten Nachnamens aufhält – obwohl er sich mit Leichtigkeit viel gewinnbringender vermarkten könnte.

„Das Schönste am Bergsteigen ist doch, dass man es für sich selbst macht. Für einzigartige Erlebnisse und Eindrücke. Gerade in letzter Zeit fällt allerdings auf, dass die Menschen zwar das Abenteuer suchen, dabei aber nur ungern ein echtes Risiko eingehen wollen“, sagt Simon Messner auch. In der Tat nimmt die Infrastruktur immer weiter zu. Alles wird berechenbar. Ob in der neuen Gondel oder auf dem Klettersteig. Das ist gut für die Massen. Aber wenig authentisch.

„Am meisten Potenzial hat das Gebirge, wenn es wild bleibt“, meint Simon, der es überhaupt nicht für nötig hält, für ein Abenteuer in den Himalaya oder nach Patagonien zu fahren. „Wir haben in den Alpen einfach alles, was wir brauchen. Aber so langsam nehmen wir uns selbst die Berge weg – und somit auch die Möglichkeit, in dieser Umgebung einzigartige Erfahrungen zu sammeln ...“

ABGESICHERT IM NOTFALL
Den Alpinismus gibt es heute in mehr als 100 Ländern. Exzellente Kletterer besteigen Felswände und Berge auf der ganzen Welt. In einer Vielzahl von Stilen und Disziplinen. „Aber die Voraussetzungen sind andere“, sagt Reinhold Messner. „Zu meiner Zeit gab es noch keinen Hubschrauber, der im Notfall sofort aufgestiegen wäre. Und darüber bin ich auch froh. So habe ich bei meinen hundert Erstbegehungen immer gewusst, dass ich einfach nicht stürzen darf. Weil es kaum eine Aussicht auf Rettung gegeben hätte.“

Neben den neuen Möglichkeiten der Bergrettung haben die Alpinisten und Kletterer von heute noch einen weiteren elementaren Vorteil gegenüber früheren Zeiten. Sie verfügen über einen verlässlichen Wetterbericht und können missliche Bedingungen mit hoher Wahrscheinlichkeit ausschließen. „Heute weißt du ja schon, wie morgen gegen Mittag das Wetter sein wird“, sagt Simon Messner. „Das ist für mich einer der größten Unterschiede zwischen früher und heute.“

GEMEINSAM IM NEBEL
Und dennoch ist man vor Überraschungen nicht gefeit. Das erlebten Vater und Sohn Messner zuletzt auf einer ihrer gemeinsamen Touren, die sie regelmäßig unternehmen. Und bei der Simon nach wie vor über die „unfassbar gute Kondition“ seines Vaters Reinhold staunt. Vor vier Jahren bestiegen die beiden einen Gipfel der Pala-Gruppe in den Dolomiten. „Es war eine klassische Tour, die wir geklettert sind“, erinnert sich Simon. „Als wir am Gipfel ausstiegen, zog in Windeseile so ein Nebel auf, dass wir den Abstieg nicht mehr gefunden haben.“

Die beiden mussten sich abseilen, verloren beinahe die Orientierung, zerschnitten am Ende Stück für Stück ihre Seile, weil sie keine Schlingen mehr zur Sicherung übrig hatten – und kamen erst nach Einbruch der Dunkelheit wieder am Fuß der Wand an. „Es war trotzdem ein schönes Erlebnis“, sagt Simon Messner, „weil es auf einfache Weise gezeigt hat, worauf es ankommt: Was auch geschieht – man darf sich niemals unterkriegen lassen ...“ So war es schon zu Reinholds Zeiten. Und daran wird sich wohl auch in Zukunft nichts ändern.

Reinhold Messner / Bild: privat

REINHOLD MESSNER (geb. 1944) ist der bekannteste Alpinist unserer Zeit. Mit 20 Jahren hat er bereits mehr als 500 Bergtouren hinter sich, 1970 besteigt er den 8.125 m hohen Nanga Parbat als Erster über die Pupalflanke; sein Bruder Günther kommt beim Abstieg in einer Lawine ums Leben – Messner selbst überlebt mit schweren Erfrierungen.

Im Jahr 1978 erreicht er den Gipfel des Mount Everest (8.848 Meter) als erster Mensch ohne die Hilfe von Sauerstoffgeräten. 1986 besteigt Messner mit Partnern den Makalu (8.463 Meter) und den Lhotse (8.501 Meter), und ist damit der Erste, der alle 14 Achttausender bestiegen hat. Später startet er Expeditionen in Wüsten, Polarregionen, durchquert u. a. zu Fuß die Antarktis.

Reinhold Messner hat zahlreiche Stiftungen ins Leben gerufen und mehr als 50 Bücher veröffentlicht. Er hat drei Töchter sowie einen Sohn – und lebt in zweiter Ehe in Meran (Südtirol).

Simon Messner / Bild: privatSIMON MESSNER (geb. 1990) studiert Molekulare Zell- und Entwicklungsbiologie an der Medizinischen Universität Innsbruck. Derzeit arbeitet er an seiner Masterarbeit zum Thema „Epigenetik“. Im Alter von 16 Jahren hat er das Klettern begonnen und seitdem mehr als 20 Erstbegehungen absolviert. Neben den Alpen ist er dabei auch immer wieder in anderen Regionen der Welt unterwegs, wie z. B. in Patagonien oder im Oman. Simon Messner ist ledig und lebt in Innsbruck.


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