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Weitwandern – Slow Food für die Seele / Bild: Hans Thurner

Weitwandern – "Slow Food" für die Seele

Artikel vom:

Naturfreunde - Wir leben Natur. / Bild: www.naturfreunde.atImmer mehr zieht es heute wieder auf mehrtägige Wanderungen – die meisten für drei, fünf oder maximal sieben Tage. Der Wiener Bergführer Hans ­Thurner hat sich seinen Weitwander-Lebens­traum schon ­erfüllt: Auf einer 1.800-Kilometer-Tour längs des Alpenbogens über 101 Tage.

Von Christof Domenig


Der Mensch ist ein Fußgänger, davon ist Hans Thurner überzeugt. „Die Fortbewegung mit eigener Muskelkraft entspricht am ehesten der menschlichen Aufnahmefähigkeit", formuliert er seine These. Als Berg- und Skiführer sowie Fotograf war der 53-Jährige in praktisch allen großen Gebirgen der Welt unterwegs. In den Anden und Rocky Mountains, im Himalaya und Karakorum, im Kilimanjaro und Atlas-Gebirge, um nur einige zu nennen. Zuletzt zog es ihn zu einer Expedition nach Grönland. Aber seine Alpen-Längsüberquerung, bei der er 1.800 Kilometer von Wien nach Nizza wanderte, hat dennoch in seinem Leben eine Sonderstellung.

„Vor der Haustür weggehen, ohne Zeitlimit. Bloß das Ziel zu kennen, aber nicht den Weg dorthin", erklärt Thurner Besonderheiten, die dieses Unternehmen von anderen Reisen unterscheiden. „Freiheit ist ein etwas abgedroschenes Wort", sagt er auch – aber trotzdem gebe kein Besseres für das Gefühl, das sich bei so einer Weitwanderung einstellt. „2000 Kilometer Freiheit" heißt auch das Buch über die Tour, die der Wiener gemeinsam mit seiner Partnerin Anita unternahm.

DIE FERNSICHT VOM SCHNEEBERG
Die Idee, über den gesamten Alpenbogen zu wandern, trug Thurner schon lange mit sich herum. Gekommen ist ihm der Gedanke am Schneeberg-Gipfel, bei fantastischer Fernsicht. Diesen Traum zu leben, war für ihn als Selbstständiger einfacher als für seine Begleiterin, die sich als Krankenpflegerin unbezahlten Urlaub nahm. Im April starteten beide am Wiener Donauufer. Knapp vier Monate oder genau 101 Marschtage später standen sie in Nizza und ließen sich am Strand die Wandererfüße von der Meeresgischt umspülen.

Dazwischen lag die intensivste Zeit seines Lebens, meint Thurner. Herzliche Begegnungen, rührende Hilfsbereitschaft von allen möglichen Menschen. Die Erkenntnis, wie unglaublich vielfältig die Alpenregion ist – auch wenn der Bergführer viele Regionen zuvor schon einzeln bereist hatte. Das Gefühl, endlos Zeit zu haben. Wenngleich sich das Wandererpaar daran erst gewöhnen musste. „Der nächste Fixtermin im Terminkalender war der 12. November. Dennoch hatten wir in der ersten Zeit der Tour nach dem Start im April oft das Gefühl, getrieben zu sein, weiter zu müssen. Obwohl es doch objektiv gesehen keine Rolle spielte, ob wir drei Wochen mehr oder weniger brauchen." Es dauerte einige Zeit, bis die Gelassenheit kam – als würde sich auch die Psyche an den langsamen Rhythmus beim Gehen erst anpassen.

HITZE, REGEN, KÄLTE
„Zu Fuß gehen ist nicht nur romantisch und schön, sondern auch anstrengend und entbehrungsreich", betont Thurner. „Es ist heiß oder kalt, man ist hungrig, die Füße schmerzen und die Schultern sind verspannt." In den 101 Tagen waren längere Regenphasen dabei, und irgendwann halten auch der Regenponcho und die (angeblich) 100 Prozent wasserdichten Schuhe die Nässe nicht mehr davon ab, an den Körper zu kriechen. Auf der anderen Seite erlebten die beiden extreme Hitze in Norditalien.

Doch sobald man wieder eine Widrigkeit überwunden habe, stelle sich beim Weitwandern ein geradezu unheimliches Wohlgefühl ein. Das auch in der Rückschau als Grundgefühl bestehen bleibt. „In der Anstrengung liegt auch die Intensität des Erlebens. Was man einfach kriegt, ist dagegen oberflächlich." Das große Freiheitsgefühl ergebe sich auch aus der Unabhängigkeit – von Fixzeiten, Quartieren, Transportmitteln. Was Thurner noch auffällt: „In keinem Gebirge kannst du dich so frei bewegen, wie in den Alpen." Da spiele es auch keine so große Rolle, dass Zelten in der Natur, anders als in vielen anderen Weltregionen, verboten ist: „Wenn wir um Erlaubnis baten, hat uns nie jemand das Zelten verwehrt."

WIE ZUM ERSTEN MAL AM MEER
Auch Hans Thurner, als Bergführer seit vielen Jahren mit Gruppen auf der ganzen Welt unterwegs, hat das Gefühl, dass Weitwandern in jüngster Zeit wieder am Puls der Zeit liegt. „Auch bei Jüngeren ist die Sehnsucht nach einem Kontrast zu einer hektischen, lauten Welt zu spüren. Einerseits wird in weite, exotische Länder geflogen; andererseits das einfache, unkomplizierte Natur- und Bergerlebnis vor der Haustür neu entdeckt." Wobei eines das andere keineswegs ausschließe – wie bei Thurner selbst. Den es in die Berge und Naturregionen der Welt zieht – und der von der „Haustür", vom Wiener Donauufer weg, nach Nizza wanderte. Am Ende, nach 101 Tagen, standen er und seine Partnerin in ausgelatschten Wanderschuhen am Strand zwischen Badetouristen und fühlten sich, „wie wenn man als Kind zum ersten Mal das Meer sieht".

Hans Thurner / Bild: KK

Der Weitwanderer
HANS THURNER, geboren 1964, ist Berg- und Skiführer, Fotograf und Vortragender. Als solcher war er bereits auf sämtlichen Kontinenten und in allen großen Gebirgen der Welt unterwegs. Thurner lebt in Wien. Buch: „2000 KM Freiheit. Zu Fuß über die Alpen von Wien nach Nizza", 2015.Buchtipp: 2000 KM Freiheit / Bild: Hans Thurner

Web: www.hans-thurner.at



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