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SPORTaktiv in Südkorea

SPORTaktiv in Südkorea: Sportunterricht zwischen Disziplin und Leiden

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Der organisierte Sport in Österreich kaut noch immer an der Olympiapleite und ist bei der Ursachenforschung endlich im Schulsport angekommen. SPORTaktiv aber wollte wissen, wie’s erfolgreiche Nationen machen – und besuchte die Sportgroßmacht Südkorea, die in London 13 Goldene abstaubte. Aber man darf sich wundern: Es ist auch dort nicht alles Gold, was glänzt ...


Wenn man Park Soo Woo auf den Sportunterricht während seiner Schulzeit anspricht, reagiert er nicht besonders erfreut: „Oh Mann, hör mir bloß auf – ich hab’s gehasst!“ Nach einer Atempause fügt der Südkoreaner, der in der chinesischen Hauptstadt Peking Medizin studiert, hinzu: „Wobei das eigentlich egal ist – ich habe die ganze Schule gehasst. Ganz ehrlich: Es war schrecklich.“
Ein Satz, der sicher auch bei diversen Diskussionsrunden über die Schulzeit in Österreich fällt, doch in diesem Zusammenhang hat er eine ganz andere Bedeutung und Gewichtung. Denn der Leistungsdruck an den südkoreanischen Schulen ist für westliche Verhältnisse unvorstellbar. „Nur vier Prozent schaffen es auf eine der besten Universitäten, und der Unterricht ist allein darauf ausgerichtet, dieses Ziel zu erreichen. Wenn du auch nur eine Zwei bekommst, denkst du schon ans Sterben“, erzählt Park weiter. Und viele Schüler denken nicht nur daran: Südkorea weist unter allen OECD-Staaten die mit Abstand höchste Selbstmordrate bei Jugendlichen auf.

BEWEGUNG ALS BESTRAFUNG
Wenn man sich nur die Ergebnisse anschaut, gibt der Erfolg diesem Erziehungssystem zunächst Recht: Beim Pisa-Test schneiden Südkoreas Schüler stets blendend ab – und auch die letzten Olympischen Spiele in London bescherten dem 50-Millionen- Einwohner-Land einen wahren Goldrausch: Mit insgesamt 13 Goldmedaillen, gesamt 28 Medaillen und Rang 5 in der Länderwertung ließ Südkorea auch sportliche Großmächte wie Deutschland, Frankreich oder Italien hinter sich. Und das ist bemerkenswert, weil der Sport im Allgemeinen und der Schulsport im Speziellen keinen hohen Stellenwert im koreanischen Bildungssystem einneh men. Im Gegenteil: Da Sport für das mechanische Pauken in den Klassenzimmern eher als kontraproduktiv angesehen wird, wird auf Bewegung wenig Wert gelegt, auch die Turnsäle entsprechen oft nicht den Standards. Dafür war Südkorea das erste Land, das sämtliche Schulen mit Highspeed-Internet ausgestattet hat ...
Die Schule dauert meist von 8 bis 16 Uhr, danach werden private Nachhilfe-Institute (sogenannte Hakwons) besucht, in den Nachtstunden werden die Hausaufgaben erledigt, oft bis weit nach Mitternacht. Zeit für Bewegung: null. „Die Schule hat mich gelehrt, körperliche Bewegung zu hassen, denn hier wurde sie als Instrument der Bestrafung eingesetzt. Wenn ich nicht gut genug gelernt habe, musste ich Liegestütze machen“, erinnert sich Park.

DRILL IM KINDERCAMP
Warum trotzdem der Leistungssport funktioniert? Die Dominanz südkoreanischer Spitzensportler erklärt sich durch ein System, das Talente schon in jungen Jahren aussiebt. In Kaderschmieden werden die Jungathleten in jahrelanger Arbeit zurechtgebogen, bis ihre Körper im Sinne der Trainer funktionieren – und die verlangen nichts weniger als Perfektion. Manche Eltern wiederum schickenihre Kinder in den Ferien auf sogenannte Bootcamps, in denen die Kinder geistig und körperlich gestählt werden sollen. Die Eltern sehen das als passende Vorbereitung auf den Weg zur Hochschulreife. Cho Sang Hee, dieim Alter von 15 Jahren an einem Bootcamp in Ansan teilnehmen musste, erzählt: „Es war mitten im Winter und mit minus 15 Grad unglaublich kalt. Halbnackt mussten wir Baumstämme schleppen, Liegestütze im Schnee machen, während uns die Rücken eingerieben wurden und zum Schluss musste jeder dann auch noch ein Bad im zugefrorenen Fluss nehmen. Ich wundere mich heute noch, wie ich das durchgehalten habe“, erinnert sich die heutige Managerin mit Schrecken. Auf die Frage, ob sie ihre eigenen Kinder ebenfalls in ein solches Camp schicken würde, muss sie eine Zeit lang nachdenken, sagt dann jedoch: „Wahrscheinlich nicht. Auch wenn ich schon denke, dass es den Kindern später hilft, sich durchzusetzen.“

COMPUTERSPIELE ALS SPORT
In jedem Fall bleibt das Problem, dass Sport in Südkorea eher selten mit Spaß und Vergnügen assoziiert wird. In der streng konfuzianisch geprägten Gesellschaft, in der stets der Geist über den Körper gestellt wurde und wird, zählt ausschließlich der Leistungsgedanke. Auch im Sport. Dementsprechend ernüchternd und sogar abschreckend sind auch die Zahlen und Statistiken in diesem vermeintlich erfolgreichen Sportland, wenn es um Bewegung und Sport im sozialen Ge füge und in der Freizeit geht: Nur zehn Prozent der südkoreanischen Jugendlichen geben an, regelmäßig Sport zu betreiben, bei den Mädchen sind es noch weniger. Stattdessen gelten Computerspiele als echter Sport – Profispieler können viel Geld damit verdienen, wenn ihre Spiele auf eigenen Fernsehkanälen übertragen werden.
Südkoreas Gesundheitsbehörden jedenfalls sind alarmiert und warnen bereits seit Jahren vor den Folgeschäden – passiert ist jedoch vorläufig nicht allzu viel. Und mit den plakativen Erfolgen wie zuletzt bei Olympia in London werden eben auch in Südkorea mahnende Kritiker locker mundtot gemacht.
Einer, der sich darüber freut, ist Medizinstudent Park Soo Woo: „Ich spezialisiere mich auf Orthopädie und Rückenleiden. Das kann man in einem Land wie Südkorea immer brauchen.“

WAS SPORTLICHE SÜDKOREA-REISENDE WISSEN SOLLTEN

  • Outdoor: Südkorea bietet sportbegeisterten Touristen unendlich viele Möglichkeiten. Zahlreiche Nationalparks wie Bukhansan, Deogyusan, Gayasan oder Juwangsan sind perfekt für Outdoor-Aktivitäten wie Wandern oder auch Skifahren geeignet.
  • Golfsport: Im Spitzensport zählt Südkorea vor allem bei den Damen mittlerweile zur Weltelite; für Golftouristen bietet sich die Möglichkeit, auf mehr als 200 Golfplätzen zu spielen – zu allerdings teils enormen Greenfee- Preisen.
  • Kampfsport: In der Hauptstadt Seoul gibt es etliche Schulen, die für die Kampfsportarten Tae Kwon Do und das traditionelle Gürtelringen Ssireum (wie Sumo) Schnupperkurse für Touristen anbieten. Die bekannteste ist Kukkiwon (www.kukkiwon.or.kr).
  • Mentales Training: Zum Erlernen fernöstlicher Meditationspraktiken kann man sich auch für einige Tage in ein buddhistisches Kloster zurückziehen (http://eng.templestay.com/).



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